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Gedichte IV - 1997

 

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Daniel Boente

Gedichte aus vier Zyklen von 1991 bis 1997

(1) Der Narr im Spiegel
(2) Die überarbeiteten Wirklichkeiten des Bruno Absorbanski
(3) Stundengläser aus Papier
(4) Mond Abgetrieben

ex 1-4

seht her
ein stern steht am
himmel -
vogel flügelschwer
schwebt in
dauernacht..

durch schwarztal
geritten, litten,
leiden morgenroten
durst, schnitten,
schneiden dunstig
seide.

schenkt ihr kein
kind, der tag
zerbricht auf
porzellan den
stein.

magenhäutet
dosenfleisch & salz
wird wasser binden.

 

Hochspannungsleitung 3

Filigrane Fiebertiere huschen
durch die Sinnennacht, zwölfmal Feuerreiter,
schnäbeln Märzlicht auf der Leitung ritzen
reißen rohen Strom: die Dämmerung
wird Rabenkrähen regnen.

 

Am Meer

Gischtgespritzt
im dreigestrichenen Haar
wie wunderbar sich kunterbunt
im Frauenschlund
ein Kreisel dreht.

 

Im Haus

Schuhschachtelgedanken reiben
graue Sehnsucht - sie flüchtet
durch den Badezimmerabzug:
bleiben kann doch jede, hatte
sie zum Abschied noch gerufen.

Kinder kreisen durch den Hof.

Rettet sich wer kann sein
Flötenspiel, wer kann sein
Morgenlicht, wer kann sein
Leben leben ohne im Schatten
zu frieren?

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© 2001 Daniel Boente