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The Star Spangled Banner

 

Hier gibt's die passende Hintergrundmusik in drei verschiedenen Versionen:

 

DATEI-LINK: usa_hymne1.mid

DATEI-LINK: usa_hymne2.mid

DATEI-LINK: usa_hymne3.mid
 

Alle drei Versionen sind MIDI-Dateien. Zum Abspielen brauchen Sie ein geeignetes Wiedergabeprogramm, beispielsweise den Windows Media Player (standardmäßig in jedem Windows-System enthalten) oder auch den

 

EXTERNER LINK: germany.real.com



Die Einleitung

Den folgenden Bericht über die Vereinigten Staaten von Amerika habe ich im März 1995 ausnahmsweise ohne die Mithilfe meiner Frau Gisela geschrieben. Er enthält die allerersten Eindrücke von meinem Gastland, die ich in den ersten acht Wochen meines Dortseins gesammelt habe. Er trägt den Titel Amerika mit Fußnoten, weil es davon eine ganze Menge im Text gibt.

Da Fußnoten im Internet jedoch nicht ganz so einfach darzustellen sind wie auf bedrucktem Papier, habe ich diese hier auf der Seite in einer kursiven Schrift einfach an den passenden Stellen eingeschoben.

Dieser Bericht bildet die Einleitung und damit gewissermaßen den Rahmen für das, was wir später in unseren Newslettern weiter vertieft oder auch - wo nötig - relativiert haben. Deshalb empfehle ich, ihn zuerst zu lesen.
Inzwischen haben sich die Verhältnisse allerdings ziemlich geändert, sowohl in den USA als auch in Deutschland. So wird Ihnen vieles, was mir 1995 noch völlig neu und ungewohnt war, mittlerweile vermutlich sehr bekannt vorkommen, aber, wie gesagt, damals im letzten Jahrhundert...

Und noch ein ebenso kurzer wie völlig belangloser Hinweis: den Text habe ich seinerzeit an langen Abenden als einzigen auf meinem Laptop (damals ein IBM Thinkpad 750Cs) in unserer amerikanischen Küche getippt, weil Gisela noch in Deutschland war und unser "großer" Computer in einem Umzugs-Container auf dem Atlantik herumschipperte.


Da diese Einleitung recht lang ist, besteht sie aus zwei Teilen. Dies ist der erste Teil. Den zweiten Teil finden Sie
[hier...], und dort gibt es am Ende der Seite auch die komplette [PDF-Version...] der Einleitung zum Drucken (mit richtigen Fußnoten).

Amerika mit Fußnoten (März 1995)

--- Teil 1 ---

Das Land der unbegrenzten Möglichkeiten

Nun bin ich in Amerika, im Land der unbegrenzten Möglichkeiten!

Na ja, so ganz unbegrenzt sind die Möglichkeiten auch hier nicht. Bei genauer Betrachtungsweise sind dieselben sogar genauso begrenzt, wie überall sonst auf der Welt. Nur eben in einer Weise, die sich von der Europäern bekannten eklatant unterscheidet.

Amerika, das Ziel der Träume und Hoffnungen vieler Vorväter und Vormütter, der Hort der Demokratie, die Heimat von Mickey Mouse, Coca-Cola und IBM. Das Land, wo es allen Ernstes salzfreies Salz, und eiweißfreies Rührei gibt und wo es niemanden stört, daß sogar die Fernsehnachrichten und die Tageszeitungen fast informationsfrei sind. Das Land, wo die schwarzen Silhouetten der Riesenkakteen mit dem glutroten Sonnenuntergang effektvoll und malerisch kontrastieren, d. h. wo fast alles nach Freiheit und Abenteuer schmeckt und riecht, kurz: ich bin in Marlboro Country.

Die Amerikaner haben ein sehr gespaltenes Verhältnis zu diesem Geschmack von Freiheit und Abenteuer: einerseits hat man zwar nicht die Freiheit zu rauchen, wo und wann es einem beliebt, aber andrerseits kann es wirklich zu einem Abenteuer werden, wenn man es doch tut. Davon später mehr.

Natürlich übertreibe ich mal wieder. Amerika ist ein Land wie jedes andere auch, bestehend aus Gegend, Häusern, Straßen, Tieren, Pflanzen, Autos, Supermärkten und Menschen.

Ich sollte schon präzise sein: ich berichte ausschließlich über die Vereinigten Staaten von Amerika, im Volksmund auch USA genannt. Diese sind nur ein verhältnismäßig "kleiner Teil" (die Gänsefüßchen sind hier durchaus angebracht) des amerikanischen Riesenkontinents. Trotzdem werde ich im weiteren Verlauf dieser Schrift der Einfachheit halber meistens von Amerika sprechen.

Von all dem (und ein bißchen mehr) möchte ich hier plaudernd berichten. Dazu werden Sie sich jetzt wahrscheinlich fragen, ob solch ein Bericht nach etwa zwei Monaten Aufenthalt überhaupt schon objektiv und vollständig sein kann. Natürlich kann er das nicht. Aber meine Erfahrung hat mich zwei Dinge gelehrt: erstens ist jeder Bericht, der jemals über ein Land geschrieben wurde, subjektiv und unvollständig, selbst nach zwanzig Jahren Aufenthalt, und zweitens soll es auch so sein. Speziell in meinem Fall. Ich denke, daß die ersten Eindrücke, die man von einem Land und seinen Einwohnern gewinnt, oft die entscheidenden und prägenden sind. Was andererseits nicht heißt, daß ich nicht manches später revidieren werde, wenn es nötig ist. Außerdem soll das hier ja kein Reiseführer werden, sondern ich möchte Ihnen meine höchstpersönlichen Erfahrungen, Gedanken und Gefühle wiedergeben.

Darüber hinaus kennt man mich als relativ vorurteilsfreien Menschen, der schon einen erklecklichen Erfahrungsschatz in zahlreichen Ländern dieser Welt angesammelt (und teilweise auch darüber berichtet) hat, so daß Sie zu Recht erwarten dürfen, daß ich Sie weder ständig mit Allgemeinplätzen langweilen noch mit halbfundierten Vorurteilen belügen werde.

Der Amerikaner

Doch nun genug der langen Vorrede und hinein ins Geschehen. Ich beginne mit meinen derzeitigen Mitbürgern, den Amerikanern als solchen. Dazu muß ich zuerst einmal klarstellen, daß es DEN Amerikaner überhaupt nicht gibt.

Genauso wenig, wie es DEN Durchschnittseuropäer, oder DIE Standardhausfrau, oder DEN typischen Verkehrsteilnehmer gibt und gar nicht geben kann. Also ein reines Phantom. Trotzdem läßt sich aus tausenden kleiner Mosaiksteinchen das Bild des typischen Amerikaners zusammensetzen (auch wenn nicht alle diese winzigen Bruchstückchen auf jedes einzelne Individuum zutreffen). Ich wage zu hoffen, daß das nach der Lektüre meines Berichtes etwas klarer geworden ist, was oder wen ich mit DEM Amerikaner meine.

Und trotzdem, der Amerikaner unterscheidet sich von allen anderen Bewohnern unseres Planeten hauptsächlich eben dadurch, daß er Amerikaner ist. Doch ist er das wirklich? Anders gefragt: gibt es überhaupt echte Amerikaner? Doch ja, es gibt tatsächlich noch ein paar. Sie leben allerdings heute größtenteils in Reservaten...

Hier frage ich mich immer unwillkürlich, ob das Wort Reservat damit zusammenhängt, daß hier Menschen in Reserve gehalten werden für den Fall, daß die anderen vielleicht eines Tages .... Blödsinn!

...produzieren folkloristischen Glasperlen- und Federschmuck für Touristen, betreiben Spielkasinos und trinken Feuerwasser bis zum Umfallen. Ja, aber was sind denn dann die anderen, die hier frei herumlaufen, genauer: -fahren?

Es gehört zu den auffallendsten Merkmalen des homo americanus, daß er von seinen Beinen nur ungern Gebrauch macht, es sei denn zum Gasgeben und Bremsen. Andererseits hängt in amerikanischen Autos das linke Bein nur dumm und überflüssig vom Fahrersitz runter. Kupplungspedale findet man nur in manchen der wenigen, aus Europa importierten und daher recht teuren Sportwagen schwäbischen bzw. italienischen Ursprungs. Gehen tut ein Amerikaner nur in den endlosen Gängen der Supermärkte.

Nun, bis kurz nach dem Zweiten Weltkrieg waren es zum einen die Nachfahren der europäischen Auswanderer, die jenseits des Atlantik eine neue Existenz gegründet hatten und zum anderen die Nachkommen jener Afrikaner, die eben diese Europäer sich aus Afrika geholt hatten, um sie Baumwolle pflücken und die übrige Dreckarbeit machen zu lassen. Beide Gruppen unterscheiden sich nicht nur durch ihre Hautfarbe, sondern auch dadurch, daß die Gruppe mit dem etwas dunkleren Teint einen eigenen Fernsehkanal hat: BET, Black Entertainment Television. Später komme ich noch ausführlich aufs Fernsehen zu sprechen.

Heutzutage entstammt ein großer Teil der amerikanischen Bevölkerung jedoch nicht nur der Binnenproduktion, sondern wird laufend aus dem fernen Asien (Chinesen, Inder und Japaner) sowie aus dem etwas näheren Lateinamerika (Puertorikaner, Kubaner und Mexikaner) ergänzt. Nebenbei bemerkt hat diese Verschmelzung der Kulturkreise einen meiner Meinung nach durchaus positiven Einfluß auf das örtliche Speisenangebot. A propos essen, noch nirgendwo auf dieser Welt habe ich so beleibte, nein, ich nenne es ganz deutlich beim Namen: feiste Schwabbelmenschen gesehen wie in Amerika. Überdimensionale Big Macs auf Beinen, Doppelwhopper mit Haaren auf dem Kopf.

Mal abgesehen von den japanischen Sumo-Kämpfern. Für die Statistiker unter Ihnen: fast 70% der Bevölkerung haben mehr als 20% Übergewicht! Selbst ich in meiner sprichwörtlichen Unvoreingenommenheit und relativen Vorurteilslosigkeit muß zu solch drastischen Worten greifen. Es kann einem wirklich der Appetit vergehen, wenn in einem Restaurant am Nebentisch ein Mensch (?) sitzt, dessen bezw. deren Fettmassen links und rechts über den Stuhlrand quellen und der/die wegen seiner/ihrer Wampe kaum noch nah genug an den Tisch kommt. Der/die sich dennoch den Teller berghoch mit Eßbarem vollgepackt hat, welches er/sie schnaufend in sich hineinschaufelt.... Igittigitt!

Da in diesem Lande jedoch alles zutiefst verpönt und sogar per Gesetz untersagt ist, was einen Menschen irgendwie diskriminieren könnte, nennt man solche Fettklöpse hier euphemistisch: weightly challenged persons.

Das ist nicht übersetzbar. Auch wenn es im Deutschen wörtlich "gewichtsmäßig herausgefordert" heißt, so trifft das nicht ganz den Kern der Sache. Eine challenge ist eben nicht genau eine Herausforderung im deutschen Sinne, sondern wesentlich sanfter, mehr ins sportlich-spielerisch-verständnisvolle changierend. Als zusätzliche Verdeutlichung mag vielleicht dienen, daß geistig Behinderte analog dazu mentally challenged persons genannt werden.

Doch zurück zum Amerikaner an sich. Er ist ein typischer Insulaner, und damit seiner Grundmentalität nach dem Engländer nicht unähnlich. Doch was bei diesem der instinktiven Neigung zum Individualismus entspringt, ist beim Amerikaner der pure Konformismus, gepaart mit einer Art Hang zur Selbstgefälligkeit und einem permanenten Bedürfnis, sich selbst bestätigen zu müssen. Natürlich, die Europäer bauen tolle Autos (Germany, Sweden), sind Spitzenköche (Italy, France), haben die Swatch erfunden (Switzerland), pflegen buntschillernde Traditionen (England, Austria) und blicken auf uralte Kulturen zurück (Greece, Turkey), soweit so gut, aber die wahren und wirklichen Herren dieser Welt, die Hüter der Demokratie, die Friedensbringer und -garanten gegenüber dem Leibhaftigen und seiner Kommunistenbrut, die Bewahrer der Freiheit und der Menschenrechte, das sind und bleiben ewiglich die gottesfürchtigen Amerikaner. Amen.

Blah, blah, blah. Noch etwas gehört hierher: In Amerika darf man so ziemlich alles sein, homo- oder bisexuell, Jude oder Moslem, Mann oder Frau, Schöne oder Biest, ja sogar bekennender Nazi ... egal. Nur eines nicht: Kommunist!

Gewiß, Amerikaner haben noch nie einen Krieg verloren (und wenn doch, dann höchstens achtzehnhundertirgendwann den Sezessionskrieg gegen sich selbst). Sogar der Vietnamkrieg wurde ja nicht verloren, sondern lediglich aus Vernunftgründen vorzeitig abgebrochen - so sagt man jedenfalls.

Was meine ich also damit, wenn ich den Amerikaner des Konformismus zichtige? Sicher nicht den augenblicklichen Trend des Buy American, das gehört eher in die Kiste mit der Aufschrift "Nationalstolz".

Auf deutsch: Kauf amerikanisch(e Waren - mit dem gedanklichen Zusatz: und nicht den europäischen/fernöstlichen Schrott). Jedes Volk, das sich aufgrund seiner untadeligen Vergangenheit eine gesunde Portion Nationalstolz bewahren durfte, kommt früher oder später auf diesen Gedanken. Schon 1986 haben meine Frau Gisela und ich in vielen Geschäften Kopenhagens das Schild Køb dansk (Kauf dänisch) gesehen.

Nun, wenn wir Konformismus zur "Anpassung" eindeutschen, heißt das, daß der Amerikaner den grundsätzlichen Hang hat, sich irgendwelchen Trends anzupassen. Und genau das stimmt in einem viel, viel höheren Maße, als es bei anderen Völkern der Fall ist. Nein, ich sollte noch etwas präziser sein: der Amerikaner paßt sich nicht an, er wird angepaßt - Politik und Werbung tragen das ihrige dazu bei - bemerkenswerterweise meist an sich und seinesgleichen (der circulus americanus vitiosus). Und dazu tragen hauptsächlich die Dinge bei, über die ich im weiteren Verlauf berichten werde.

Wie dem auch sei, trotz nahezu ununterbrochener Fernsehberieselung interessiert sich der Amerikaner im Grunde nicht einen Deut dafür, was jenseits seines Grundstücks in der Welt vorgeht und die Grenzen seines Landes sind alle soweit entfernt, daß er selbst mit dem Flugzeug viele Stunden braucht, sie zu erreichen.

Neben dem Auto ist das Flugzeug das meistbenutzte (und meist einzig verfügbare) Verkehrsmittel. Ein Beispiel soll das verdeutlichen: von New York nach San Francisco braucht man mit dem Flieger fünfeinhalb Stunden! Wenn wir das mal auf deutsche Verhältnisse übertragen, ist man von Frankfurt aus nach solch einer Flugzeit über dem Atlantik, in Spitzbergen, in Zentralafrika oder in Sibirien! Sowas prägt natürlich die Einstellung und das Lebensgefühl der Menschen.

Wenn ein New Yorker seinen Freund in Los Angeles anruft, muß er dabei in Betracht ziehen, daß es bei jenem noch drei Stunden früher ist.

Nein, bei der Unterstellung des Desinteresses sollte ich schon fair bleiben. Sicher, daß in Italien die Regierung mal wieder wechselt, daß der deutsche Finanzminister Solidaritätszuschläge aus seinen Mitbürgern herauspreßt, daß der französische Staatspräsident, der britische Premierminister und der deutsche Bundeskanzler in einem Meeting über die Zukunft Europas entscheiden, ist für einen Amerikaner völlig uninteressant. Aber, Hand aufs Herz, was wissen wir Europäer denn von den Internas jenseits des Atlantik? Uns interessiert genauso wenig, wenn zum Beispiel der Senator von Oklahoma eine für sein Bundesland lebenswichtige Entscheidung fällt bzw. in Utah ab sofort das Rauchen in Einbahnstraßen donnerstags verboten ist, oder? Es ist eben alles im Leben eine Frage der Größenverhältnisse.

Und trotzdem, selbst ein Fernsehsender wie Cable News Network (CNN), der überall in der Welt empfangen werden kann und der von sich selbst behauptet, der Nachrichtensender schlechthin zu sein, hat noch nicht gemerkt, daß sich seine Berichterstattung zu 95% nur auf inneramerikanische Probleme beschränkt.

Das Fernsehen

Damit bin ich unversehens beim Fernsehen angelangt und starte mit einer beweisbaren Behauptung: Amerikaner lieben Katastrophen. Und Verbrechen. Und Kriege. Alles, wo Blut fließt. Woher das kommen mag? Vielleicht hat jemand von Ihnen ja auch schon mal einen dieser Trickfilme im Jugendprogramm des deutschen Fernsehens gesehen. Ich meine diese widerlichen Dinger, wo irgendwelche Superhelden mit eingebauten Laserkanonen in den Fingern und in futuristische Kostüme gekleidet die Erde in letzter Minute vor der Vernichtung durch extraterrestrische Ungeheuer (Kommunisten?) bewahren. Solche Sendungen werden hier morgens zwischen 6:00h und 9:00h auf mindestens fünf Fernsehkanälen gleichzeitig ausgestrahlt.

Also genau zu der Zeit, wenn die Kids ihre Frühstücks-Cornflakes schaufeln.

Und zwar jeden Tag! Selbstverständlich obsiegt am Ende zwar immer das Gute, aber diese frühkindliche Konditionierung, daß sich selbst existenzbedrohende Probleme durch eine entsprechende "gute" Gegengewalt lösen lassen, bestimmt das spätere Weltbild des homo americanus televisionis (ich bin kein Soziologe und meine Kenntnisse der Fachliteratur sind nur sehr lückenhaft, aber dazu gibt es sicher schon eine Menge einschlägiger Untersuchungen).

So vergeht ebenfalls kein Tag, an dem nicht irgendein Sender, die Stärke Amerikas demonstriert: Seht, was haben wir doch für eine starke Navy! Schaut her, unsere Air Force ist in der Welt unübertroffen! Und die Interkontinentalraketen (mit den nuklearen Megatonnensprengköpfen) unserer Army können punktgenau und in Minutenschnelle jede feindliche Armee - zackbumm - in einem rauchenden Krater verschwinden lassen. Dabei wird dem Amerikaner ständig vorgegaukelt, jedes seiner Waffensysteme sei absolut unüberwindlich.

Das habe ich schon bei der ersten Sendung bemerkt, aber Amerikaner ignorieren oder verdrängen das wohl, anders kann ich es mir nicht vorstellen bei einer derartigen Offensichtlichkeit.

Das Kampfflugzeug xyz ist mit einer solch raffinierten Elektronik ausgestattet, daß es vom feindlichen Radar nicht entdeckt werden kann und jedem Geschoß automatisch ausweicht. Andererseits sind die radargesteuerten Raketengeschosse vom Typ zyx auf dem neuesten Zerstörer der Navy so zielgenau, daß sie jedes angreifende feindliche Flugzeug vernichten, lange bevor es irgendeinen Schaden anrichten kann. Das ausgeklügelte Sonarsystem desselben Schiffes vermag ein feindliches U-Boot schon in Meilenentfernung zu orten und zu vernichten, hat selber aber eine so ausgeklügelte Elektronik, daß es vor jedem U-Boot-Angriff gefeit ist.

Demnach hätte eigentlich noch nie ein amerikanisches Kriegsschiff aufgrund einer Feindeinwirkung sinken oder ein Kampfflugzeug abstürzen dürfen... schon bemerkenswert!

Wir Deutschen versuchen ja mit peinlicher Sorgfalt den Eindruck zu vermeiden, unsere Bundeswehr könne jemals irgend jemanden angreifen. Bei uns wird ausschließlich verteidigt. Nicht so die Amerikaner. Zitat: Wenn wir auch nur den leisesten Verdacht haben, daß uns jemand an den Kragen will, dann drehen wir den Spieß sofort um und hauen ihn in Klump und Asche, und zwar so gründlich, daß er das nie wieder tun kann. Zugegeben, ich zitiere hier sehr, wirklich sehr frei, aber sinngemäß stimmt's und so etwas prägt und eint ein Volk.

Eine durchschnittliche amerikanische Nachrichtensendung eines x-beliebigen Fernsehsenders setzt sich - wie immer leicht vereinfacht - ungefähr folgendermaßen zusammen: 75% Gewalt und Krieg, 10% Sport, 10% Lokalpolitik, 4,9% inneramerikanische Politik, 0,1% Außenpolitik und 100% Sonstiges. Aufmerksame Rechner unter Ihnen haben natürlich schnell im Kopf addiert und sind auf 200% gekommen. Das ist auch richtig. Die 100% Sonstiges sind Werbespots (in der Landessprache Commercials genannt), die alle paar Minuten selbst Nachrichten und politische Kommentare unterbrechen und eine eigentlich nur 15-minütige Sendung locker eine halbe Stunde dauern lassen. Den Amerikaner stört es dabei auch nicht im Geringsten (falls er es überhaupt noch bewußt wahrnimmt), wenn er im Laufe der Sendung mindesten fünfmal hört: "These independent news are brought to you by (es folgt der Name irgendeines Sponsors)".

Auf deutsch: Diese unabhängigen Nachrichten werden Ihnen von ... (Sponsor) ... ermöglicht. Ich finde dabei die ausdrückliche Betonung der Unabhängigkeit besonders delikat.

Zwischenfrage an die Sportbegeisterten unter Ihnen: Warum, glauben Sie, ist Fußball (Soccer) in Amerika selbst nach der letzten Weltmeisterschaft nicht populärer geworden? Antwort: Weil Sport hier von den Medien (Fernsehen) "gemacht" wird. Nächste Frage: Warum "machen" die Medien (Fernsehen) denn hier kein Fußball? Antwort: Weil es bei diesem Spiel nur eine einzige Halbzeitpause und keine ständigen Time-Outs gibt und das ist den Firmen einfach zu wenig für die Werbung.

Time-Outs auf deutsch: Spielunterbrechungen (zwecks Beratung, Wassertrinkens usw.), sowas findet beim amerikanischen Nationalsport, Basket Ball, andauernd statt und bietet natürlich eine prächtige Gelegenheit, schnell ein oder zwei Commercials dazwischen zu schieben.

Auf die eben erwähnte Blutrünstigkeit der Amerikaner ist es auch zurückzuführen, daß - in derzeitiger Ermangelung irgendwelcher Erdbeben, abgestürzter Jumbo-Jets u. ä. - zur Zeit sehr viel über Sarajewo und die umliegenden Ortschaften berichtet wird, und zwar in einer Deutlichkeit der Bilder, die in Europa undenkbar wäre. Weitere unappetitliche Einzelheiten decke ich lieber mit dem Mäntelchen des nächsten Absatzes zu.

Ach ja, das Fernsehen. Es gehört zum täglichen amerikanischen Leben wie die Luft zum Atmen.

Schlechtes Beispiel, denn ein gesunder Mensch kann ca. drei Minuten ohne Luftzufuhr überleben, wobei drei Minuten ohne Fernsehen - oder wenigstens das Bewußtsein, daß irgendwo im Nebenzimmer ein Apparat vor sich hin flackert und quäkt - für einen Amerikaner tödlich sind.

Als mir unser Haus, das wir hier gemietet haben, von der Maklerin übergeben wurde, wies sie mich auf die verschiedensten Dinge hin, die ich noch zu beachten hätte, wie beispielsweise die Anmeldung von Strom, Wasser, Telefon usw., aber zuallererst, meinte sie, müsse ich bei US Cablevision unseren Kabelfernsehanschluß aktivieren lassen. Als ich erwiderte, daß das erstens für mich keine Eile hätte, weil wir zweitens überhaupt noch keinen amerikanischen Fernsehapparat besäßen, stand ihr das nackte Entsetzen ins Gesicht geschrieben und tief in ihrem Innern zerbröselte ihr Weltbild.

Obwohl die typischen amerikanischen Fernsehapparate (Sony, Hitachi, Aiwa, Okinawa, Kamikaze oder so ähnlich) den deutschen verblüffend ähnlich sehen, gibt es doch einen gravierenden Unterschied: sie vertragen nämlich nur maximal 110 Volt und arbeiten mit einem anderen Farbsystem: NTSC und nicht PAL.

Ja, ob ich denn nicht über das Weltgeschehen informiert sein möchte?

Hahahahahaha!

Erst der Hinweis auf meinen treuen kleinen Weltempfänger mit der Deutschen Welle auf 6075 kHz, ohne den ich keine Reise antrete, hat ihren totalen Kollaps gerade noch verhindern können. Und in der Tat, erst nach mehr als drei Wochen Aufenthalt in den USA habe ich mich aufgerafft, uns erstmal wenigstens ein Fernsehgerät zu kaufen und brav bei US Cablevision anzumelden.

In unserem Haus sind in sechs Zimmern mögliche Fernsehanschlüsse. Jedoch anders als in Deutschland (reinstecken, anschalten, schwarzsehen) muß man in Amerika seinen Anschluß erst physisch aktivieren lassen, sonst sieht man tatsächlich nichts außer dem berühmten Schnee und hört nichts außer dem ebenso berühmten Rauschen.

Das war überhaupt eine Geschichte für sich! Ich meine weniger das Kaufen...

Das war ausgesprochen einfach: aussuchen, Kreditkarte raus, unterschreiben, mitnehmen... der hierzulande übliche Kaufvorgang.

...eines Apparates als vielmehr die Anmeldung. Mein Telefonanruf dort wurde ausgesprochen höflich...

Auf die amerikanische Kundenfreundlichkeit komme ich noch ausführlich zu sprechen.

...und dankend entgegengenommen: "Ja natürlich, wir schicken Ihnen nächsten Donnerstag zwischen 11am und 2pm unsere Techniker vorbei, die Ihre Hausanschlüsse überprüfen, Ihnen alles anschließen und aktivieren. Inzwischen können Sie sich aus unserer Senderliste, die wir Ihnen sofort zuschicken, schon mal alle die Stationen raussuchen, die Sie haben möchten."

Man bezahlt auch natürlich nur die Sender, die man empfangen will, was ich ganz praktisch und fair finde (in Deutschland hätte ich sonst beispielsweise für MTV mit Sicherheit keinen roten Heller ausgegeben). Ähnlich wie PREMIERE, senden einige Kanäle keine Werbung und gleichen das durch saftige monatliche Gebühren (zwischen 25 und 30 Dollar, pro Sender wohlgemerkt) aus.

So weit, so gut. Die Liste lag wirklich am nächsten Tag in meinem Briefkasten.

Jetzt frage ich Sie, was Sie gewählt hätten: Unter der Überschrift Lifeline Channels fand ich beispielsweise die Sender WNYC, WTZA, WTBY, WPIX, WNJU... äh, genau... vielleicht sollte ich noch den WNYW dazunehmen ...?... und der WWOR ist sicher auch ganz interessant... nun ja. Aus den sogenannten Basic Channels konnte ich mich beispielsweise für (oder zwischen, je nachdem) folgende Stationen entscheiden: HSC, QVC, TLC, ESPN, A&E, TVFN, USAN, BET... und noch mehr als ein Dutzend andere aufschlußreiche Abkürzungen. Daß mir daraufhin die Auswahl aus den Cable Plus Channels (TNN, AMC, TNT, MSG usw.) sowie aus den Premium Channels (HBO, SHO, DIS, CIN usw.) schon nicht mehr ganz so schwer fiel, können Sie sich ja vorstellen.

Der langen Vorrede kurzer Sinn: nachdem ich mit den Abkürzungen alleine eh nichts anfangen konnte, habe ich einfach unser Bankkonto entscheiden lassen und für monatlich rund 25 Dollar...

Den Dollar ($) kennt ja wohl jeder. Allerdings spricht kein Amerikaner - außer bei hochoffiziellen Finanztransaktionen - von Dollars, sondern von bucks (auf deutsch wörtlich: Böcke, sinngemäß etwa: Piepen).

...ein Paket Fernsehkanäle gekauft. Schluß aus. Es enthält immerhin 40 verschiedenen Sender unterschiedlichsten Genres. Einer bringt beispielsweise rund um die Uhr kurze Ausschnitte aus Filmen, die man sich für 3,95 Dollar pro Stück aufs heimische Fernsehgerät projizieren lassen kann. Und wem die allzehnminütigen Werbeunterbrechungen auf den anderen Kanälen nicht ausreichen, kann sich zu jeder beliebigen Tages- oder Nachtzeit den HSC (mittlerweile weiß ich's natürlich: HSC steht für Home Shopping Channel) ansehen, eine Art Quelle-Katalog per Bildschirm. Spielzeug, Putzmittel, Gartengeräte, Kondome...

Jawohl, auch die. Obwohl der Amerikaner noch prüder ist als alle Schweden zusammengenommen. Allerdings werden hier die Gummidinger ausschließlich als Vorbeugemaßnahme gegen AIDS gesehen und fallen damit in dieselbe Kategorie wie Aspirin-Tabletten (davon wird noch die Rede sein) und Anti-Belag-Zahncremes.

...Schmuck, Kleidung, Trimm- und Fitness-Apparate...

Amerika ist nicht nur das Land der Fettleibigen, sondern bietet genau aus diesem Grund auch die größte Auswahl an ausgeklügelten Apparaturen, die einen glauben machen, man könne, mit nur 15 Minuten täglichem Gehen, Hopsen, Rudern oder ähnlichem Gehampel, seine Fettmassen loswerden. Interessanterweise haben die, welche diese Geräte im Fernsehen vorführen, immer die klassischen Mannequin-Figuren.

...einfach alles, was man zum Leben braucht, wird hier werbewirksam präsentiert und kann ganz einfach per Telefon gebührenfrei bestellt werden (das Telefonieren ist in diesem Fall gebührenfrei, die Ware natürlich nicht).

Jetzt bin ich einem Gewissenskonflikt, denn beide Stichworte, über die ich u. a. noch berichten wollte, sind gefallen: Werbung und Telefon. Für beide hätte ich hier also eine tolle Überleitung. Was nun? Entscheidungsfreudig, wie ich nun mal bin (räusper)...

Auch eine amerikanische Erfindung: die onomatopoetische (lautmalerische) Comic-Sprache. Weitere geläufige Beispiele sind: hust, ächz, stöhn, schnief, rülps und wrrrrroooaaam.

...schiebe ich sowohl Telefon als auch Werbung noch etwas auf, denn mir fällt gerade zum Thema Fernsehen noch etwas ein.

Irgendwie kann ich mich nämlich beim Fernsehschauen des Eindrucks nicht erwehren, daß mich die verantwortlichen Programmgestalter für ziemlich mentally challenged halten müssen. Warum? Nun, nehmen wir mal als Beispiel Channel 11 (WPIX), ein New Yorker Sender, der trotzdem oder gerade deswegen hin und wieder ganz ordentliche Spielfilme bringt.

Wie aus dem Namen Channel 11 bereits unschwer zu erkennen ist, belegt dieser Sender die Kanalnummer 11. In der Senderliste von US Cablevision steht er - es ist kaum zu glauben - an elfter Stelle. Damit ich mich (blöd, wie man von mir glaubt, daß ich bin) nun auch wirklich nicht vertun kann, läßt mir die Hardware, also der Fernsehapparat samt der zugehörigen Fernsteuerung, in Amerika gar keine andere Möglichkeit diesen Sender anzuwählen, als auf der Fernbedienung zweimal hintereinander die 1 (= 11 = elf) zu drücken. Wenn ich ihn denn nun einschalte, kann ich darüber hinaus mühelos oben links in der Bildecke das Logo des Senders, das - Sie werden es unschwer erraten können - natürlich aus einer entsprechend stilisierten 11 besteht, erkennen.

Es sei denn, ich wäre blind, aber dann machte das ganze Fernsehen sowieso nur wenig Sinn für mich.

Also, um 8pm beginnt der Spielfilm, natürlich nicht ohne vorher noch mal das Logo 11 über die ganze Bildschirmgröße gebührend gezeigt zu haben. Das wird noch durch eine sonore Männerstimme unterlegt, die mir mitteilt und dafür dankt, daß ich derzeit ausgerechnet Channel 11 schaue. Endlich beginnt der Film. Kurz nach dem Vorspann kommt unwillkürlich der erste Werbeblock, jedoch nicht ohne daß mir die wohltönende Stimme sagt, Channel 11 kehre right After These Messages...

Auf deutsch: sofort nach den folgenden Nachrichten. Jawohl, es heißt ausdrücklich Nachrichten ... hahaha.

...wieder zum Film zurück. Dermaßen beruhigt, schaue ich mir entweder die ersten drei, vier Spots an, oder inspiziere in der Zwischenzeit unsere gekachelten Räume. Vor dem letzten Werbefilmen erscheint wieder das mir inzwischen wohlbekannte Elfer-Logo mit der vertrauten Stimme: "Channel 11 will return to the movie in a few seconds". Dann kommt erst noch der letzte Spot und während dieser läuft, freue ich mich bereits darauf, daß mir jetzt jeden Augenblick optisch und akustisch die Gewißheit gegeben wird, daß es sich wirklich um Channel 11 handelt, den ich da eingeschaltet habe und der nunmehr wahrhaftig mit dem Spielfilm fortfährt. Und so geschieht es tatsächlich (sowohl die Ansage, als auch die Fortsetzung des Films). Während einer zweistündigen Sendung prasselt also ca. 25 bis 30 mal dieses Channel 11 in Bild und Ton auf mich nieder. Und dasselbe geschieht bei allen Sendern! Da soll man sich nicht veräppelt vorkommen? Wer's nicht glaubt, braucht nur mal eine zeitlang CNN zu schauen.

So, jetzt ist's aber wirklich genug mit dem amerikanischen Fernsehen.

Das Telefon

Auch wenn die Überleitung an dieser Stelle nicht ganz so elegant ist, wie sie eben gewesen wäre, werde ich nun ein wenig über das Telefon plaudern. Neben dem Kaufen und dem Fernsehen ist das Telefonieren nämlich die dritte Lieblingsbeschäftigung des Amerikaners.

Das sind jedenfalls die, über die er ungestraft in der Öffentlichkeit sprechen darf. Es gibt sicher noch mehr (und sicher auch mit anderen Prioritäten) als die drei erwähnten, denn alleine durch Einwanderung kriegt man das Land nicht mit 250 Millionen Amerikaner gefüllt.

Dementsprechend groß ist in den ein- und mehrschlägigen Geschäften die Auswahl an Telefonapparaturen nebst zahllosem Zubehör in jeder erdenklichen Größe, Form und Farbe.

Im Kapitel über die Werbung werde ich noch erzählen, daß man in den USA notfalls auch in der Apotheke oder beim Metzger Telefonapparate kaufen kann.

Da das jedoch in Deutschland inzwischen ähnlich ist, brauche ich mich darüber nur in soweit auszulassen, daß ich bis dato deren zwei für unser Haus erstanden habe. Einen Wandapparat für den kleinen Büroplatz in der Küche, mit dem man die Pizza bestellt, und ein schnurloses Gerät, welches ich zur Zeit noch im Schlafzimmer installiert habe, denn von dort kann ich es leicht mit ins Badezimmer nehmen und nässe nicht den ganzen Fußboden, wenn mich duschenderweise ein Fernruf aus Deutschland ereilt.

Insgesamt hat unser Haus vier Anschlußstecker an strategisch wichtigen Stellen, so daß im Laufe der nächsten Zeit sicher noch die zwei fehlenden Telefone hinzukommen werden.

Ausgesprochen nett finde ich die amerikanische Gewohnheit, statt einer Telefonnummer einen Firmennamen oder einen griffigen, gut zu merkenden Kurzspruch anzugeben. Wie sowas funktioniert? Ganz einfach. Vielleicht haben Sie ja schon mal irgendwo einen internationalen Telefonapparat gesehen. Dann ist Ihnen sicher aufgefallen, daß da auf den Zahlenknöpfen des Tastenfelds auch noch kleine Buchstaben in Dreiergruppen zu sehen sind. Und das ist schon das ganze Geheimnis. Jetzt muß man nur noch wissen, daß amerikanische Telefonnummern (ohne die Ortsnetzkennzahl) immer 7-stellig sind, aufgeteilt in eine Dreier- und eine Vierergruppe (also beispielsweise 123-4567). Wenn Ihnen nun eine nette junge Dame ihre Telefonnummer gibt, kann sie das in der klassischen Form 225-4475 (nehmen wir an, das sei ihre Rufnummer) oder als Buchstabenkombination tun, und das sieht dann so aus: CAL-GIRL. Ist doch irgendwie sprechender und auch besser zu merken als so eine seelenlose Zahlenkombination, finden Sie nicht auch?

Doch zurück zu unseren eigenen Telefonen, denn mit dem bloßen Kauf von Apparaten ist es auch in Amerika nicht getan. Man muß sich zunächst bei der örtlichen Phone Company melden. Dieselbe ist, wie fast alle Unternehmen in Amerika, eine private Gesellschaft, die im Staat New York Nynex heißt. Nynex ordnet einem nun die Nummer zu, fragt ob der Name im Telefonbuch erscheinen soll und aktiviert den Hausanschluß. Nix besonderes, so ist das in Deutschland auch, werden Sie jetzt denken. Prinzipiell schon, aber es gibt einen Unterschied: All das geht sehr schnell, unbürokratisch und - aufgepaßt! - völlig ohne Formulare. Auf Zuruf, sozusagen. Wenn Sie jetzt allerdings glauben, ich hätte nun munter telefonieren können ... nein, so einfach geht's natürlich auch wieder nicht. Jetzt mußte ich nämlich erst noch eine überaus wichtige Frage beantworten: Für welchen Long Distance Carrier entscheide ich mich? Spätestens jetzt zahlt es sich aus, daß ich hin und wieder aufmerksam die Werbung anschaue. Daher waren mir zumindest die drei wichtigsten Namen vertraut: AT&T, MCI und Sprint.

Das sind Kommunikationsgesellschaften (ebenfalls privat, natürlich), die sich im Gegensatz zu den lokalen Telefongesellschaften teure und aufwendige Installationen (wie Satelliten, Überseekabel u. ä.) leisten können und daher für die Ferngespräche zuständig sind. Zumindest AT&T ist auch in Deutschland ziemlich bekannt.

Hier muß ich schon mal kurz auf das Kapitel Werbung vorgreifen und (sofern Sie's nicht schon gewußt haben) daran erinnern, daß in Amerika die sogenannte vergleichende Werbung erlaubt ist, das heißt, der Name von Mitbewerbern darf durchaus genannt werden. Das klingt dann, im Falle der drei genannten überregionalen Telefongesellschaften, ungefähr so:

AT&T Werbung: "Unser True World Programm ist viel besser und billiger für Sie, als das Family&Friends Programm von MCI und das Sense Programm von Sprint. Das garantieren wir Ihnen!"

MCI Werbung: "Unser Family&Friends Programm ist viel besser und billiger für Sie, als das True World Programm von AT&T und das Sense Programm von Sprint. Das garantieren wir Ihnen!"

Sprint Werbung: "Unser Sense Programm ist viel besser und billiger für Sie, als das Family&Friends Programm von MCI und das True World Programm von AT&T. Das garantieren wir Ihnen!"

Sense hat in diesem Fall überhaupt nichts mit dem im Deutschen gleichaussehenden Grasschneidegerät zu tun, sondern es heißt soviel wie "Sinn, Verstand, Vernunft". Da man es aber "ßenß" ausspricht, klingt es nicht nur wie "Cents", sondern soll natürlich suggerieren, daß die Ferngespräche bei Sprint nur ein paar lumpige Cents kostet. Ja, so subtil kann Werbung sein! Ob der Durchschnittsamerikaner das wohl schon gemerkt hat?

Genau. Ich wußte also jetzt bestens Bescheid und habe mich nach sorgfältigster Abwägung aller gerade genannten Vorzüge und Nachteile der einzelnen Firmenprogramme für das von AT&T entschieden. Im Klartext heißt das, ich zahle eine etwas höhere Gebühr für die Ortsgespräche und dafür sind die Telefonate nach Übersee etwas billiger.

Es wäre auch möglich gewesen, bei einer leicht angehobenen Grundgebühr, die ersten 9,5 Minuten völlig gebührenfrei vertelefonieren zu können. Oder bei gleichbleibender Grundgebühr für bestimmte Rufnummern überhaupt nichts zu bezahlen, sofern man sie zwischen 3pm und 8am anruft und stattdessen bei allen Gesprächen nach California, Idaho, Texas, New Jersey und North Dakota das Doppelte zu entrichten. Oder die ersten 63,5 Einheiten zum dreifachen Preis und dafür die nächsten 100 frei. Oder gar keine Grundgebühr und auch alle Gespräch kostenlos (gilt nur für Amerikaner ganz ohne Telefonanschluß, aber solche gibt es natürlich in Wirklichkeit nicht).

Was will ich mit der natürlich satirischen Übertreibung des letzten Absatzes andeuten? Daß es eine Unmenge verschiedener Möglichkeiten gibt, die alle letztendlich auf dieselbe einfache Formel zu bringen sind: wenn ich telefoniere, muß ich dafür zahlen. Punkt. Und was ich auf der einen Seite spare, muß ich auf der anderen wieder drauflegen. Es gehört aber nunmal zu den Spielregeln der Werbung (und nicht nur der amerikanischen), dem potentiellen Kunden einzureden, er hätte a) eine Auswahlmöglichkeit und b) er könne dabei sogar noch Geld sparen.

Trotzdem will ich noch ein wenig beim Telefon bleiben, denn hier in Amerika ist bereits alltäglich, was sich in Deutschland mal gerade erst am Horizont abzuzeichnen beginnt: Computerisiertes Telefonieren. Das geht folgendermaßen vor sich: Nehmen wir an, ich rufe bei Nynex an, um eine Telefonkarte zu bestellen.

In Wirklichkeit brauche ich das natürlich nicht. Nicht, weil ich Telefonkarten für nutzlos halte (im Gegenteil, nach der Pille ist das eine der praktischsten Erfindungen, die je gemacht wurden), nein, sondern weil die Firma Nynex mir selbstverständlich automatisch eine geschickt hat. Nehmen wir also an, ich wolle eine zweite haben.

Ich wähle also die Nummer, die - da es sich um ein Dienstleistungsunternehmen handelt - selbstverständlich gebührenfrei ist. Spätestens nach dem zweiten Klingeln meldet sich eine weibliche Stimme...

Wow, wenn die Stimme den Rückschluß auf das Aussehen ihrer Besitzerin zuläßt, dann habe ich gerade die Schönheitskönigin unserer Galaxis am Apparat.

...die mir zunächst mal dafür dankt, daß ich mich der Mühe unterziehe, ihren Arbeitgeber anzurufen. Während ich noch ganz atemlos lausche, fährt die galaktische Schönheitskönigin sinngemäß fort: Wenn ich Fragen zu meiner Rechnung hätte, möchte ich bitte auf meiner Telefontastatur die 1 drücken. Fragen zu meinem Anschluß würden nach Drücken der 2 beantwortet. Die 3 brächte mich zur Störungsstelle und wenn ich eine Telefonkarte bestellen wolle, müsse ich die 4 drücken. Langsam dämmert mir, daß die Stimme aus einem Computerchip kommt und nicht aus dem Zentrum der Milchstraße. Immerhin, alles geht soweit ganz problemlos und narrensicher, denn selbst wenn ich nach der Erklärung der letzten Funktion vergessen haben sollte, was beim Drücken der 1 oder 2 oder 3 oder 4 usw. passiert, macht nichts, die Stimme beginnt nach dem vollständigen Aufsagen ihres programmierten Sprüchleins brav wieder von vorne. Solange, bis ich entweder eine Taste drücke oder einhänge. Nun denn, zurück zu meinem Bestellwunsch. Ich habe also weisungsgemäß die 4 gedrückt und werde daraufhin prompt aufgefordert, meine eigene Telefonnummer samt Vorwahl einzutippen. Nachdem das geschehen ist, dauert es nochmals höchstens fünf Sekunden und ein freundliches, diesmal wirklich menschliches Wesen hat Zeit und Geduld, meine Fragen zu beantworten und meine Bestellung entgegenzunehmen.

Und seien diese Fragen auch noch so blöd. Nicht vergessen: ich bin Ausländer hier und, obwohl der fremden Sprache durchaus mächtig, längst nicht mit all ihren umgangssprachlichen Feinheiten vertraut. Desweiteren fehlt mir darüber hinaus der soziale Kontext (Sprachwissenschaftler nennen das so, ist das zu wissenschaftlich? Ich komme später noch mal auf die Sprache zurück. Bitte etwas Geduld).

Durch die ganze Knopfdruck-Arie vorher weiß das Wesen genau, mit wem es da spricht. Das hat der Computer nämlich inzwischen aus den Tiefen seiner Datenbank ans helle Licht eines Bildschirms gebracht. Ich bin nämlich ein Kunde. Ja, liebe Freunde, ich bin Kunde!

Einkaufen und Kundenfreundlichkeit

Warum ich das so ausdrücklich betone? Bitte weiterlesen, denn jetzt beginnt der Abschnitt über das Kaufen und die Kundenfreundlichkeit...

Das kann man getrost in einem Atemzug nennen, denn in Amerika gehört beides untrennbar zusammen. Es kommen sogar noch ein paar Begriffe hinzu, die in der Alten Welt (also nicht nur Deutschland) leider meist in Vergessenheit geraten sind.

...welche beiden Begriffe ich natürlich ebenfalls nicht vollständig und unter allen soziologischen Aspekten abhandeln kann und will. Ich darf zuvorderst noch einmal daran erinnern, daß Kaufen eine der Lieblingsbeschäftigungen der Amerikaner ist. Genaugenommen kann es logischerweise zu einem gegebenen Zeitpunkt jedoch nur die Beschäftigung von 50% der Amerikaner sein, denn die anderen 50% sind während dieser Zeit ja mit dem Verkaufen beschäftigt.

Desweiteren muß ich vorausschicken, daß die gelegentlich in Deutschland hochkommenden Debatten über Ladenschlußzeiten für einen Amerikaner derart unverständlich sind, daß es einfach nicht in Worte zu fassen ist. Himmelkreuzsapperment, wenn ein Ladenbesitzer sein Geschäft 24 Stunden am Tag geöffnet halten möchte, warum soll man ihn daran hindern? Es verbietet ihm ja auch niemand, erst um 11:30h aufzuschließen und eine Viertelstunde später wieder dichtzumachen, wenn er glaubt, in diesen 15 Minuten schon genug verdient zu haben, nicht wahr?

Der langen Rede kurzer Sinn: im Regelfall öffnen hier die Geschäfte um 9:00h morgens und schließen wochentags um 23:00h abends. Sonn- und feiertags ist normalerweise von morgens 10:00h bis abends 22:00h geöffnet.

Das gilt - wie gesagt - nicht unbedingt für absolut jeden kleinen Spezialladen. In einem freien Land kann eben jeder Handelsmann auch frei über seine Geschäftszeiten entscheiden. Aber die Supermärkte, Kaufhäuser, Apotheken, Tankstellen sowieso, Heimwerkermärkte usw. haben schon zu den genannten Zeiten geöffnet.

Ja, es gibt sogar Lebensmittelketten, die ausdrücklich damit werben, daß ihre Geschäftszeit 24 Stunden am Tag und 365 Tage im Jahr dauert.

Trotzdem haben die Schlösser an ihren Ladentüren... hahaha, ein Kalauer darf zwischendurch ruhig mal sein, denke ich.

Und, nebenbei bemerkt, eine Polizeistunde im preußischen Sinne gibt es hier in den Lokalen natürlich auch nicht.

Ich will in meinem Bericht nun wirklich nicht das Für und Wider aus der Sicht der solchermaßen ausgebeuteten und unterdrückten Angestellten beziehungsweise der sie bis auf das Blut ausbeutenden Ladenbesitzer diskutieren, das ist mir denn dann doch zu lächerlich, aber Ihr berufstätigen Hausfrauen mit dem ganzen Haushalt noch zusätzlich, Ihr Männer, deren Arbeitszeit selten vor 18:00h endet, Ihr Singles, die Ihr Euch neben Eurem Job noch ganz alleine um alles kümmern müßt, kurz, Ihr alle, stellt Euch das mal bildlich vor: abends streß- und hetzfrei einkaufen, in Ruhe und Muße die Schaufenster entlangbummeln, samstags kein unendliches Gedrängel an den Kassen, kein plötzlicher Adrenalinschock mehr, weil man noch was Wichtiges vergessen hat und es schon nach halb sieben ist. Adam und Eva schon konnten sich zu jeder Tages- und Nachtzeit ihr Äpfelchen vom Baume pflücken, so daß Amerika im Hinblick auf die Ladenschlußzeiten durchaus mit dem Paradies zu vergleichen ist.

In Amerika beträgt die normale wöchentliche Arbeitszeit 40 Stunden (meine übrigens auch) und länger arbeiten auch die Verkäufer/innen nicht, anderenfalls sie die Überzeit natürlich bezahlt bekommen. Also, wo ist das Problem?

Und noch etwas mutet einen an mürrische Verkäuferinnen und deren männlichen Kollegen gewöhnten Deutschen nachgerade paradiesisch an: die schier unglaubliche Freundlichkeit und Zuvorkommenheit des amerikanischen Bedienungspersonals. Ich habe es bisher kein einziges Mal, ich wiederhole: kein einziges Mal erlebt, daß ich in einem Geschäft unfreundlich oder muffelig behandelt worden wäre! Natürlich bin ich mir darüber sehr wohl im Klaren, daß diese Freundlichkeit weder auf meiner sympathischen äußeren Gesamterscheinung, noch auf meinen wohlgesetzten Worten...

Inzwischen, so bilde ich mir jedenfalls ein, ist mein deutscher Akzent im Englischen ein wenig amerikanischer geworden, so daß ich im täglichen Umgang kaum noch von einem Eingeborenen zu unterscheiden bin (erst recht nicht, wenn ich meine Baseball-Mütze auf dem Kopf habe).

...beruht, sondern allenfalls auf die in meiner Tasche vermuteten Dollars abzielt. Aber ist das anderswo in dieser Welt etwa anders? Eben. Hier werde ich wenigstens zuvorkommend dabei behandelt.

Wenn ich übrigens gerade von Dollars sprach, so meine ich damit natürlich nicht notwendigerweise die netten grünen Banknoten...

Die sich vom Einer bis zum Hunderter dummerweise zum Verwechseln ähnlich sehen, alle gleich groß, alle dasselbe Design und alle dieselbe grüne Farbe. Man muß wirklich aufpassen. Deswegen sagt der Mensch an der Kasse - ein weiteres Beispiel für die Kundenfreundlichkeit - bei einer 20er-, 50er- oder gar 100er-Note immer ausdrücklich: "You gave me twenty (oder fifty oder hundred natürlich, je nachdem)." Auf deutsch: Sie gaben mir einen Zwanziger/Fünfziger/Hunderter.

...sondern die beiden hier gängigeren Zahlungsmittel: Scheck und Kreditkarte...

Diese Plastikdinger werden ja auch in Deutschland immer beliebter. Mit Plastikdinger meine ich jedoch nicht ausschließlich die klassische Kreditkarte, sondern alle Arten von Kundenkarten. Ich habe es z. B. in den ersten vier Wochen meines Hierseins auf 7 (in Worten: sieben) neue Karten gebracht: eine VISA-Karte, eine Corporate-Karte von American Express, auf die ich meine Reisespesen buchen muß, eine Service-Karte für's Auto, eine Telefonkarte der Firma Nynex, eine Konto-Karte unserer Bank für die Geldautomaten und je eine Frequent-Traveller-Karte für Delta- bzw. American Airlines. Ist doch ein ganz guter Schnitt, oder?

...die selbst zur Begleichung kleiner und kleinster Beträge herangezogen werden. Bargeld ist fast überflüssig. Ja, der Widerwillen gegen Bargeld geht oft so weit, daß man häufig Schilder am Schaufenster oder in der Nähe der Kasse sieht: Sorry, we accept only bills up to ten.

Auf deutsch: Wir akzeptieren leider nur Geldscheine bis zu einen Wert von 10 Dollar. Das gilt insbesondere für Tankstellen und die Rund-um-die-Uhr-Geschäfte, denn die haben natürlich Angst, Opfer eines Raubüberfalls zu werden, wenn da Tausende von Dollars in der Kasse rascheln.

Ach ja, die Kreditkarte! Im Fernsehen sieht das immer so einfach aus. Bitte glauben Sie jetzt aber nicht, daß die Abwicklung von Kreditkartengeschäften in Amerika wirklich einfach ist, zumindest nicht, nachdem der Kauf getätigt ist.

Das Bankwesen

Damit Sie verstehen, was ich damit meine und wie ich zu dieser ungeheuren, ja fast weltbildumstürzlerischen Behauptung komme, muß ich erst noch einen kleinen Abstecher in das amerikanische Bankwesen machen. Das ist allerdings dasselbe wie eine Zeitreise ins vorige Jahrhundert.

Sie kennen sie alle aus den Western: die lange, staubige Straße, die schnurgerade und endlos gen Westen führt. Links und rechts die Häuser mit den unverkennbaren Holzfassaden. Hinter den Häusern ist nichts als Wüste, wo der Wind Staubwolken und Reisigbüschel vor sich hertreibt. Links der Straße liegt der Saloon (man hört ein verstimmtes Klavier und vereinzeltes Frauenlachen). Gleich daneben der Kramladen und der Schmied (Pferdegewieher und helle Hammerschläge). Schräg gegenüber sieht man das Büro des Sheriffs und gleich dahinter das Gefängnis, das einzige Haus, das aus Stein gebaut ist. Das einzige? Nein, drei Häuser weiter ist ja noch eins! Richtig, das ist die Bank. Hierher bringen die wenigen erfolgreichen Goldsucher ihre Nugget-Säckchen und die Farmer deponieren ihr sauer erspartes Geld in einem dicken Tresor. Leider wird dieser in mehr oder weniger regelmäßigen Abständen von finsteren, unrasierten Gesellen in langen schmutzigen Mänteln ausgeplündert.

Daraufhin beginnen der Sheriff, sein Deputy (Stellvertreter) und eine große Anzahl von Freiwilligen eine tolle Verfolgungsjagd quer durch die Wüste bis zu den bekannten malerischen Sandsteinfelsen. Dort beginnt die berühmte wilde Schießerei. Sämtliche Unrasierte werden erschossen (leider müssen auch der Deputy und einer der Freiwilligen dran glauben, aber naja, wo gehobelt wird...). Die Hauptsache ist jedoch, daß das Sauerersparte und die Goldstaubsäckchen sichergestellt und unter Applaus der erleichterten Bewohner wieder in die Bank zurückgebracht werden. Der Sheriff raucht nun schnell noch eine Marlboro, heiratet daraufhin die Tochter des reichsten Farmers der ganzen Gegend während am Horizont glutrot die Sonne untergeht und das Orchester für den Schlußakkord noch schnell die letzten Geiger von der Reservebank holt... THE END

Ja, damals war die Welt noch in Ordnung. Wer vorher kein Geld zur Bank gebracht hat, konnte bzw. durfte auch hinterher keins abholen. Es sei denn, er wäre ein finsterer, unrasierter Geselle in einem schmutzigen Mantel.

Diese Grundmentalität des Bankwesens hat sich - und jetzt nehme ich den Faden wieder auf - bis heute gehalten. Dispositionskredite? Was ist das denn? Abbuchungsgenehmigungen? Nie gehört! Daueraufträge? Wem soll ich denn dauernd einen Auftrag geben? Kurz, die einfachsten Grundbegriffe und Dienstleistungen eines europäischen Kreditinstitutes sind in Amerika absolut unbekannt. Das klingt unglaublich? Mag sein, aber es ist leider so.

Ja, was ist denn nun mit der Kreditkarte? höre ich vereinzelte Stimmen ungeduldig fragen. Ich sagte ja bereits, es ist nach dem Kauf nicht so einfach, wie wir es kennen, denn das Kreditkartenunternehmen bucht nicht etwa automatisch einmal im Monat die Beträge von meinem Konto ab, nein, nein, ich bekomme zuerst von MasterCard oder VISA oder American Express oder wie die alle heißen eine Rechnung geschickt, muß sicherstellen (!), daß genügend Geld auf meinem Konto ist, und dann schicke ich denen einen Scheck. Umständlicher geht's kaum. Ich könne dann doch - höre ich jetzt einen Neunmalklugen einwerfen - sofort die Ware oder Dienstleistung mit einem Scheck bezahlen. Gut mitgedacht, aber leider funktioniert das so nicht. Ein Scheck ist hier etwas anderes als in Europa. Da gibt es keine Garantien bis zu einem gewissen Betrag. Scheckkarten sind völlig unbekannt. Schecks sind weiter nichts als ein Stück Papier mit einem aufgedruckten Namen und es liegt am Wohlwollen eines Empfängers, ob er ihn akzeptiert oder nicht.

Es gibt Geschäfte, da steht an der Kasse ein Schild: Lieber Kunde, wir nehmen sogar deinen Scheck. Jawohl. Aber nur, wenn du uns zusätzlich mindestens eine Kreditkarte zeigen kannst - ätsch!

Ein paar Tage, nachdem ich hier unser Konto eröffnet hatte, fand ich im Briefkasten ein Päckchen. Wer von Ihnen mag raten, was da drin war? Richtig, meine Personal Checks (also ordnungsgemäß mit Namen und Adresse drauf). Es waren deren 200! Nein, das ist keine Null zu viel, ich meine wirklich zweihundert Schecks, zwei-null-null. In 10 Abreißblöckchen zu je 20 Stück. Noch Fragen? Muß ich jetzt noch erklären, wie ich hier in Amerika die Miete zahle? Oder das Heizöl und den Strom? Die Telefonrechnung? Das Wasser? Die Fernsehgebühren? Die Versicherungen? Wenn Ihnen demnächst mal irgendwo Leute begegnen, die vom Schreiben Blasen an den Fingern haben, dann sind das mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit Amerikaner und wenn Sie dann auf den Kalender schauen, werden Sie feststellen, daß es kurz vor Monatsende ist.

Doch ja, es gibt sogar eine Art Absicherung für einen freundlichen Scheckentgegennehmer. Man kann nämlich in Amerika kein Scheckkonto eröffnen, ohne eine sogenannte Social Security Number zu besitzen.

Auf deutsch: Sozialversicherungsnummer. Der Name ist allerdings Schall und Rauch, denn bekanntermaßen gibt es in den USA gar kein Sozialversicherungswesen, wie wir es aus Deutschland bzw. Europa her kennen. Diese Social Security Number kriegt man als Ausländer nämlich nur dann, wenn man erstens ein gültiges Arbeitsvisum besitzt und zweitens einen entsprechenden Verdienstnachweis erbringt, aus dem geschlossen werden kann, daß man kein Sozialfall ist. Eingeborene kriegen natürlich bei der Geburt automatisch eine solche Nummer, aber wie das alles im Detail funktioniert, weiß ich leider nicht.

Und damit ist man dann behördlich erfaßt. Wenn es nun zu Zahlungsschwierigkeiten kommt, im Klartext: wenn man mehr aus der Bank herausholt, als man selber hineingebracht hat, dann ergeht es einem so ähnlich wie eben in dem kleinen Mini-Western.

Werbung und Reklame

So, nach diesem kleinen Ausflug ins vorige Jahrhundert, kehren wir wieder in die glitzernde Pracht der Einkaufs-Malls und der Supermärkte zurück, wozu auch noch ein paar Worte über Werbung und Reklame gehören. Wir waren bei der Freundlichkeit des Verkaufspersonals stehengeblieben und eigentlich gibt es dazu auch nicht mehr viel zu sagen. In dieser Hinsicht macht Einkaufen in Amerika jedenfalls wieder richtig Spaß und so soll es bei einer Lieblingsbeschäftigung ja auch sein, nicht wahr? Die Hersteller von Verbrauchsgütern, die Anbieter von Dienstleistungen und die Geschäfte selbst machen einem das Kaufen noch dazu mit Sonderangeboten und Werbeaktionen der mannigfaltigsten Art schmackhaft. Von der exzessiven Fernsehwerbung...

Oft werden überregionale Fernsehspots hier in Amerika durch lokale überblendet (man merkt das an einem winzigen, aber charakteristischen Bildflackern). So erscheint beispielsweise statt einer USA-weiten Chrysler-Werbung diejenige des Teppichladens drei Straßen weiter, damit ich weiß, wo ich heute abend meinen Teppich kaufen werde.

...war ja schon die Rede, aber es vergeht kein Tag, ich wiederhole: kein Tag, an dem unser Briefkasten nicht ein Bündel Reklame von der Dicke einer durchschnittlichen deutschen Tageszeitung enthält.

Sie können sich jetzt ungefähr vorstellen, was sich im Laufe der Zeit für Papierberg ansammeln. Und das nicht nur in unsererr Garage, sondern in jeder (sofern die Nachbarn ihr Altpapier in der Garage sammeln, das weiß ich natürlich nicht). Irgendwo habe ich gelesen, daß die Boy Scouts (Pfadfinder) Altpapiersammlungen durchführen, ich muß mich bei Gelegenheit mal darum kümmern (vergleiche zu diesem ganzen Themenkomplex auch den noch bevorstehenden Abschnitt über den Müll).

Und damit die Post das Bündel auch in jedem Fall ausliefert, ist auf jedem Katalog, jedem Werbezettel, jeder Reklamezeitung ordentlich unsere genaue Adresse aufgedruckt. Anstelle unserer Namen steht da allerdings nur schlicht: Resident.

Sehr beliebt sind beispielsweise auch die sogenannten Coupons oder - als Steigerung - die Warenproben oder - und das ist nahezu perfekt - die Kombination dieser beiden So schickt mir die Firma Kellogg's...

Ja genau, das ist die bekannte Firma mit den Cornflakes. In Amerika neben Coke, Ketchup und Kaugummi das Grundnahrungsmittel der Zahnspangengeneration und des Rests der Bevölkerung.

...kürzlich nicht nur zwei Portionsschachteln ihres neuesten Produktes frei Haus, sondern es lagen auch zwei Coupons dabei, die mir insgesamt eine Ersparnis von einem glatten Dollar bringen. Ist doch toll, oder? Allerdings nur unter der Voraussetzung, daß ich zwei Familienpackungen Crispy Sun Crunchers (knusprige Sonnenkräcker) zu einem Gesamtpreis von 7,50 Dollar kaufe.

Zweites Beispiel: nicht nur Großunternehmen wie Pepsi, Kellogg's, McDonald's o. ä. leisten sich solche Aktionen, nein, auch der kleine Laden an der Ecke. Eddie's Gourmet Pizza in der Titusville Road schickt mir gleich ein ganzes Heftchen mit Gutscheinen, das mir folgende unwiderstehliche Angebote macht: Montag: Jede Riesenpizza nur 5,99 Dollar. Dienstag: Eine Riesenpizza für den Preis einer mittelgroßen. Mittwoch: Kauf irgendeine Riesen-Pizza, dann ist die zweite (leider nur noch mittelgroß) kostenlos. Donnerstag: Kauf eine Riesen-Pizza, dann gibt es einen Liter Softdrink umsonst. Freitag: Kauf den ganzen Laden, dann sind alle Pizze gratis.

a) Pizze ist doch der korrekte Plural von Pizza, oder? Hier heißt es nämlich Pizzas und es wird "Piedsas" ausgesprochen. b) Der Freitag ist natürlich eine meiner bekannten Übertreibungen, aber die anderen Tage stimmen.

Und so weiter.

Ja, in Amerika ist Business alles und alles ist Business. Es steht ja auch nirgendwo geschrieben, daß Pizza-Läden (um zunächst bei diesem Beispiel zu bleiben) nur Pizze verkaufen dürfen. Bei Eddie kriegt man z. B. auch T-Shirts mit und ohne Aufdruck und die berühmten Baseball-Mützen...

Natürlich sind nicht nur die Baseball-Kappen von Eddie berühmt. Nein, das ist die Nationaltracht der Amerikaner (wie die Lederhosen der Bayern oder die Dudelsäcke der Schotten). Baseball-Kappen mit dem entsprechenden Firmenlogo gibt es buchstäblich mit jedem Aufdruck, ob Eddie's Gourmet Pizza oder IBM.

...Kaugummi, Zeitschriften, Softdrinks, Toilettenpapier, Videokassetten und -filme sowie noch ein paar weitere wichtige Artikel und Gegenstände des täglichen amerikanischen Bedarfs. Schon erstaunlich.

Mein Erlebnis in der Apotheke soll dieses Thema abrunden. Kürzlich brauchte ich ein paar Aspirin.

Aspirin habe ich eben bei der Aufzählung der amerikanischen Grundnahrungsmittel vergessen! Bitte, das ist kein Witz! Aspirin gehört einfach zum täglichen Leben wie der Bacon (Schinkenspeck) zum Frühstück. Aspirin nimmt man hier gegen Kopf- und Gliederschmerzen, gegen Monatsbeschwerden, Muskelkater und Erkältung. Gegen Schlaflosigkeit, Depressionen, Plattfüße und Durchfall. Bei Appetitlosigkeit und Völlegefühl. Zur Vorbeugung gegen Prüfungsangst und zur Ablenkung bei langweiligen Talk-Shows im Fernsehen. Kurz: Aspirin ist das Allheilmittel schlechthin. Daher wird es auch in jedem Supermarkt in Gläsern bis zu 1000 (!) Stück verkauft und laut Packungsbeilage bzw. nach intensiver Beratung durch den Arzt und Apotheker kann man getrost 15 bis 20 Stück täglich davon einnehmen (und es gibt nicht wenige Amerikaner, die das auch wirklich regelmäßig tun). Übrigens, den Spruch mit dem Arzt und Apotheker hört man hier in der verkürzten Form: Use only as directed, auf deutsch: Nur wie vorgeschrieben anwenden.

Ich hielt also nach einer Pharmacy Ausschau und wurde auch alsbald fündig. Daß die Pharmacies hier eher den deutschen Drogerie-Märkten ähneln, kann ich ja noch hinnehmen, aber daß ich dort auch Hundefutter, Schneeschaufeln, Schuhe, Fotoapparate, Zigaretten, Uhren, Stereo-Anlagen, Motoröl, Werk-, Spiel- und mancherlei anderes -zeug, sowie Wein, Weib und Gesang, (um wirklich nur die artfremdesten Artikel aufzuzählen) hätte erstehen können, hat mich denn doch etwas überrascht.

Kein Volk dieser Erde (nicht mal die Orientalen) sind so findig, was die Gründe angeht, warum man etwas kaufen oder sich einen Dienst leisten lassen soll. Hierzu einige Beispiele aus der jüngsten Vergangenheit: Das Weihnachtsgeschäft war gerade vorbei, als es mit dem January Sale losging. Genereller Slogan: Weihnachten ist zwar vorbei, es ist aber noch was am Lager und das muß jetzt geräumt werden. Also, kauft, Leute, kauft! Noch nie war es so günstig! Wenn du deiner Frau jetzt den Diamantring kaufst, den sie sich eigentlich schon zu Weihnachten gewünscht hat, kriegst du die passenden Ohrringe dazu zum halben Preis (ein Beispiel aus dem richtigen Leben).

Kaum war der Januar vorbei, begann Anfang Februar die Valentinstag-Kampagne. Genereller Slogan: Der January Sale ist zwar vorbei, es ist aber noch was am Lager und das muß jetzt geräumt werden. Also kauft, Leute, kauft! Noch nie war es so günstig! Wenn du deiner Frau jetzt den Diamantring, den Du ihr eigentlich schon zu Weihnachten oder während des January Sale hättest schenken sollen, zum Valentinstag kaufst, kriegst du die passenden Ohrringe geschenkt plus das dazugehörige Armband 50 Dollar billiger.

Nach dem Valentinstag kommt Ende Februar der sogenannte President's Day, der natürlich werbewirksam ausgeschlachtet wird. Das klingt dann ungefähr so: Der Valentinstag  ist zwar vorbei, es ist aber noch was am Lager und das muß jetzt geräumt werden. Also kauft, Leute, kauft! Noch nie war es so günstig! Wenn du deiner Frau jetzt den Diamantring kaufst, den Du ihr eigentlich schon zu Weihnachten, zum January Sale oder spätestens zum Valentinstag hättest schenken sollen, kriegst du die passenden Ohrringe und das Armband dazu geschenkt plus 50% Rabatt auf jedes weitere Stück Geschmeide.

Ich muß nur die Nerven behalten, dann gehört mir wahrscheinlich zum Winterschlußverkauf der ganze Laden, ohne daß ich dafür auch nur einen einzigen Dollar ausgebe.

Hinzu kommt, daß sich die Firmen und Geschäfte und Restaurants ständig gegenseitig scharf beobachten und wenn zum Valentinstag McDonalds einen Big Mac für 99 Cents anbietet, kann man ziemlich sicher sein, daß der Doppel-Whopper von Burger King am President's Day für 98 Cents zu haben ist. Vermutlich zieht McDonalds einen Tag später nach und man kriegt sogar noch eine Tüte Pommes dazu geschenkt.

Zur Zeit läuft hier die sogenannte March Madness Sale (auf deutsch: März-Wahnsinns-Ausverkauf) Kampagne - Slogan: siehe oben. Und der April mit dem großen Osterverkauf steht ins Haus, danach kommen Muttertag, und Vatertag und Pfingsten und für die Sommermonate wird den Werbeagenturen sicher auch etwas Passendes einfallen. Man darf gespannt sein.

Damit hier jedoch kein falscher Eindruck aufkommt: als Verbraucher profitiere ich meistens tatsächlich von den gnadenlosen Kämpfen der diversen Firmen um meine Gunst als Kunde. Die einzige Schwierigkeit für mich besteht darin, aus der schier unüberschaubaren Fülle der Angebote und Sonderverkaufsaktionen die besten herauszufinden oder die Nerven zu haben, so lange zu warten, bis der Artikel meines Begehrens irgendwo als Superdupersonderspezialangebot erhältlich ist, und das ist er mit Sicherheit irgendwann. Man ärgert sich sonst schwarz, wenn man glücklich mit seinem Kauf (Listenpreis 100 Dollar) für 85,50 Dollar aus dem Laden stolziert und drei Geschäfte weiter dasselbe Dings für lumpige 69,99 Dollar im Schaufenster sieht.

Nichtsdestoweniger läßt sich auch diesem Dilemma ausweichen bzw. vorbeugen, denn in Amerika ist es durchaus üblich, und überhaupt nicht unseriös, zu handeln. Und das nicht etwa auf dem Markt, nein, auch in pikfeinen Läden. Das geht natürlich nicht wie im orientalischen Basar mit Schreien und Händefuchteln vor sich, sondern schon etwas gesitteter. Nehmen wir das Beispiel mit dem 100-Dollar-Dings. Wenn ich vorher...

Das ist das Entscheidende: Vorher! Wenn das Teil erstmal gekauft ist, ist es zu spät. Gekauft ist gekauft und Schluß.

...die 69,99 Dollar gesehen habe, mir aber aus irgendeinem Grund der Laden nicht gefällt, gehe ich zurück zu dem 85,50-Dollar-Geschäft und erzähle dem Verkäufer, oder noch besser dem Manager, daß ich höchstens 69,99 Dollar dafür ausgeben werde, weil die Konkurrenz nebenan genau diesen Betrag haben will ... spätestens jetzt geht der Verkäufer mit dem Preis runter. Bezahlen muß ich letztlich allerdings 75,46 Dollar, denn in Amerika sind alle Waren nur mit Nettopreisen ausgezeichnet. Es kommt immer noch die jeweilige Landessteuer (state tax) drauf, die beispielsweise hier in New York 7,25% beträgt.

Dabei gilt: je höher der Preis der Ware ist, um so größer ist, prozentual gesehen, die Spanne zum Handeln. Eine Tüte Neapolitan Coconuts (Bonbons mit Karamel- und Kokosgeschmack - meine Frau Gisela und ich lieben sie, deswegen sollen sie hier verewigt sein) für 2 Dollar werde ich nicht mehr runterzuhandeln versuchen, da würde ich mich lächerlich machen, aber schon bei einem Paar Turnschuhe für normal 55 Dollar kann ich durch geschicktes Handeln locker 5 bis 8 Bucks sparen. Eigentlich klar.

Ja, hier ist die Marktwirtschaft wirklich noch frei und Sätze wie "Konkurrenz belebt das Geschäft", die in Deutschland durch Dutzende von behördlichen Auflagen und Verordnungen inzwischen zu leeren Phrasen heruntergekommen sind, haben in Amerika noch ihre ursprüngliche volle Bedeutung.

Etwas befremdlich auf einen Deutschen wirkt jedoch schon, daß z. B. auch Krankenhäuser im Radio oder Fernsehen etwa folgendermaßen auf sich aufmerksam machen: "Schmerzen im Rücken? Du kannst kaum noch laufen? Dein Leben hat keinen Sinn mehr? Tatatataaaa! Wir, das Orthopädie-Team des St. Francis Hospital, sind die erfahrensten Chirurgen und die fürsorglichsten Pfleger. Wir haben die modernsten Apparate und die Schärfe unserer Skalpells ist bei allen Konkurrenten gefürchtet! Also laß dir nicht die Wirbelsäule von irgend jemandem ruinieren, wir im St. Francis Hospital können das viel besser." ... oder jedenfalls so ähnlich.

Da in Amerika nahezu alles privatwirtschaftlich organisiert ist, muß beispielsweise auch die häusliche Müllabfuhr als privater Service bestellt werden. Man blättert also in den Yellow Pages des örtlichen Telefonbuchs herum und findet unter der Rubrik Rubbish and Garbage Removal ein rundes Dutzend Unternehmen, die sich auf sowas spezialisiert haben. Der Anruf bei einer (oder mehrerer) dieser Firmen belehrt einen jedoch alsbald, daß dieser Service in Amerika ein kleines Vermögen kostet, nämlich abhängig von der Anzahl der Mülltonnen und der gewünschten Abholfrequenz...

Das ist natürlich wieder einmal America at its best (Amerika von seiner besten Seite). Wenn ich will (und bezahle), kann ich die Müllabfuhr hier dreimal täglich vorfahren lassen.

...mindestens rund 900 Dollar im Jahr! Als Alternative (die wir gewählt haben), kann man seinen Abfall samstags zwischen 8:00h und 12:00h höchstselbst zur Müllkippe fahren. Dazu kauft man vorher im Rathaus ein Abreißblöckchen mit Berechtigungsmarken und das war's. Es wird also fürderhin zu meinen vornehmsten Aufgaben gehören, samstags unseren Wochenabfall zu beseitigen. Das klingt vielleicht schlimmer, als es ist, denn letzten Samstag war ich zum ersten Mal auf dem örtlichen Müllplatz. Es war richtig nett. Ein echter Kommunikationstreffpunkt. Während man seine Tonne in den dafür bereitstehenden Container kippt, plaudert man mit seinen Nachbarn über das Wetter, die neuesten Automodelle, die erschreckend hohe Inflationsrate und (siehe weiter oben in meinem Bericht) natürlich über das kürzlich in Dienst gestellte neueste Atom-U-Boot der Navy. Man könnte unschwer den ganzen Samstag dort zubringen, wenn, ja wenn es ringsum nur nicht so stänke.

Zum Schluß dieses Abschnitts möchte ich noch erwähnen, daß die durchschnittlichen Lebenshaltungskosten in Amerika schon spürbar niedriger sind als in Deutschland.

Selbst wenn man den schwankenden Wechselkurs mal außer acht läßt und von rund 1,50 DM pro Dollar ausgeht und dann noch gedanklich alles umrechnet, was man eigentlich nicht darf, denn entscheidend ist ja immer die Kaufkraft einer Währung im Lande selbst. Demzufolge muß man Dollar und DM kaufkraftmäßig etwa gleichsetzen. Einfacher ausgedrückt: was für Sie eine Mark ist, ist für uns hier ein Dollar.

Milch kostet ca. 1,10 Dollar (allerdings 2 Liter), Rindersteak vom Feinsten etwa 3,50 Dollar pro Pfund und ein Kilo Brot ungefähr 2,50 Dollar.

Brot? Ich meine die pappige, schlabberige Backware, die hier Brot genannt wird. Ungetoastet nicht zu genießen. Wie jedoch aus gut unterrichteten Kreisen verlautet, gibt es irgendwo in der Gegend einen Bäcker, der schon mal in Deutschland war und sich von dort ein Brotrezept mitgebracht hat. Leider darf man auch kein Brot in die USA mitbringen, das nehmen einem die Zöllner sofort ab (und essen es selbst ... hahaha).

Ein Standardhaushalt von vier Personen kommt im Monat also durchaus mit rund 500 Dollar für Lebensmittel hin.

Unter Ausnutzung der erwähnten Coupons und Gutscheine und natürlich abhängig vom Lebensstandard. Nach oben gibt es - wie überall - keine Grenzen.


Hier geht's weiter mit Teil 2, wo Sie etwas über Straßen und Autos, den amerikanischen Führerschein, die Gegend rund um Poughkeepsie, die Restaurants samt Essen, Trinken und Rauchen erfahren, und wo Sie zum Schluß ein paar Feinheiten der amerikanischen Sprache kennenlernen.
Außerdem - wie schon gesagt - gibt es dort am Ende der Seite auch eine [PDF-Version...] der gesamten Einleitung zum Drucken (mit richtigen Fußnoten).


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