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Juli 1996

Worauf die Welt gewartet hat

Daß nahezu alle wirklich großen Erfindungen unserer modernen Neuzeit aus Amerika kommen, weiß heutzutage bereits jeder Grundschüler. Oder wie war das noch mit dem Telefon, dem Auto, der Mondrakete, dem Computer und der Herztransplantation? Eben. Trotzdem, getreu einer schier jahrzehntealten Erfindertradition, sind unsere amerikanischen Freunde unermüdlich dabei, Neues und noch nie Dagewesenes, ja geradezu Revolutionäres zu erdenken, zu entwickeln und schlußendlich sogar tatsächlich zu benutzen. Von einigen dieser amerikanischen Geniestreiche wird hier die Rede sein. Hören wir doch einfach mal in eine typische Werbeveranstaltung rein.

Herrreinspaziert, herrreinspaziert, meine hochverehrten Herrschaften! Hamse nur keine Scheu. Vorne sind immer die besten Plätze! Kommse ran, ich beiß nich! In wenigen Augenblicke gehtse nämmich los, unsere Schau! ... Sie da, lassense doch den Kleinen ma nach vorn, dahinten sieht er ja ganix. Ja, setz Dich da ma ruhig hin, Junge. Und Sie, schöne Frau, nur Mut, kommse, kommse! Schließlich wollnse ja hinterher Ihre Nachbarin alles richtig erzählen können, nichwah?

Also, ich bitte jetz ma um Ruhe! Heut präsentier ich Ihnen nämmich kostenlos und unverbindlich die neusten Errungenschaften aus Amerika! Jawoll, sie ham richtig gehört: origenal aus Amerika! Ich hab keine Kosten und auch keine Mühen gescheut, ihnen dat Dollste und Wichtigste mitzubringen, watti Forschung und die Technologie heutzutage zu bieten hat. Vieles, oder genauer manches kommt sogar direkt ausse Weltraumfahrt, sozusagen von Kap Karneval oder Kadaveral, oder wie datta unten heißt, sie wissen schon, in Florida. Denn kein Mensch, sie auch nicht, Herrschaften, kann sich heute diese moderne Technik mehr wegdenken, dat is schlichtweg ganz unmöglich und macht uns dat Leben sonz nur noch schwerer, alset sowieso schon is. Deswegen, Herrschaften, will ich ihnen, oder besser sie hier ganz unverbindlich damit vertraut machen, damitse wissen, watse demnächst alles in Haus, Keller, Küche und Garten brauchen. Und, wie ich schon sagte, is natürlich alles ganz und gar unverbindlich!

Kann ich jetz ma Licht haben hier vorne, bitte? Mach doch ma einer den Spot an! Ja, richtig hierhin leuchten. Genau, jetz gehtet nämmich los.

Inne erste Abteilung, Herrschaften, zeig ich ihnen den Bagel Slicer. Wissense nich wattat is? Ja, amerikanisch müßte man können! Kann ich perfekt, und deswegen übersetz ich Ihnen dat jetz ma sofort. Auf deutsch heißtat nämmich so ähnlich wie Brötchenschneider, nur dat son Bagel eben nich genau ein echtes deutsches Brötchen mitte klassische Form is, sondern mehr so ein rundes Brötchen mit ein Loch inne Mitte. Keiner weißet, wozu dat Loch eigentlich gut sein soll, nich ma die Amerikaner selber, ich habse nämmich gefragt. Wissense zwar nich, is aber trotzdem eins drin. So, und jetz ehrlich ma, Herrschaften, wie oft hamse sich schon geärgert, datse morgens Ihr Brötchen nie so genau inne Mitte durchkriegen? Bestimmt genau so oft wie die Amerikaner mit ihrn Bagel. Ma is die obere Hälfte dicker, ma die untere, und ma is dat auch alles total krumm und krümmelig. Herrschaften, damit hattat jetz ein Ende! Sehnse, ich zeig dat ma. Sie stecken ihrn Bagel oder Ihr Brötchen, watse grad zur Hand haben, hier in dies Kästchen, dat is nämmich der eigentliche Bagel Slicer. Eimfach oben rein, bisset ganz drin is, so. Und nu, sehnse die beiden Schlitze da? Ja, die hier, genau inne Mitte vonne beiden Schmalseiten. Die sind der eigentliche Schlüssel zum Geheimnis! Jetz nehmse nämmich ihr ganz normales Brotmesser und ziehnse dat ganz normal durch die beiden Schlitze, schön bis ganz unten hin am Anschlag - fertig. Legense dat Messer wieder auffen Tisch, holnse ihr Brötchen raus - und ... kuckense jetz mal hier ... hier is ihr Bagelbrötchen, ganz genau und ganz glatt inne Mitte durchgeschnitten. Beide Hälften genau gleich. Brauchense bloß noch Butter draufschmieren oder Mammelade und guten Appetit. Jetz gibtet auch keinen Streit mehr inne Familie, wer die dickere und wer die dünnere Hälfte kriegt, der morgendliche Frieden is gesichert und dat Tagewerk kann froh begonnen werden. Ja, klatschense ruhig jetz ma en bißken. Hatter wirklich verdient, der Erfinder vonnen Bagel Slicer. Gibts übrigens in abwaschbaren Plastik, kann dann auch inne Spülmaschine, ganz klar. Oder hier, die bessere Ausführung fürn Sonntag oder Weihnachten oder wennse ma Besuch ham, in schön lackierten Fichtenholz. Da müssense aber mitte Spülmaschine en bißken vorsichtig sein, oder besser ganich ers reintun.

Herrschaften, inne zweite Abteilung bleimwa nochma eben inne Küche. Sie essen doch alle morgens immer gern diesen leckeren Frühstücksspeck, oder nich? Die Amerikaner sagen ja bacon dazu, könnse sich bei diese Gelegenheit gleich ma merken, damitse auch noch en bißken amerikanisch nebenbei lernen, kost ja nix. So, und wennse diesen Bacon morgens früh inne Fanne hauen, wat passiert dann? Genau, et spritzt. Der ganze schöne Herd und die halbe Wand is voll mit Fettspritzer. Und wer musset hinterher wieder wegmachen? Genau, sie, junge Frau! Doch jetz dürfense dank unsere amerikanische Freunde aufatmen. Hier und heute bin ich nämmich froh, Ihnen die Lösung aus diesen fettigen Dilemma zu präsentieren: dat Bacon Rack! Ja, dat kleine Dingen sieht aus wie ein, weiß ich aunich so genau, aber jedenfalls heißt rack ja Gestell, dürfense sich auch ruhig merken. Jetz nehmse eimfach die Bacon-Scheiben ausse Packung, so, und stellnsese senkrecht in dies handliche Bacon Rack. Is natürlich auch aus diesen unverwüstlichen Plastikmaterial und könnset also deshalb zusammen mit Ihrn Bagel Slicer unbesorgt hinterher inne Spülmaschine tun. Wat wollt ich sagen? Achja. Jetz frangse sich natürlich, wohin damit, denn inne Fanne geht ja nich, wegen den Plastik. Backofen fällt aus diesen selben Grund auch aus. Aber keine Sorge, wir ham ja noch unsere Mikrowelle, nichwah?  Und genau dafür isset auch gedacht. Dat Bacon Rack fürde Mikrowelle. Sauber, schnell, und völlig ohne Spritzen. Und, kuckense ma, hier unten in diese kleine flache, wie sagt man, Baconfettauffangvorrichtung nennt man dat, glaub ich, da tropft dat Fett sauber rein und nich mehr auf Ihrn teuern Herd. Wenn Ihr Bacon also nachen paa Sekunden fertig is, hamse also nicht nur knusprigen Bacon jeden Tag problemlos fürt Frühstück, nee, sie könn dat Fett auch schön inne Tupperdose tun, solanget noch flüssig is, is doch wohl klar, und hinterher gut zum Braten von ihre Kottletts oder Fannekuchen verwenden.

Aber, Herrschaften, wennse dat nicht nehmen wollen, dat fettige Bacon-Fett mein ich, dann brauchense dat auch nich zu nehmen. Könnse jedesmal ruhig wegkippen und wennse dat nächstema ihr Steak oder de Spiegeleier oder von mir aus auch Fannekuchen braten, nehmse stattdessen eimfach diese Sprühdose hier zur Hand. Jawoll, inne dritte Abteilung lernse nämmich jetz dat Butter Spray kennen. Herrschaften, die Revolution inne moderne Küche! Butter ausse Sprühdose! Sensationell! Denkense bloß ma dran, wie umständlich sie dat bisher immer gemacht haben. Fanne auffe Platte, Butter aussen Kühlschrank, Messer ausse Schublade. Erstens is die Butter hart, zweitens wissense sowieso nich richtig, wievielse nehmen müssen, drittens is inzwischen die Fanne zu heiß, so dat die Butter sofort ganz schwatt wird und viertens stinkt dann die ganze Küche nach verbrannt! Nee, Herrschaften, damit hat dat jetz endgültig ein Ende. Hier, nehmse eimfach diese sensationelle Butter Spraydose inne Hand, zielen auffe Fanne, -pschschscht- und fertig. Genau die richtige Menge, dat dat Steak nich anbrennt und außerdem viel gesünder für sie und ihre Lieben, weil diese ganzen übersättigten Fettsäuren und dieses Kloroform und Kollesterin und wie dat alles heißt, is da selbstverständlich nich drin. Hier, könnse selber kucken, steht genau auffe Rückseite vonne Spraydose, alles null Prozent. Jaaaa, Herrschaften, jetz denkense sicher, datta der Geschmack auch drunter leidet. Is doch sonz immer so bei diesen ganzen fettfreien Leit- und Diät-Zeugs. Stimmt in diesen Fall aber genau nämmich nich! Hier hamse den vollen reinen Buttergeschmack und dat ganz ohne schädliche Nebenwirkungen! Ich laß ma die Dose rumgehen, könnse sich wat auffe Fingerspitze tun und selber ma probiern. Wernse sehn, spritzt nich, brennt nich an, ganix, schmeckt gut und is obendrein noch gesünder wie alles andre. Wat wollnse denn noch mehr?

So, Herrschaften, und jetz zeig ich ihnen in meine vierte Abteilung, dattat Gemüt auch nich zu kurz kommt bei diese amerikanischen Sensationserrungenschaften. Nehmwa ma unsere gefiederten Freunde. Wissense noch letzten Winter? Saukalt draußen, alles meterhoch voll Schnee und ne dicke Eisschicht auf ihrn Schwimmingpool. Und jetz hamse doch vorn paa Jahren im Frühjahr ma diese entzückende Vogeltränke im Vorgarten aufgestellt, wissense doch, diesen kleinen Barockengel mitte Pausbacken aus Ton, der so nett die Schale hochhält, wo die Rotkehlchen und Meisen und Finken sich nicht nur am frischen Wasser laben können, sondern wose auch immer ma zwischendurch ihre Flügelkes waschen, wat ja auch allerliebst zum ankucken is. So, und wat is nu im Winter? Alles is zugefrorn, auch ihr Vogelbad natürlicherweise, is doch ganz klar. Jetz stellnse sich ma vor, wiese selber ausse Wäsche kucken würden, wennse morgens nachem Aufstehn ein erfrischendes Bad zu sich nehmen wollen und ihre eigene private Badewanne is total voll Eis! Da stehnse aber ganz schön dumm da, kann ich mir vorstellen. Sehnse, und so geht dat den armen Vögelkes auch. Müssense leidergottes ungewaschen und durstig wieder abfliegen. Ja, junge Frau, kann ich gut verstehn, datse sich jetz ein Tränchen ausse Augenwinkel wischen. Aber brauchense sich nich dafür zu schämen und auch nich zum verzweifeln anfangen, denn dafür hab ich ihnen die Bird Bath Heating, auf deutsch: eine Vogelbadheizung mitgebracht. Ja, damit tunse wirklich wat Gutes fürde Natur und fürde Umwelt! Sehnse, is auch ganz eimfach. Kann jeder Laie. Ich zeig dat ma in Form einer Demonstration. Ich nehm dat eimfach ausse Schachtel. So. Und jetz hier, Bauteil 1, diese sogenannte Heizspirale, legense eimfach in Ihr Vogelbad. Is natürlich vollisoliert, damit sich unsere kleinen Vögelkes nich dran elektrisieren können oder noch wat schlimmeres. Und hier, die Bauteile 2a und 2b, also diese beiden dünnen Drähte, ja genau, dat schwarze und dat rote hier, die gehn nu vonne Heizspirale direkt innet Bauteil 3, diesen sogenannten Batteriebehälter, wo der Strom herkommt. Müssense natürlich vorher Batterien reintun, die sind von Haus aus nich dabei, aber kriegt man ja heutzutage sogar außerhalb von Amerika an fast jede Tankstelle, und auch wenn die Geschäfte schon zu ham, also überhaupt kein Problem. Jetz brauchense bloß noch an Bauteil 4, dat is hier diesen kleinen Schalter, knipsen und schon haben ihre Vögelkes auch im Winter immer schön aufgetautes Badewasser und dat könnse - nee, sie persönlich natürlich nich, ich mein die Vögelkes - unter Umstände dann sogar auch trinken. Mit den Zufrieren is dat nu ein für allemal vorbei. Wie? Wat meinse? Wer dat denn abends wieder ausknipst? Ja, dat weiß ich auch nich. Sie selber wahrscheinlich. Leider gibtet noch keine elektrische Fernsteuerung dafür, aber dat nehm ich gern als Anregung ma mit und vielleicht kann ich Ihnen die verbesserte Version dann schon nächstes ma vorführen.

Gottseidank hamwa ja nu Sommer, Herrschaften, die Zeit für draußen im Garten oder inne Natur sich zu erfreuen. Egal obse sich jetz um Ihre Tomaten kümmern oder lieber im Schwimmingpool rumplanschen, jeder hat da ja so seine eigenen Präferenzien und da will ich jetz hier auch nich im Einzelnen drauf eingehen. Aber eins is für alle gleich: et is unheimlich warm. Gemset ruhig zu, oft hamse doch selber keine Lust, überhaupt raus zu gehen, weil nämmich einen sofort ... äh, vonne Stirne heiß rinnen tut der Schweiß. Kann ich gut verstehen, denn schließlich spielnwa ja nich alle in diesen bekannten Theaterstück von Göhte mit, wo ich mir erlaubt hab, dieses literarische Zitat von zu bringen. Sehnse, dat hamse auch noch nich gewußt, dat der Göhte sich schon damals mit sowat beschäftigt hat, oder? Hamse gleich wieder wat dazugelernt. Also, wat ich mein, is folgendes: nich jedermann schwitzt gerne, und schon am allerwenigsten am Kopp, dat is in Amerika wissenschaftlich einwandfrei festgestellt und gilt meines Erachtens auch für andere Länder, wie beispielsweise Europa oder Holland. Deswegen passense jetz ma gut auf, Herrschaften. Dies schwatte Ding, wat ich inne fünfte Abteilung hier in meine rechte Hand halte, macht dem Schweißtreiben im Sommer nämmich endgültig den Garaus bzw. sogar ein endgültiges Ende. In sein Herkunftsland Amerika wird dat Dingen Hydrogear Headband genannt. Nu kommt dies hydro ja bekanntlich aussen Lateinischen oder is Hebräisch oder sowat und heißt auf deutsch jedenfalls Wasser, und gear is zwar amerikanisch, aber et bedeutet Ausrüstung oder Gerät oder noch wat drittes, wat ich jetz momentan vergessen hab. Somit könntense jetz rein theoretisch denken, dat dat Dingen hier eigentlich ein Wassergerät is. Aber dat is natürlich Quatsch, wiese gleich sofort sehn werden, ich mach ja auch bloß Spaß, und en bißken Spaß wollnwa ja zwischendurch auch dabei haben, oder nich? In echt is dat nämmich ein Stirnband. Ja, aber ein hinten mitten Gummizug, damit dat auch auf jeden Kopf paßt, dünn oder dick, ganz egal. Tutet auch, hab ich nämmich selber letzte Woche, wo et so heiß war, ausprobiert. Klappt echt prima, paßt ganz genau und wegen diese schwatte Farbe kriegt man da sogar son richtigen verwegenen Rambo-Look mit. Aber jetz ma zurück zu diesen eigentlichen Stirnband. Dat hat nämmich ein kleines Geheimnis in seinen Innern. Is natürlich kein richtiges Geheimnis, dat sagt man ja nur so, sondern dat dürfense ruhig ihre Bekannten verraten, nee, sollnse sogar. Also, sie nehmen dies Stirnband und legenet eimfach fürne halbe Stunde im Wasser. So lange könnwa hier selbstverständlich nich warten und deshalb hab ich dat hier mit den zweiten schon ne halbe Stunde vor diese Vorführung gemacht. Ganz normales durchschnittliches Kranwasser könnse dafür nehmen, oder auch ein Teich oder ein Fluß, eben watse so grade inne Nähe haben. So, und kuckense jetz ma hier, sehnse den Unterschied? Sehnsen? Dat, wat im Wasser war, is viel dicker. Is sonne richtige kleine Wurst geworden. Woher dat kommt, wollnse jetz sicher wissen. Jaaa, dat kommt eben, wie schon mehrfach angedeutet, ausse Weltraumfahrt. Da sind nämmich besondere schemische Kristalle drin, so wiese die auch in ihre Raumkapseln oder in diesen Space-Schattel benutzen, und wenn die im Wasser kommen, wird daraus ein sogenanntes Gel. Dat nennt man in diesen Fall ein schemischen Umwandlungsprozeß. Und hier, fühlnse ma, is ganz weich, und wat am wichtigsten is, ganz kühl. Obset glauben oder nich, son gewässertes Stirnband bleibt bis zu drei, vielleicht auch vier Stunden so schön kühl, wieset jetz fühlen. Könnse sich jetz vorstellen, wat sie persönlich im dicksten Hochsommer fürn kühlen Kopp behalten, wennse dat Dingen aufhaben? Sagenhaft, sag ich ihnen! Und wennet ihnen anfängt wieder warm zu werden und die ersten Schweißtroppen langsam wieder auffe Stirne auftauchen, dann tunse dat eimfach wieder fürn paa Minuten im Wasser und fertig. Also diese berühmte Frage, wat ich auf ne einsame Südseeinsel mitnehmen täte, kann ich Ihnen ganz klar beantworten. Bei mir käm auf alle Fälle son Hydrogear Stirnband mit innen Koffer.

So, Herrschaften, bleimwa ma noch en paa Minuten im sommerlichen Garten oder, nee, sangwa ma wir gehen lieber am Strand oder inne Badeanstalt. Also ich mein dat jetz nur ma so theoretisch, Sie könn ruhig auf Ihre Stühle sitzenbleiben. Dafür präsentier ich Ihnen jetz inne sechste Abteilung dat wirklich Allerneuste, wattet in Amerika fürde Füße gibt. Jetz kuckense sich dat bloß ma in Ruhe an, wat ich Ihnen hier hochhalte. Hier, eins inne linke Hand und eins inne rechte. Wat sehnse da? Schuhsohlen, denkense jetz. Oder Sandalen, wovonse die Riemkes abgeschnitten haben. Stimmt, genauso siehtat auch aus. Aaaaber, Herrschaften, diese Schuhsohlen sind gakeine richtigen, sondern die hammet in sich, oder besser gesagt auf sich drauf. Deswegen heißen die in Amerika ja auch Stick-On-Shoes. Kommwa später zu, wattat genau auf deutsch heißt. Sie, junger Mann, Kommse doch ma hier bei mir auffe Bühne. Nee, brauchense nich scheu zu sein, kommse ruhig, et tut ihnen keiner wat und et tut auch nich weh. Ja, Herrschaften, jetz aber ma einen dollen Applaus für diesen netten jungen Mann hier - Ja, danke, is gut jetz... Brauchense nich mehr... Herrschaften! Is gut, sag ich! HERRSCHAFTEN!!! Nu is genug geklatscht! Danke, danke. Also, hier junger Mann, jetz ziehnse ma Ihre Schuh aus. Ja beide, und auch den linken. Und jetz die Socken auch. Hamse sich auch schön die Füße gewaschen heut morgen? ...hahaha... Nee, mein ich ja ganich so, sollte nurn kleinen Scherz sein, nix für ungut. So, jetz leg ich diese beiden Stick-On-Shoes hier auffen Boden. Und sie, junger Mann stelln sich jetz ma mit Ihre nackte Füße da drauf. Ja, genau so, mitte Hacke zuerst, und dann schön nach vorne zude Zehen hin abrollen. Paßt. Und jetz datselbe mitten andern Fuß ... nu könnse dat ja schon. Hervorragend, sag ich da nur. Nochma ein kleinen Applaus für unsern jungen Mann hier, aber wirklich nur ein kleinen, sonz wernwa heut ja ganich mehr fertig. Gut, danke, danke. So, wat jetz, denkense sicher. Zeig ich ihnen sofort. Junger Mann, gehnse doch ma vorsichtig en paa Schritte. Ja, bis da vorne reicht schon. Merkense wat? Herrschaften, kuckense sich dat genau an! Die Schuh bleim unterde Füße kleben! Is dat nich absolute Spitze? Deswegen heißen die ja auch Stick-On- ... äh, Dings oder Schuhe genauer gesagt, weil Stick-On soviel bedeutet wie Kleb-dran. Und dat tunse wirklich, wiese hier anne Füße von den netten jungen Mann leibhaftig sehen können. Is dat nich praktisch und wirklich eine Sensation? Keine Fummelei mehr mitti Riemen und Schnallen vonne altmodische Sandalen. Eimfach Schuh und Socken aus, drauftreten auffe Stick-Ons und weggehen. Und, Herrschaften, fürde Sonnenanbeter unter Ihnen, die so diese nahtlose Bräune am ganzen Körper ...äh, Sie wissen schon, nichwah? Jetz hamse hinterher wirklich nich ma mehr weiße Streifen auffe Füße! Und, Herrschaften, nich datse jetz denken, sie könn diese Stick-On-Shoes nur ein einziges Ma verwenden, nein, im Gegenteil, die patentierte Klebe is auch ausse Weltraumfahrt und die hält ewig. Naja, vielleicht nich ewig, aber ein paarma is in Form von zahlreiche praktische Tests mit Schulkindern und andern Erwachsenen in Amerika echt nachgewiesen und muß deswegen ja auch stimmen. Wennsese nich mehr brauchen, ziehnsese eimfach vonne Füße ab, tun diese klare Schutzfolie wieder drauf, also auffe Stick-Ons, nich auf Ihre Füße, sie wissen schon wat ich meine, und dann tunse die bis zu Ihrn nächsten Prommenadenspaziergang eimfach wieder in Ihre Badetasche, wose auch überhaupt kaum Platz wegnehm. So, junger Mann, jetz könnse mir die Dinger auch wieder zurückgeben. Setzense sich da ruhig auf den Stuhl und ... Wie? Wat is denn? Geht nich wieder ab? Doch doch, dat muß! Ging ja sonz auch immer. Stellnse sich nich so an und beißense eimfach die Zähne zusammen. Immer noch nich? Naja, vielleicht nehmse hier ersma ihre persönlichen Schuhe und Socken inne Hand und gehn jetz ma hinterde Bühne und probiern et da. Muß gehen. Nee, nich da vorne ... ich sagte doch: hinterde Bühne.

Ich mach nämmich hier jetz ma weiter mitte siebte und letzte Abteilung. Der Höhepunkt von unsere Schau gewissermaßen, Herrschaften, und zugleich der Höhepunkt vonne technische Entwicklung im Bereiche der Unterhaltungselektronik. Is zwar nich so direkt ausse Weltraumfahrt, aber trotzdem phänomenal und aussen Bereich vonne sogenannte elektronische Hochtechnologie, aber dat sagte ich Ihnen ja schon, glaubich. Herrschaften, dat wat ich hier in meine Hand hochhalte, is nämmich ein Video Tape Rewinder, auf deutsch: ein Vidiobänderrückspulapparat. Dat hättense jetz nich gedacht, dat dies kleine Kästchen, is ja fast völlig unscheinbar oder etwa nich, eine so lebenswichtige Funktion hat, oder? Sehnse, hier diese Schnur, wir Techniker sang da ja Kabel für, also die stöpselnse eimfach inne nächste Steckdose, öffnen durch einen leichten Druck auf dies Knöppken den Deckel, legen da dat Vidio-Band rein, jetz auf dat andere Knöppken drücken und ... hörnse jetz dat leise Summen? ... et spult schon! Ja, meine Herrschaften, wissense doch, wennse sich fürt Wochenende en paa Vidios geliehen haben, weilset echt leid sind immer die verdammte Werbung im Fernsehen mittendrin vonne spannenste Filme zu kucken, kann ich ja auch verstehen, dat geht mir auch auffen Wecker und die Blödmänner im Fernsehn machen dat ja auch extra immer anne spannenste Stellen ... Wat wollt ich sagen? Weiß ich nich mehr, is ja auch egal. Jedenfalls müssense die Vidios ja immer schön in einen zurückgespulten Zustand wieder zurückbringen, sonz wern die da im Vidioverleihgeschäft ganz sauer auf Sie. Deswegen kleben die ja auch immer diese roten Zettelkes auffet Vidioband, nä, kennse doch, weilet sich so schön reimt: Please be kind and rewind. Is en bißken schwer zum übersetzen, wie dat ja generell bei so poetische Sachen der Fall is, aber ich hab mir dafür in deutsch extra wat ausgedacht und dat geht so: Sei kein fauler Strick und spulet schön zurück! Is mir doch nett gelungen, findense nich? Also spulense dat hoffentlich auch immer schön orntlich zurück. Aber wat dat dauert! Son Zweistundenband brauch ja locker fünf Minuten bisset wieder ganz am Anfang zurückgespult is. Vielleicht sogar sieben, kommt natürlich auf Ihrn Vidiorekorder an. Und wat machen sie inne Zwischenzeit? Genau, sie kucken inne leere Röhre. Null Action, wie der Amerikaner sagt. Dat kann Ihnen mit dies neue Gerät nu nich mehr passiern. Vidio zu Ende, raus aussen Rekorder und gleich rein in diesen vollautomatischen Rückspuler. Und bis dat fertig is, hamse schon den kompletten Vorspann vonnen nächsten Film gekuckt. Mindestens. Dadurch hamse dann auch gleichzeitig eine schöne Zeitersparnis, oder andersrum ausgedrückt, ein Zeitverlust hamse erreicht ... äh, ich mein natürlich den hamse dann eben nich mehr, diesen Zeitverlust, weilse ja die Ersparnis hinzugewonnen beziehungsweise genauer gesagt vermieden ham ... nee, stimmt auch nich, jetz hab ich mich en bißken verhaspelt, müssense schon ma entschuldigen so kurz vorn Schluß, aber is ja klar, Sie wissen ja wat ich mein, oder soll ich dat jetz nochma genauer erklärn? Nich? Na gut. Jedenfalls, wennse son Apparat nich ham, könnse sonz unter Umstände die fünf, sechs Vidios, diese sich fürn Samstagabend geliehn haben, überhaupt ganich schaffen vor lauter Spulerei. Und damit hab ich ihnen auch schon die meisten Hauptvorteile genannt, die sich für sie persönlich aus diesen tollen Gerät ergeben. Und Herrschaften, noch wat: wennse sich nich son schwattes Kästchen im Wohnzimmer stellen wollen, is ja auch wirklich nich jedermanns Sache, dat versteh ich schon, dann gibtet diesen Video Tape Rewinder auch in Form von enzückende kleine Automodelle, sogar in rot, oder als wertvolles Buch getarnt, wattse dann dekorativ inne Schrankwand plazieren können, oder fürde Freunde von Stilmöbel unter Ihnen sogar innen ansprechenden Holzdekor mit schöne barocke Schnörkel drauf. Für jeden Geschmack is garantiert wat dabei.

Ja, und damit sind wir für heute auch schon am Ende von unsere kleine Schau angelangt, Herrschaften. Ja ... äh, danke, danke. Danke vielmals für ihre Aufmerksamkeit und für ihrn geschätzten Applaus natürlich auch. War doch nich nötig, hab ich doch gern gemacht für sie. Ich weiß, et hatten bißken länger gedauert wie geplant, aber ich hoffe, datse mir deswegen nich böse sind und trotzdem in vierzehn Tage Donnerstag wieder reinschaun, wenn et wieder heißt: Vorhang auf fürn Fortschritt!


Nachwort des Verf.:

Angesichts meiner humorvollen Darstellungsweise wird der eine oder andere geneigte Leser vielleicht auf den Gedanken kommen, es handle sich bei den genannten Gegenständen um reine Phantasieprodukte. Dem ist nicht so! Bagel Slicer, Bacon Rack, Butter Spray, Bird Bath Heating, Hydrogear Headband, Stick-On-Shoes und Video Tape Rewinder sind amerikanische Alltagsrealität und in den meisten Kaufhäusern oder Supermärkten für jedermann auch ohne Narrenkappe erhältlich.

Fairerweise gebe ich jedoch erstens zu, daß ich an heißen Grillabenden weder auf mein kühlendes Stirnband, noch auf das äußerst praktische Butterspray verzichten möchte.

Zweitens, der Grund für die Popularität des Video Tape Rewinders (wir haben keinen!) liegt an dem sich in den USA hartnäckig haltenden Gerücht, daß ein Videorekorder vom vielen Spulen schneller kaputt geht, was bei amerikanischen Geräten ja durchaus der Fall sein kann, ich weiß es nicht.

Drittens sind die Stick-On-Shoes von Freunden, die z. Zt. bei uns zu Besuch sind, zwar ausprobiert worden, haben sich aber nach kurzer Zeit (ca. drei Minuten) als völlig unbrauchbar und unpraktisch erwiesen, was bei einem Preis von nur 1,99 Dollar jedoch durchaus verschmerzbar ist.

Eine Bird Bath Heating brauchen wir viertens nicht, da wir auch keine Vogeltränke besitzen und fünftens kann ich unsere morgendlichen Bagel - genau wie früher die deutschen Brötchen - mit unserem Brotmesser ziemlich gerade halbieren, sogar freihändig.

Sechstens habe ich bisher noch keinen Bacon aus der Mikrowelle gegessen, aber da wir das beim traditionellen Braten freiwerdende würzige Fett später grundsätzlich wiederverwenden, hat sich mir das Problem auch noch nicht gestellt.


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