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LESESTOFF für Regentage |
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Von Januar 1995 bis März 1999 haben wir in den Vereinigten Staaten von
Amerika gelebt - in Poughkeepsie im Staat New York, um genau zu sein - und somit eine Menge über die amerikanische Lebensweise gelernt. Um dieses Wissen unseren Freunden in der Alten Welt weiterzugeben, haben wir regelmäßig kleine Berichte
(sog. Poughkeepsie Newsletters) geschrieben. Hier ist einer davon. Viel Spaß beim Lesen! |
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... wie das Gesetz es befahl
(Juli 1996)
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Der Sommer ist da! Und zusammen mit ihm ist auch die Motorradsaison in vollem Gange, oder besser: in voller Fahrt. Kein
einziger Freund der motorisierten Zweiräder ist mehr in diesem Lande, der den Juckreiz in seiner Gashand auf die Dauer unterdrücken könnte. Doch vor dem Vergnügen kommt auch in den USA zuerst das Gesetz. Allerdings..... |
Es gibt wohl keine anderen Motorräder auf
diesem unseren Planeten, die schon in dem Augenblick, wenn sie aus der Montagehalle kommen, so legendär sind wie die Maschinen, denen Bill Harley und Arthur Davidson vor bereits 93 Jahren ihre Namen gaben. Unzählige Bücher und Bildbände
sind seither auf dem - nicht nur amerikanischen - Markt, die sich ausschließlich diesen Motorrädern, ihrer Geschichte und ihren Besitzern widmen. Ein echter, eingeschworener Harley-Treiber würde eher seine eigene Ehefrau oder Freundin
verkaufen, als sich von der geliebten Maschine zu trennen (damit hier keine Mißverständnisse aufkommen: so einer bin ich nicht, Anm. d. Verf.). Eine Harley-Davidson atmet, heute mehr denn je, Männerfreiheit, Indianer-Romantik, Tattoos,
Leder und Benzingeruch. All das gibt es außerhalb Amerikas zwar auch, aber hier in den USA ist es der Biker-Szene nicht irgendwie künstlich aufgesetzt, sondern integraler Bestandteil der sogenannten amerikanischen Subkultur, die sich -
dem progressiven Jazz nicht unähnlich - ganz bewußt von der sterilen mittelständischen Konsumgesellschaft abzuheben versucht. |
Im Sattel einer Harley wird man nicht nur von
den Familienvätern in ihren braven Limousinen beneidet, sondern sogar von den Truck-Fahrern auf dem Highway ernst genommen. Und selbst wenn der eingefleischte Hitech-Freak von seiner knapp 200 kg leichten Bimota durch das (dezent
getönte) Visier seines Fünfhundertdollar-Helmes auf die sieben Zentner "veraltete" Technik hinunterschaut, so kann er doch eine gewisse Hochachtung in seinem Blick nicht ganz unterdrücken. |
Doch dieser Bericht soll ja keine Hommage an
die Traditionsmarke Harley-Davidson werden (dazu reichte erstens der Umfang des klassischen Newsletters nicht aus und zweitens habe ich nicht den Ehrgeiz, die eben erwähnte einschlägige Literatur durch ein weiteres Werk zu ergänzen, Anm.
d. Verf.), sondern das Thema sind ja die gesetzlichen Vorschriften und Bestimmungen, die letztlich für alle Motorräder dieselben sind. Und genau davon soll nun der staunende Leser und Motorradfreund erfahren. |
Zuerst jedoch noch eine kurze Vorbemerkung:
das hier Gesagte gilt nur für die Staaten im Nordosten der USA (in alphabetischer Reihenfolge: Connecticut, Maine, Massachusetts, New Hampshire, New Jersey, New York, Pennsylvania, Rhode Island und Vermont), denn die Gesetze sind im
Mittleren Westen oder an der Pazifikküste möglicherweise ganz andere. Als Basis diente daher das Motorcycle Operator Manual MV-21MC (6/94), herausgegeben vom New York State Department Of Motor Vehicles, sowie die Broschüre
It's the Law, herausgegeben von den beiden Anwälten John Haymond und Samuel C. Fried in White Plains, die sich auf die besonderen Belange von Motorradfahrern in den genannten Staaten spezialisiert haben. |
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Der Klassiker: Peter Fondas Bike aus dem Film Easy Rider |
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Es beginnt bereits beim Erwerb eines dieser chromblitzenden Dinger, das heißt
der eigentliche Kauf geht noch relativ problemlos vor sich: auswählen und bezahlen - schon ist man stolzer Motorradbesitzer. Business as usual sozusagen, in des Wortes reinster Bedeutung. Fahren darf man mit seiner
Neuerwerbung allerdings noch nicht, denn hier - wie überall - braucht man zuerst eine gültige Zulassung für sein Fahrzeug und natürlich eine Versicherung. Und damit geht's auch schon los, denn es gibt zwei Möglichkeiten: entweder ist man
Inhaber eines Führerscheins des entsprechenden Staates oder nicht. Im ersteren Fall ist es relativ leicht. Im zweiten unterstellt jedoch die in diesem Zusammenhang nahezu
unüberbietbare Arroganz der Amerikaner, daß nur jemand, der in diesem Land seinen Führerschein erworben hat, auch wirklich in der Lage ist, ein Fahrzeug ordnungsgemäß zu führen. Und deshalb sind alle Verkehrsteilnehmer, die sich
erdreisten, mit dem in ihrem Heimatland erworbenen Führerschein durch die Gegend fahren zu wollen, als sogenannte Gefahrengruppe (!?!) zu betrachten, ungeachtet der Tatsache, daß sie beispielsweise in den zurückliegenden 30
Jahren bereits Hunderttausende von Kilometern in Dutzenden von Ländern unfallfrei zurückgelegt haben. Und daher ist auch längst nicht jede amerikanische Versicherungsgesellschaft bereit, dies unabsehbare Risiko auf
sich zu nehmen, einen solchen "Anfänger" zu versichern. Doch glücklicherweise gibt es einige wenige Agenturen, die einem derartigen Verkehrsdilettanten trotzdem den gesetzlich vorgeschriebenen
Versicherungsschutz gewähren, allerdings weniger aus purer Philantropie, sondern aufgrund einer ungefähr viermal so hohen Prämie! (Warum ich mich trotzdem bis heute nicht habe überwinden können, eine New York State Driver's License
zu erwerben, habe ich an anderer Stelle ausführlich erläutert, Anm. d. Verf.). Nun gut, irgendwann hält man also, allen Widrigkeiten zum Trotz, die weiße Versicherungsdoppelkarte in der Hand und begibt sich zur
nächstgelegenen Zulassungsstelle des Department Of Motor Vehicles, zahlt seinen Obolus von zwölf Dollar und wird sogleich für seinen Versicherungsärger reichlich entschädigt, denn das was einem das nette Mädel hinter dem
Amtstresen aushändigt, ist - aus deutscher Sicht jedenfalls - der reinste Traum eines Nummernschildes. Ein winziges Stückchen Blech, sieben mal vier inches groß, nein, klein. Das sind gerade 17,5 mal 10 Zentimeter! Und links
neben der fünfstelligen Buchstaben/Zahlenkombination (meine lautet z. B. 9202R, Anm. d. Verf.) findet sogar noch eine kleine rote Abbildung der Freiheitsstatue Platz. Hübsch! Dieses Nummernschild muß nun - irgendwie
logisch, oder? - hinten am Motorrad angebracht werden. Wo? Das ist völlig egal. Einzige Bedingung: es muß sichtbar und nachts beleuchtet sein. Auch wenn die Motorradhersteller bereits werksseitig den entsprechenden Platz
vorgesehen haben, der auch meistens dafür benutzt wird, so fährt in Poughkeepsie tatsächlich eine stark modifizierte (wir Fachleute sprechen in solchen Fällen von customized, Anm. d. Verf.) Maschine herum, die ihr
Nummernschild links neben dem Hinterrad am Rahmen befestigt hat, und zwar senkrecht! Wer's nicht glaubt, ich kann es durch ein Foto belegen. |
Die Hürde der Versicherung und der Anmeldung
ist nun endlich genommen und es könnte nun hinausgehen auf die kurvenreichen Straßen und Sträßchen des Mid Hudson Valley und der Catskill Mountains. Ein ganzes Jahr hat man - theoretisch - Zeit, diesem Genuß zu frönen, bis
auf die folgenden beiden Hindernisse: a) das Wetter, das spätestens im November bis zum März in dieser Gegend recht garstig sein kann und b) die Tatsache, daß die soeben erworbene Zulassung am 30. April abläuft. Das ist jedes Jahr so:
für Motorräder endet die Zulassung grundsätzlich am letzten Apriltag eines Jahres. Und selbst wenn jemand so bescheuert sein sollte, seine Maschine am 29. 4. anzumelden - am nächsten Tag müßte er wieder beim Department Of Motorvehicles
vorstellig werden, um den briefmarkengroßen Aufkleber für's Nummernschild in Empfang zu nehmen, der nachweist, daß er die zwölf Dollar Steuern für die kommende Saison entrichtet hat. |
Darüber hinaus muß ein Motorrad einmal pro
Jahr eine Art TÜV über sich ergehen lassen. Wie gesagt, eine Art, denn mit den hochnäsigen und besserwisserischen Vorschriftenhengsten in den deutschen Prüfungsstellen hat der freundliche Mensch bei einer
Official NYS Motorcycle Inspection Station nun absolut nichts gemein. Zunächst mal ist nahezu jede Tankstelle, die hinter dem Haus einen Schuppen hat, der theoretisch eine Werkstatt sein könnte, eine solche offizielle
Inspection Station. Zweitens prüft der besagte nette Mensch lediglich, ob Scheinwerfer und Rücklicht funktionieren, trägt die Zulassungsnummer in eine Liste ein und -zack- zehn Sekunden später klebt der vorgeschriebene sticker
am linken Holm der Vorderradgabel. Fertig! Was sollte denn auch in einem Land, in dem nahezu jeder denkbare Um-, An- und Wegbau an einem Motorrad erlaubt ist, sonst wohl noch groß geprüft werden. |
Doch schauen wir uns nun endlich mal ein
amerikanisches Motorrad in Ruhe an, rein zufällig ist es die Harley-Davidson d. Verf., eine Low Rider, Baujahr 1980 mit knapp 23.000 Meilen auf dem Tacho: dunkelrotbraune Speziallackierung mit metallic-blauen Flammenornamenten auf dem
Tank und dem hinteren Schutzblech, das in den bekannten Entenbürzel ausläuft. Relativ bequemer Fahrersattel und ein winziges Soziusbrötchen, welches selbst gutwilligen Mitfahrer(inne)n vermutlich schon nach fünf oder sechs Meilen ein
gequältes Stöhnen abringt. Der gerade, etwas höher gelegte Lenker liegt gut in der Hand und der zusätzliche Chromschnickschnack tut sein übriges zum harley-typischen Erscheinungsbild. Die Bedienungselemente am Lenker sind dieselben wie
bei jedem deutschen Motorrad und auch an denselben Stellen, mit einer kleinen aber trickreichen Ausnahme allerdings: rechts, unterhalb des Gasgriffs, befindet sich der "Tempomat", bestehend aus einer Rändelschraube, die mit dem
rechten Daumen bedient werden kann und die den Gasgriff in der gewünschten Position arretiert! Äußerst nützlich und angenehm, wenn man mit 55 mph auf einem amerikanischen Highway fährt, aber natürlich saugefährlich und daher undenkbar
bei Tempo 150 auf einer deutschen Autobahn. Da wir gerade vom Tempo sprechen, viel mehr als 65 mph (etwa 105 km/h) sind auf dieser speziellen Harley sowieso nicht drin. Nicht daß der 1.380 ccm V2-Motor keine höheren Geschwindigkeiten
verkraften würde, aber die Vibrationen der Maschine werden dann derart unerträglich, daß es einem fast den Lenker aus der Hand reißt, man daher schnell die Lust am "Heizen" verliert und ebenso reumütig wie durchgerüttelt zu den
- sowieso vorgeschriebenen - 55 mph zurückkehrt. Übrigens gibt es nirgendwo, weder in der Betriebsanleitung noch in den Fahrzeugpapieren auch nur den kleinsten Hinweis auf die Motorleistung! In den USA ist sowas völlig unwichtig und
interessiert keinen Menschen (ich schätze die PS-Zahl meiner Low Rider irgendwo zwischen 60 und 70, aber - wie gesagt - who cares?, Anm. d. Verf.), denn die Höhe der Versicherungsprämie (s. o.) hat eh nichts damit zu tun. |
Und jetzt lassen wir die Maschine mal an.
Benzinhahn auf, Zündung einschalten, ein kurzer Druck auf den Anlasserknopf und der Motor läu..... WAS? ...ICH VERSTEH' NIX MEHR! ...WIE? ... LAUT? JA, LAUT! --- Zündung aus - Ruhe. Sind denn da keine Schalldämpfer in den
Auspuffrohren? Nein, es sind tatsächlich keine drin. Die (wenigstens bleifreien) Abgase donnern von irgendwelchen Dämpfern völlig unbehelligt ins Freie, direkt aus dem Zylinderkopf durch die beiden charakteristischen seitlichen Rohre,
die daher in Amerika eine reine optische Funktion haben. Kenner wissen, daß sich die Firma Harley-Davidson kürzlich den typischen V2-Sound ihrer Motoren sogar hat patentieren lassen und hier in den USA lohnt sich das auch, denn dieser
kernige Klang hat mit dem zugestopft-asthmatischen Röcheln der für Europa bestimmten Export-Maschinen genau so viel gemeinsam, wie das sanfte Säuseln des Abendwinds mit einem kräftigen Sommergewitter. Und das Schönste: man kann mit
diesem Knattergerät unbesorgt an jedem Verkehrspolizisten vorbeidonnern, er wird einem allerhöchstens neidvoll hinterherblicken. Es wird ihn auch nicht stören, daß der Helm, den ein typisch amerikanischer Harley-Treiber auf dem Kopf
trägt, eher einem jüdischen Gebetskäppchen ähnelt als einem Schutzhelm (wie wirkungsvoll dieser "Schutz" im Ernstfall ist, wage ich mir lieber gar nicht erst auszumalen, Anm. d. Verf.). |
Und damit sind wir auch schon bei den diversen
Bestimmungen in den Staaten der nordöstlichen USA. Während in New York, Massachusetts, New Jersey, Pennsylvania und Vermont beispielsweise das Tragen eines Helmes sowie eines Augenschutzes (eye protection) vorgeschrieben ist,
braucht man in Connecticut, Maine, New Hampshire und Rhode Island nichts dergleichen. Manchmal kann ich mich des Eindrucks nicht ganz erwehren, daß die Standspur der Highways zwischen den Staaten extra deswegen angelegt wurde, damit die
Biker an der entsprechenden Staatsgrenze sofort rechts ranfahren und ihr sowieso schon winziges Helmchen gegen ein noch verwegener aussehendes, kamikaze-ähnliches Stirnband tauschen können. Aber damit es selbst in den helmfreien Staaten
nicht ganz so einfach ist, gibt es eine Reihe von Ausnahmebestimmungen. So gilt die Helmfreiheit in Maine nicht während des ersten Jahres nach Erwerb des Führerscheins und in New Hampshire nicht, wenn man jünger ist als 18 Jahre. Und
auch wenn in Rhode Island der Fahrer keinen Helm braucht, der Sozius muß seinen Kopf durch einen solchen schützen. In einigen der genannten Staaten braucht man allerdings keinen Augenschutz, wenn das Motorrad eine Windschutzscheibe hat,
wohingegen man in New York ohne Brille nicht mal mit hochgeklapptem Visier fahren darf - falls man denn tatsächlich einen Intergralhelm besitzen oder gar benutzen sollte. Wenn hier im übrigen von Augenschutz gesprochen wird, sind damit
die winzigsten Sonnenbrillchen, die auf dem Markt sind, gemeint. Dafür braucht man aber in New York wiederum keine Fußrasten für den Mitfahrer, das ist doch auch schon mal was, oder? Nochmal kurz zurück zum Helm. Neben den schon
genannten Helmchen gibt es die abenteuerlichsten Kopfbedeckungen. Sehr beliebt sind zur Zeit beispielsweise alte deutsche Stahlhelme aus dem Zweiten Weltkrieg, so beliebt, daß der Zubehörhandel entsprechende Replikas anbietet (mit und
ohne Hakenkreuz). Auch Wikingerhelme einschließlich Hörner sind gelegentlich zu sehen. |
Weiter geht's. Während in allen Staaten die
Lenkergriffe nicht über die Schulterhöhe des jeweiligen Fahrers hinausreichen dürfen, so genügt es in Maine, New Hampshire, New Jersey und Rhode Island, wenn wenigstens eines der beiden Räder eine Bremse hat (das ist kein Scherz, Anm. d.
Verf.). Nun denn. In New Hampshire und New York müssen ja auch Blinklichter montiert sein, wohingegen es in den anderen Staaten genügt, beim Abbiegen die Hand rauszustrecken, und das auch nur, wenn man gerade eine frei hat. Bis auf
Massachusetts und Rhode Island kann man zum Ausgleich dafür überall während der Fahrt getrost den Kopfhörer seines Stereo-Walkman aufsetzen, der allerding in New York nur Mono - also nur ein
Knopf im Ohr - sein darf (vermutlich, damit man das Dröhnen seines Auspuffs besser genießen kann, denn unter dem Winzhelm bleiben die Ohren sowieso frei, Anm. d. Verf.). |
Doch es gibt in der Tat einige einheitliche
Verordnungen. So ist beispielsweise in allen Staaten eine jährliche Inspektion vorgeschrieben. Ein Soziussitz ist erforderlich, falls jemand auf dem Motorrad mitfahren sollte (hört, hört), und mindestens ein Rückspiegel muß ebenfalls
überall vorhanden sein, wobei über dessen Größe und praktische Benutzbarkeit nirgendwo etwas geschrieben steht und er demzufolge in vielen Fällen nicht mal für Bikerinnen ausreicht, sich standesgemäß die Nase zu pudern. |
Überhaupt scheint es der Ehrgeiz
amerikanischer Motorradfahrer zu sein, gesetzliche Vorschriften zwar durchaus einzuhalten, aber mit absolutem Minimalaufwand. Helm ja, aber der winzigste muß es sein. Nummernschild ja, aber - wenn's gefällt - dann eben senkrecht, die
Bedingung ist schließlich erfüllt, denn es ist ja durchaus lesbar, nicht wahr? Im Zweifelsfall muß man eben den Kopf auf die Seite legen. Augenschutz ja, aber die allerkleinste und dunkelste Sonnenbrille, die zünftigerweise
selbstverständlich dann auch nachts vor den Augen bleibt. |
Ähnlich halten es die amerikanischen Biker mit
ihrer "Schutzkleidung", wobei in den meisten Fällen von Schutz keine Rede sein kann, daher die Anführungszeichen. Einerseits zieht ein echter Harley-Fahrer seine speckige Lederkutte mit den Fransen und die Cowboy-Stiefel auch
bei 40 Grad im Schatten niemals aus und andererseits sitzen die Sport-Biker bei warmem Wetter alle in Shorts, T-Shirt und Plastiksandalen auf ihren PS-starken, weil grundsätzlich ungedrosselten, vollverkleideten Kawasakis, Hondas und
Yamahas. Und - wie gesagt - ab der Staatsgrenze nach Connecticut wird sogar noch der Helm gegen ein Stirnband oder Kopftuch getauscht. Die sonst so beliebten Baseball-Kappen funktionieren in diesem Fall leider nicht, weil sie - selbst
wenn man sie, wie heute sowieso üblich, umgekehrt aufsetzt - leider dem Fahrtwind auch bei nur 55 mph nicht recht standhalten wollen. |
Auch wenn ob all dieser amerikanischen
Biker-Attitüden und verwirrend undurchsichtigen gesetzlichen Bestimmungen dem motorradbegeisterten europäischen Leser jetzt sicher sämtliche Haare zu Berge stehen, so sollte doch zum Schluß der Hinweis nicht fehlen, daß die
Unfallstatistik betreffend Motorräder hier in den USA sehr positiv ausschaut. Das liegt natürlich nicht zuletzt an den strengen Geschwindigkeitsbeschränkungen auf amerikanischen Straßen (zur Erinnerung: 55 mph sind 88 km/h, Anm. d.
Verf.), aber ein weiterer Faktor ist sicherlich auch die Tatsache, daß Amerikaner am liebsten nur geradeaus fahren. Ja, so unglaublich es klingt, es stimmt. Das typische Verhalten eines Superbike-Fahrers ist daher folgendes: an der Ampel
oder auf einer Highway-Auffahrt wird zwar mit röhrendem Auspuff wie der Teufel beschleunigt (sofern das Motorrad es schafft, in drei Sekunden von 0 auf 88 km/h), aber dabei bleibt's dann auch. Auf einer kurvenreichen Landstraße
zuckelt man vorzugsweise mit 50 bis 60 km/h dahin, wobei es nicht ungewöhnlich ist, daß vor einer etwas "engeren" Kurve auch schon mal bis auf 40 oder sogar 30 km/h runtergebremst wird (mit "enger" meine ich zum
Beispiel eine Kurve, die ich persönlich auf meiner Harley mit unverminderter Geschwindigkeit, also etwa 60 km/h, fahre, Anm. d. Verf.). Und so nimmt es denn auch nicht wunder, daß Motorräder mit der Charakteristik einer Harley-Davidson
oder vielleicht auch einer Honda Goldwing ausgerechnet aus Amerika stammen bzw. hier ihren höchsten Popularitätslevel erreichen. |
Alles in allem ist das Motorradbesitzen und
-fahren in Amerika zwar etwas gewöhnungsbedürftig, macht aber nichtsdestoweniger genauso viel Spaß wie überall auf der Welt. Und nicht umsonst findet man auch in Europa auf vielen Maschinen den aus Amerika stammenden Spruch: |
Live to Ride - Ride to Live! |
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