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Gedichte I - 1991

 

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Daniel Boente

Gedichte aus vier Zyklen von 1991 bis 1997

(1) Der Narr im Spiegel
(2) Die überarbeiteten Wirklichkeiten des Bruno Absorbanski
(3) Stundengläser aus Papier
(4) Mond Abgetrieben

Ein Hoch auf die ernste Lyrik

Steinern währt das Wort -
ein Häuflein Liebe modert still im Gras
als Rest von Blumen,
die einst Blüten trieben;
als Traum vom Menschen,
die wie Kinder blieben -
im Alter und an jedem Ort.

Steinern währt das Wort -
das Tageslicht am Horizont
als Netz von Ängsten,
die die Nacht umweben;
als Spur von Sorgen,
die wie Wolken schweben -
im Hier und Jetzt und immerfort.

 

Die Wortzerleger

Der Sprache Grenzen
   sind unerreichbar!
Welche Torheit, zu glauben,
   daß sie zu durchbrechen sind.

Oh, ihr Narren!
   Ihr, die ihr die Liebe zu ergründen sucht!
   Ihr, die ihr das Wort zu zerlegen glaubt!

Welche Anmaßung, die Euer Hirn umnachtet,
   welche Verachtung, die ihr der Schönheit zuteil werden laßt;
laßt die Sprache wie sie ist,
   versucht nicht zu zerstören,
      was ihr nicht einmal
         ergründen könnt.

Bewegt euch sicher auf der Erde,
   sicher werde erst der Schritt,
      bevor ihr anstrebt, des Vogels Flug zu imitieren,
         ihm nachzufliegen durch den Äther.

 

Der Musenkuß

Auf Zehenspitzen schleicht
   die Muse um den Tisch
      des Dichters.

Verstohlen küßt sie ihn
   auf den Nacken,
      läßt ihn in Wollust schaudern.

Er dreht sich um zu ihr,
   blickt in die Tiefe ihrer Augen -
      versteht -

         beginnt zu arbeiten.

 

Lied des Lehrers

Sieh da
   ein Luftballon hoch neben Dir,
      fast in den Wolken.
   doch wisse, daß ich abstrahier' -
      das heißt, ich habe Luft gemolken.

Schau an
   der Luftballon ist nur Idee,
      er läßt sich leicht ersetzen.
   Sein Tod tut nur den Ohren weh
      drum spreng' ich ihn in Fetzen.

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© 2001 Daniel Boente