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Gedichte III - 1995

 

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Daniel Boente

Gedichte aus vier Zyklen von 1991 bis 1997

(1) Der Narr im Spiegel
(2) Die überarbeiteten Wirklichkeiten des Bruno Absorbanski
(3) Stundengläser aus Papier
(4) Mond Abgetrieben

Prismennichtigkeiten #2

In mir, der ich bin,
stirbt stumm der Wind,
der Wolken brennend Licht
verdichtet sich
zu fieberndem Geträum.
Sturm im Zornesrot
verblutet, tropft
jeden Tag in Stunden-
gläser aus Papier.

 

Verfieberung

Mir wachsen Federn unter meinem Fuß,
Daunen wie Libellenflügel. In
Meinen Träume zu ertrinken
Drohe ich, greife
Nach deines Nabels Schmuck -
Metall reißt Fleisch:
Du blutest, lächelst
Lüstern deine Qual..

Mir wachsen Federn unter meinem Fuß.
Gardez! Die Dame! höre
Ich dich rufen
Gegen Stein
Die Stimme hohl -
Ein Echo wohl.

 

Göttliches Gewitter #16-51

Aufgeplatzte Lippenpaare spritzen Blut ans Firmament,
als Sänger schwarzer Kunst die Stille hymnisch preisen,
in ihren eigenen Kreisen schwelgen, durch selbst-
gemachte und erdachte Zonen aus Raumzeitschneckenhäusern
reisen, suchen, niemals finden, winden sich in Seelen-
schmerzen und verschwinden in sich selbst.

Aufgeplatzte Lippenpaare zittern, baumeln frei das Kinn herab,
summen unbekannte Melodien; Soldaten ziehen wieder durch
das Land, das Leben findet statt in einer Regenwolke, in
Strathossphären-Über-Ich-Visionen wimmern Bucklige und
mauern sich in Türme ein:

Das ist es.
Das kreuzt es. Das krönt es.
Darauf ruht es.
Das war zuvor. Das kommt danach und
Das bist du.

 

Militärisches

Schützen graben, töten
Blicke, Augen brennen,
tränen trocken -
Staub bedeckt den Tag.

Dämmerung ist licht,
kost, glättet Kanten
zwischen Tag und nachts,
wenn alle Tage schlafen,
preßt Zeit in ein
Quadrat.

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© 2001 Daniel Boente