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Mai 1997

Jetlag - oder: warum Fliegen so großen Spaß macht

Eine Zeitschrift ohne Reisetips? Gibt's nicht. Schließlich wollen doch alle wissen, wo man demnächst hin muß. Und daher enthält auch spätestens die Mai-Ausgabe jedes Apothekenblättchens Hinweise auf die Zusammenstellung einer kleinen Reiseapotheke, mit den sichersten Mitteln gegen Durchfall, Diarrhöe und Darmverstimmung. Die Bäckerblume bringt im selben Monat einen Artikel vom Brot in der Welt und Der fränkische Kirchenbote enthüllt im Juniheft einen umfassenden Testbericht über wasserdichte und tropenfeste Transportbehälter für Rosenkränze. Allerdings beleuchtet leider jeder immer nur seinen eigenen Aspekt, keiner sagt wirklich die ganze Wahrheit über das Reisen. Warum ist das so? Weil dann jeder intelligente Mensch zu Hause bleiben würde. Und weil dann in den Kassen der Reiseveranstalter, in den Trinkgeldbeutelchen der armen Drittweltkellner und auf den Konten der teuren Business Hotels am Jahresende mehrere bis viele Milliarden fehlen würden. Auf all das kann der Verf. als unabhängiger und parteiloser Schreiberling jedoch keine Rücksicht nehmen. Hier ist er also endlich: der Ratgeber für dienstlich Flugreisende, der auch durchaus für Urlauber geeignet ist - rechtzeitig zum Saisonbeginn, in schonungsloser Offenheit.

Zum Geleit eine kleine Kulturgeschichte des Reisens, sozusagen zur Einstimmung

Reisen kann man mit, auf oder in vielen Verkehrsmitteln. Ganz früher reisten nur Handwerksburschen unter Benutzung eines Stabes und mit geschultertem Fellranzen, wobei sie hin und wieder auch mal von einem freundlich gesonnenen Ochsenkarrenfahrer ein kleines Stück Weges mitgenommen wurden, natürlich nur wenn sie Glück hatten.

Gesellschaftlich etwas höher stehende Reisende, wie beispielsweise Könige, Feldherren, Päpste oder Zigeuner benutzten Kutschen mit ein bis acht Pferden. Edle Ritter, freiheitsliebende Cowboys und die leichte Kavallerie kamen sogar ganz ohne Kutschen aus. Bauern, Beamte, Kleingewerbetreibende und andere Durchschnittsbürger pflegten damals so gut wie nie zu verreisen.

Ziemlich genau einige Jahrhunderte später erfand dann ein kluger Mensch die Schienen und nur wenige Jahre danach ein noch klügerer die dazugehörige Eisenbahn. Von da an war die Entwicklung nicht mehr aufzuhalten und es wurde gereist, daß die Lokomotivkessel nur so glühten. Kein Wunder also, daß diese bald total überfordert waren und alle Welt geradezu nach der Erfindung des Automobils lechzte, die dann auch tatsächlich nicht mehr sehr lange auf sich warten ließ. Etwa zur gleichen Zeit erinnerte man sich auch der revolutionären Konzepte eines gewissen Herrn Ikarus und kramte zusätzlich noch ein paar Konstruktionszeichnungen Leonardo Da Vincis aus der Schublade. Schließlich war es ja schon immer ein uralter Traum des Menschen, sich frei wie ein Vogel in die Lüfte erheben zu können. Viele machten sich an die Arbeit, doch nur wenige hatten Erfolg. Bis eines Tages einem amerikanischen Brüderpaar namens Wright der endgültige Durchbruch gelang. Von ihnen bis zum Jumbo-Jet war es dann auch wirklich nur noch ein kleiner Schritt für die reiselustige Menschheit. Wo bis dato der eigene Hinterhof oder der Balkon oder das städtische Freibad für die Befriedigung der persönlichen Erholungsbedürfnisse herhalten mußten, rückten nun urplötzlich Mallorca, Bali oder gar Stuttgart in greifbare Nähe. Der Jetset war erfunden.

Doch zu allem Unglück entdeckten auch die meisten Arbeitgeber alsbald diese neuen Möglichkeiten zur Umsatzsteigerung durch Erschließung neuer Märkte. Sie nannten es Globalisierung oder irgendwie anders, und begannen, ihre armen Mitarbeiter mit Hilfe dieser neuen Flugmaschinen durch die Welt zu schicken, mal hierhin, ein anderes Mal dorthin. Aus dem immobilen Schreibtischtäter wurde somit der mobile Handelsvertreter. Also ziemlich aufregend. Das ganze Unterfangen wurde als Dienstreise bezeichnet und jeder, der zum allerersten Mal in seiner Karriere einen vom Arbeitgeber bezahlten Flug antrat, konnte eine gewisse freudiggespannte Erregung auch tatsächlich nicht ganz unterdrücken. Zumindest nicht bis er alle die Erfahrungen gesammelt hatte, von denen der Verf. im Folgenden berichten wird.

Die Planung

Jede Flugreise beginnt mit ihrer Planung. Der beste Plan ist, gar nicht erst loszufliegen. Leider läßt er sich jedoch nicht immer in dieser Form realisieren, weil entweder die Umstände widrig sind oder die Anwesenheit der eigenen Person aus bestimmten Gründen in irgend einem weit entfernten Teil dieser Welt dringend erforderlich ist. Zumindest nach der Meinung des Chefs. Vielleicht hat man ja Glück und kann das lästige und zeitraubende Theater noch in letzter Minute verhindern, indem man auf die kommunikativen Segnungen unserer hochtechnisierten Zeit zurückgreift, als da sind: Computernetze, Fax, Telefon oder im äußersten Notfall sogar ein schlichter Brief. Doch darauf sollte man sich nicht verlassen, denn meistens läßt einen das Glück im Stich (der Verf. spricht hier aus eigener Erfahrung). Man muß wohl oder übel selber hin und zu diesem Zweck ein Flugzeug besteigen. Und damit entzieht sich jede weitere Planung, also ob überhaupt geflogen wird oder nicht, dem eigenen Einfluß. Dafür sollte man sich aber nun umso mehr den Vorbereitungen widmen, zu denen der Verf. nachfolgend einige kleinere Tips gibt.

Die Vorbereitung

Die sorgfältige Vorbereitung der Reise ist das A und O des guten Gelingens. A wie "Ach, du lieber Himmel" und O wie "Oh, mein Gott".

Zuerst braucht man natürlich ein Flugticket. Zu diesem Zweck setzt man sich mit einem Reisebüro oder der Reiseabteilung seiner Firma (ja, sowas gibt's) in Verbindung, d. h. wenn man denn überhaupt eine Verbindung bekommt. Reisebüros und -abteilungen gehören seltsamerweise zu den am meisten beschäftigten Institutionen des modernen Wirtschaftslebens, so daß der Anschluß ununterbrochen besetzt ist. Manchmal bleibt einem also nichts anderes übrig, als persönlich hinzugehen, was die Sache jedoch meist nicht verbessert, denn die sogenannten Reiseberater oder -innen haben eh keine Zeit für Laufkundschaft, weil sie ununterbrochen telefonieren müssen. Irgendwann hat man jedoch leider Glück, bekommt so oder so eine Verbindung, und muß buchen. Dabei stellen sich immer drei Dinge heraus: erstens ist der angenehme einzige Mittagsflug bereits ausgebucht und man kann nur noch morgens um 6 Uhr 15 oder abends um 21 Uhr 55 wegkommen. Im letzteren Fall ist aufgrund des Reisefiebers der Tag, und im ersteren wegen des frühen Aufstehens die Nacht kaputt. Zweitens kostet das Ticket weit mehr als erwartet, so daß man zuerst noch die Genehmigung des Oberbuchhalters braucht, und drittens muß man sich entscheiden, wo man im Flugzeug sitzen will. Weil besonders diese Entscheidung nicht ganz einfach zu treffen ist, seien daher an dieser Stelle einige Praxishinweise aus dem reichhaltigen Erfahrungsschatzkästlein des Verf. gegeben.

Zu allererst muß man wissen, daß Flugzeugsitze immer in vielen Reihen hintereinander und nebeneinander in Grüppchen zu zwei, drei, vier, fünf oder sechs angeordnet sind. Am schlechtesten in einem solchen Grüppchen ist ein Mittelplatz, weil man hier zwischen mindestens zwei, meist schwer übergewichtigen Mitpassagieren eingequetscht wird. Einerseits ist einem damit jeglicher Blick aus dem Fenster verwehrt und andererseits muß man über mindestens einen seiner Nachbarn klettern, wenn man mal raus muß. Und wer jemals versucht hat, mit stark angewinkelten Ellbogen eine Mahlzeit einzunehmen, wird auch nicht durch die Tatsache getröstet, daß grundsätzlich immer einer der beiden Mitreisenden links oder rechts sein grelles Leselicht eingeschaltet hat, wenn man einen vorsichtigen Schlafversuch unternehmen will.

Am zweitschlechtesten ist ein Fensterplatz, denn von dort man hat keine Chance, eigenen dringenden Bedürfnissen nachzukommen, ohne peinlicherweise mindestens einen Nachbarn belästigen zu müssen. Interessanterweise sind die Nachbarn eines Fensterplatzinhabers immer nette ältere Menschen, die man nur höchst ungerne um ihr wohlverdientes Nickerchen bringen möchte, oder es sind - in extrem seltenen Glücksfällen allerdings nur - hübsche junge Damen, die man als Kavalier schon aus lauter Höflichkeit nicht in der Lektüre ihrer Modezeitschrift stören will. So beißt man mit Tränen in den Augen alle verfügbaren Zähne zusammen und verflucht still die Tatsache, daß man soeben das dritte Bier noch getrunken hat. Wer sich als Fensterplatzinhaber übrigens darauf freut, einen unterhaltsamen Ausblick auf die hochinteressanten geologischen Formationen unserer Erde zu haben, wird in 99,9 Prozent aller Fälle herbe enttäuscht werden, denn wie spannend sind wohl acht Stunden Wolken von oben?

Am wenigsten schlecht ist noch ein Gangplatz, weil er eine gewisse unabhängige Bewegungsfreiheit garantiert. Man wird nur ständig von seinen Nachbarn gestört, die jedesmal über einen hinwegsteigen müssen, wenn sie irgendwelche menschlichen Bedürfnisse anfechten. Interessanterweise bringen die Nachbarn eines Gangplatzinhabers grundsätzlich ihre chronische Blasenschwäche mit an Bord, so daß man durchschnittlich alle halbe Stunde von ihnen belästigt wird. Zum Ausgleich dafür wird man jedoch in den Pausen dazwischen andauernd von den Servierwägelchen der Stewardessen oder von Mitpassagieren angerempelt, die merkwürdigerweise ihr Handgepäck permanent im sowieso schon unglaublich engen Gang hin und her transportieren müssen. Mittelplatz, Gangplatz oder Fensterplatz - auf einen entspannten Flug oder gar ein erfrischendes Nickerchen ist somit unter keinen Umständen zu hoffen.

Nachdem nun geklärt ist, wo man sitzt, muß jetzt entschieden werden, wie man sitzt, und dazu ist es gut, wenn man die Aufteilung des Passagierraums in einem Flugzeug kennt.

Ganz vorne - fast direkt hinter den Piloten - sitzen die erstklassig Reisenden, die mit dem gerade beschriebenen Problemen in weitaus geringerem Maße konfrontiert werden. In der First Class (first heißt der/die/das Erste - und hängt wohl etymologisch irgendwie mit Fürst zusammen) gibt es nicht nur komfortable Einzelsitze, die man mit siebzehn bis zweiundzwanzig geübten Handgriffen in eine Position klappen kann, die der eines gemütlichen Feldbettes aus dem Ersten Weltkrieg durchaus ähnlich ist, sondern hier steht als zusätzliche Einschlafhilfe auch ein nahezu unbegrenzter Champagnervorrat zur Verfügung. Wenn man allerdings den Mehrpreis eines solchen Edeltickets kritisch gegen die erbrachte Leistung aufrechnet und dabei auch noch die persönliche Flüssigkeitsaufnahmekapazität ins Kalkül zieht, wird man alsbald feststellen, daß ein winziges Gläschen des besagten französischen Sprudelweines zirka 280 DM kostet, und somit die ganze Angelegenheit finanziell ziemlich fragwürdig wird. Erschwerend kommt noch hinzu, daß die zum Beluga-Kaviar gereichten, feingehackten Zwiebelchen während des weiteren Flugverlaufs höchst unangenehme Blähungen erzeugen. Zum Glück stehen die eben erwähnten Einzelsitze in diesem Teil des Flugzeugs auch noch ziemlich weit auseinander, denn schließlich reist man in der ersten Klasse.

Die meisten Fluglinien haben auf längeren Strecken ein Mittelding zwischen der teueren ersten und der billigen letzten Klasse eingerichtet: die sogenannte Business Class (business heißt Geschäft, Arbeit, Sache - daher, wie der Verf. eingangs schon andeutete, ist das alles so eine Sache). Diese Klasse ist also hauptsächlich für Dienst- und Geschäftsreisende gedacht. Jedenfalls für alle diejenigen Reisenden, die nicht bei einem weltbekannten und führenden Unternehmen der Computerindustrie zum Management-Team gehören. Und das sind beispielsweise niedrigrangige Landtagsabgeordnete aus Mecklenburg-Vorpommern oder der stellvertretende Werkstattleiter der Firma Hampelmann GmbH & Co. KG aus Neustadt am Rübenberge. Also prinzipiell alle diejenigen, die noch nicht gemerkt haben, daß in einer Zeit mit Millionen Arbeitslosen bedingungsloses Sparen angesagt ist. Allerdings wird in der Business Class kein Kaviar serviert, sondern in diesem - dem mittleren - Teil des Flugzeugs gibt's dasselbe Essen wie in der Billigklasse (bitte nicht weitersagen), aber dafür werden weiße Servietten über die Klapptischchen gebreitet und der Rotwein wird in richtigen Gläsern ausgeschenkt und nicht in Plastikbechern. Außerdem hat's in dieser Klasse durchschnittlich zwei oder drei Zentimeter (je nach Fluglinie) mehr Arm- und Beinfreiheit, welche mit etwa dem anderthalbfachen Preis des Standardtickets erkauft werden müssen (auf einen Acht-Stunden-Flug gerechnet, sind das etwa 400 Dollar pro Zentimeter).

Und damit kommt man auch schon in den hinteren Teil des Flugzeugs, also in den Bereich des gemeinen Volkes, zu dem auch der Verf. gehört. Hier ist die Economy Class. Economy heißt Wirtschaftlichkeit, und dieses Wort klingt in den Ohren von Top-Managern und Firmeninhabern genauso, wie in den Ohren des Verf., wenn Oscar Peterson in der Maynard Ferguson Bigband am Piano sitzt und Duke Ellington das Arrangement geschrieben hat. Sie wird oft auch Coach Class genannt ( coach, dtsch.: Kutsche - und genauso kommt man sich auch darin vor). Böse Zungen nennen sie Monkey Class (monkey, dtsch.: Affe - und genauso kommt man sich auch darin vor) oder aber Wood Class (wood, dtsch.: Holz - und genauso kommt man sich auch darin vor). Hier ist man also ein Affe, der in einer Kutsche auf der Holzbank sitzt, noch dazu in einer sehr, sehr engen.

Der Verf. flicht an dieser Stelle ein kleines, von ihm gerade erst beim Schreiben entdecktes Buchstabenspiel ein, denn er vermutet: coach ist die Zusammenziehung von cockroach (dtsch.: Kakerlake). Nur noch zwei Klassen sind schlechter als diese, weil es dort nämlich überhaupt keinen Service gibt: im Gepäckraum und auf der Tragfläche. Allerdings hat man in der hölzernen ökonomischen Kutschenklasse als Kakerlake den unbestreitbaren Vorteil, daß man von den Stewards und Stewardessen stets mitleidig belächelt wird. Außerdem sind die Tickets meist derartig billig, daß zur Abdeckung nur eines einzigen monatlichen Pilotengehaltes schätzungsweise 35 bis 40 Fluggäste gebraucht werden, und in einem modernen Großraumflugzeug hocken vorne mindestens zwei Piloten am Steuerknüppel.

Man merke sich: ein Gangplatz in der ersten Klasse ohne Zwiebeln zum Kaviar, das wäre das anzustrebende Ideal einer Geschäftsreise. Doch in Business oder Economy Class ist auf einen entspannten Flug oder gar ein erfrischendes Nickerchen unter keinen Umständen zu hoffen, aber eine ähnliche Formulierung hat der Verf. ja eben schon bei den Sitzplätzen verwendet.

Nachdem man nun sein Ticket in der Tasche hat, welches immer mindestens aus drei Teilen besteht (eins für den Hin-, eins für den Rückflug und eins zur Erinnerung an die Reise bzw. für die spätere Spesenabrechnung), ist die nächste Frage, was man in einem Flugzeug am besten anzieht. Ein alter Witz sagt, daß ein Trainingsanzug sehr angebracht ist, weil die Opfer eines Absturzes meist in Turnhallen aufgebahrt werden. Aber, wie gesagt, das ist natürlich ein Witz. Doch nichtsdestoweniger steckt ein Körnchen Wahrheit darin, denn erstens ist im Flugzeug nichts unbequemer als der dunkelblaue Dreiteiler mit Nadelstreifen, und zweitens sieht das gute Stück nach sieben Stunden Flugzeit noch verknitterter aus als sein Träger. Eine lässige Sportbekleidung hat noch weitere Vorteile: a) spannt sie beim längeren Sitzen nicht so um die Bauchpartie und b) gibt es nur sehr wenige Menschen, die sieben, acht oder mehr Stunden mit zwei Mahlzeiten und mehreren Getränken überstehen, ohne wenigstens einmal ihre Notdurft verrichten zu müssen. Und wer von den geschätzten Lesern auch nur ein einziges Mal auf einer Flugzeugtoilette (engl.: lavatory) war, weiß jetzt sofort, worauf der Verf. hinaus will. Selbst der kritische Vergleich mit einem Zugklo der Deutschen Bundesbahn fällt mit Abstand zugunsten des Letzteren aus, obwohl auch ein solches bekanntlich nicht zu den geräumigsten sanitären Einrichtungen dieser Welt gehört. Eine Flugzeugtoilette ist jedoch ebenso zweckmäßig wie winzig und ähnelt damit den entsprechenden Gegebenheiten in Wohnmobilen oder Segelbooten. Kein einziger Millimeter ist hier ungenutzt. Und in solch einem Räumchen soll man sich nun aus einer Nadelstreifenhose (womöglich mit Weste, Gürtel und Hosenträgern) schälen?

Die weitere mitzunehmende Bekleidung hängt natürlich von der Aufenthaltsdauer, dem Anlaß der Reise und verschiedenen anderen Umständen ab. Über das richtige Packen eines Reisekoffers könnte der Verf. locker einen eigenen Lerntext schreiben, denn ohne sich selber loben zu wollen hat er es darin im Laufe vieler Reisejahre zu einer Meisterschaft gebracht, die nicht nur ihresgleichen sucht, sondern die selbst seine Gattin immer wieder aufs Neue verblüfft. Mit wenigen Handgriffen verstaut er in einer mittelgroßen Reisetasche mehr, als normale Durchschnittsreisende in einem Überseekoffer unterbringen können. Zwar sehen die Sachen hinterher beim Auspacken im Hotel nicht mehr ganz so frisch gebügelt aus wie beim Einpacken, aber was soll's, das Ziel war ja die Menge und nicht die Unversehrtheit von Bügelfalten. Doch es steht dem Verf. nicht zu, die individuellen Packgewohnheiten oder -fähigkeiten seiner Leser in Frage zu stellen und daher beläßt er es bei dem kurzen Hinweis, daß - egal was und wieviel man in seinen Koffer stopft - immer irgend etwas Wichtiges vergessen wird. Immer.

Viel bedeutsamer als das Kofferpacken ist daher die sogenannte letzte Prüfung, bevor man ins Taxi zum Flughafen steigt. Auf einer Geschäftsreise braucht man zum Glück nur drei Dinge wirklich: Paß, Kreditkarte und Geschäftsunterlagen. Man tut gut daran, das Vorhandensein dieser drei Dinge hin und wieder (Vorschlag: alle fünf Minuten) zu überprüfen und darüber hinaus sicherzustellen, daß man sie unter keinen Umständen, nochmals: unter gar keinen Umständen aus der Hand gibt! Alles andere ist ersetzbar oder zumindest ohne einen allzu großen Verwaltungsaufwand ersetzbar, denn es ist zweifelsfrei leichter, eine Krawatte und zwei Unterhosen zu kaufen, als 50 Overhead-Folien neu zu bemalen oder einen mehrstündigen Vortrag aus dem Gedächtnis neu zu konzipieren. Bezahlen kann man die Unterhosen mit der Kreditkarte, genauso wie ein neues Flugticket - wie einige Zweifler unter den Lesern jetzt sicher gedanklich eingeworfen haben. Klar, es ist ärgerlich, wenn man am Schalter zum Einchecken bereitsteht und feststellen muß, daß das Ticket noch friedlich zuhause auf dem Küchentisch liegt, aber, wie gesagt, solange man seine Kreditkarte hat...

Und ohne Paß ist man sowieso überhaupt eine Unperson, besonders im Ausland. Hierin befindet sich u. U. nämlich auch das Visum, ohne welches man einige spezielle Ausländer in einigen Fällen gar nicht erst betreten darf. Wem jemals fern der Heimat ein wichtiges Dokument abhanden gekommen sein sollte, weiß, wovon der Verf. schreibt. Und weil er selber das in diesem Abschnitt dargestellte immer sehr, sehr, sehr ernst nimmt, kann er auch keine Auskunft darüber geben, wie es einem paßlosen Bürger bei einen Wiedereinreiseversuch in sein eigenes Vaterland ergeht.

Der Flughafen

Es gibt wirklich nette, überschaubare Flughäfen auf dieser Welt. Die, die der Verf. damit meint, bestehen aus einer Holzbaracke, einer Werkzeugkiste, einem Ölkännchen, zwei Benzinkanistern und einer Wiese zum Starten und Landen der Flugzeuge. Damit sind sie völlig ausreichend beschrieben. Diejenigen, von denen in diesem Anschnitt die Rede sein wird, heißen Airports oder oft sogar International Airports. Ein solcher Name verpflichtet. Vor allem die Architekten und Verkehrsplaner. Sie setzen im ersten Schritt alles daran, ihr Prestigeobjekt an irgendwas anzubinden, also beispielsweise an Bahnhöfe, Autobahnen oder Fahrradwege. Das ist ja soweit noch ganz in Ordnung, auch wenn damit mehrere Hektar Wald abgeholzt werden müssen. Doch was sind schon ein paar nationale Bäume, wenn man in globalen Kategorien zu denken gewohnt ist. Der zweite Planungsschritt dieser Kommission besteht dann darin, daß ein Meeting einberufen wird, zu dem alle Beteiligten unter strenger Geheimhaltung eingeladen werden. Dieses findet unter Ausschluß der Öffentlichkeit bei Nacht und Nebel an einem unbekannten Ort statt, denn das Planungsziel ist es, die den Reisenden zugänglichen Teile eines Flughafens so unübersichtlich und verwirrend wie möglich anzuordnen und zwischen den wichtigsten Funktionen möglichst lange Verbindungswege zu schaffen. Und selbst wenn ein wahres Wort besagt, daß 'Planung die Ersetzung des Zufalls durch den Irrtum ist', so stimmt diese Aussage im Falle von Flughafenplanungen auf keinen Fall. Hier wird das Meetingsziel grundsätzlich erreicht. Das Ergebnis kann sich dann auch immer sehen lassen: Terminal A, Terminal B, International Arrivals, Domestic Arrivals, Domestic Departures, International Departures, Air Cargo, Lower Level, Parking Lot, Short Term Parking, Upper Level, Rental Car Return, noch mal irgendein Arrival plus noch mal zwei Departures und was weiß der Himmel noch alles. So steht es jedenfalls auf den Schildern, die einem auf dem Zufahrtsweg begegnen. Alles klar? Man begehe niemals, der Verf. wiederholt: niemals den Fehler, mit dem eigenen Auto zu einem Flughafen zu fahren! Die Sucherei nach dem richtigen Terminal überlasse man am besten dem Taxifahrer, dem zwar die Blödheit aus den Augen guckt, der sich aber nichtsdestoweniger in all dem Wirrwarr bestens auszukennen scheint und einen demzufolge genau an der Stelle absetzt, die sich als die verkehrteste von allen herausstellt.

Das Innere von Flughafengebäuden hat zwangsläufig etwas unangenehm Internationales an sich. Das liegt daran, daß alle Hinweisschilder neben der jeweiligen Landessprache auch noch in Englisch sind. Außer in einigen wirklich entlegenen Winkeln unserer Erde, also da wo's tatsächlich wichtig wäre, dort findet man ausschließlich arabische, kyrillische oder chinesische Schriftzeichen, ergänzt durch frei erfundene und daher unverständliche Symbole. Wie dem auch sei und wo man auch sei, es zeigt sich, daß der Schalter zum Einchecken der erwählten Fluglinie immer ganz weit weg von dem Eingang liegt, durch den man das Abfertigungsgebäude (International oder Domestic Departures, je nachdem) betreten hat. Somit muß man sich samt seinem sperrigen Gepäck schweißgebadet durch die Menschenmassen quetschen, die unnötigerweise die ganze riesige Halle traubenweise mit sich selber sowie zahlreichen Koffern, Taschen und Gepäcktransportwägelchen verstopfen. Der Verf. fragt sich immer, was die alle eigentlich hier machen, statt sich sofort zu ihrem Flugzeug zu begeben?!?

Man tut gut daran, nach demjenigen Abfertigungsschalter Ausschau zu halten, vor dem die längste Schlange steht. Das ist der richtige. Nachdem man sich geduldig bis zu der netten blonden Dame hinter der Theke herangewartet hat, geht nicht nur der Buchungscomputer kaputt, sondern wegen des nun fälligen Schichtwechsels wird die hübsche Blondine durch einen bärbeißigen, glatzköpfigen Kollegen ersetzt, der schon allein deswegen herablassend die linke Augenbraue hebt, weil man plötzlich sein Flugticket und seinen Paß nicht mehr greifbar hat, welche man zwar in seinem Aktenkoffer wähnte (bei der letzten Überprüfung im Taxi waren beide noch dort), sich aber nun wunderbarerweise in der letzten Innentasche seines Mantels befinden, in der man nachwühlt und wo man sie keineswegs vermutet hat (Tip: am besten sofort in dieser Tasche nachsehen).

Spätestens wenn man seinen Koffer auf die Waage wuchtet, hebt der Glatzkopf hinter der Theke auch noch seine rechte Augenbraue. Diesmal zu Recht, denn nun weiß man auch, warum man auf dem Weg hierher so furchtbar ins Schwitzen geraten ist. Oh, hätte der Verf. doch lieber seine Frau packen lassen! 29,8 Kilo zeigt die Waage an. An sich noch kein Problem, denn auf den meisten Langstrecken darf man 30 Kilogramm (einschließlich Koffer) auf die Waage stellen. Dreißig Kilo klingt zwar nicht nach viel, sind aber doch eine ganze Menge, wenn man sie tragen muß. Dreißig Kilo sind sechs Partyfäßchen Bier oder fünfzehn Bände des Großen Brockhaus oder aber zwei Kubikmeter Gänsedaunen für zweiunddreißig Kopfkissenfüllungen. Und wer das alles kilometerweit schleppen mußte, weiß, was er getan hat. Spätestens jetzt wird man auch darauf aufmerksam gemacht, daß ein, und wirklich nur ein einziges Stück Handgepäck erlaubt ist. Schade aber auch, jetzt muß man die kleine Reisetasche, in die man extra noch ein Buch und eine Illustrierte für unterwegs, seine Flugzeugsocken, seine Lieblingssüßigkeit zum Naschen und seinen Walkman mit der speziell aufgenommenen Kassette gestopft hat, ebenfalls aufgeben, denn von seiner Aktentasche mit den Geschäftsunterlagen darf man sich ja aus den eben genannten Gründen auf keinen Fall trennen. Später wird sich allerdings herausstellen, daß man der einzige Fluggast mit nur einem Handgepäckstück ist. Alle anderen Mitreisenden sind bis an die Zähne mit Beuteln, Handtaschen, Tüten und Rollköfferchen, sowie Kisten, Kästen und Kartons gespickt. Der Verf. weiß auch nicht, wie es diesen Passagieren gelungen ist, all das vor den gestrengen Augen des Glatzköpfigen zu verbergen.

Doch endlich bekommt man als Lohn für seine vielen Mühen nicht nur seinen Paß und seine drei Tickets zurück, sondern - in strenger Befolgung des Gesetzes der wunderbaren Papiervermehrung in der Welt - auch noch eine sogenannte Bordkarte (engl.: Boarding Pass), von dem einem allerdings später, kurz vor dem Betreten des Flugzeugs, drei Viertel wieder abgenommen werden, und man erhält noch einen kleinen, unbedeutend aussehenden Aufkleber mit einem Balkencode. Dieser ist im Gegensatz zu seiner Kleinheit sehr wichtig, denn den braucht man nachher bei der Ankunft, um dem Flughafenmitarbeiter am Lost Luggage Schalter zu beweisen, daß man auch wirklich einen Koffer dabei hatte.

Nach dem langwierigen Einchecken stellt man fest, daß man jetzt leider keine Zeit mehr hat, noch in den Duty Free Shop zu gehen, sondern sich - zu allem Überfluß - sogar noch ziemlich beeilen muß, weil das Abflug-Gate sich am anderen Ende des Flughafengebäudes befindet. Vorbei an vielen rasselnden und blinkenden Anzeigetafeln, Abfertigungsschaltern, Friseuren, Edelboutiquen, Apotheken, Wechselstuben, Poststationen, Schnellimbissen, Restaurants, Schaukästen und besonders zahlreichen Zeitungsständen muß man sich jetzt durch das schon erwähnte Labyrinth aus endlosen Gängen und riesigen Hallen quälen, über diverse rollende Treppen und laufende Bänder und mancherlei andere Hindernisse hinweg. Unterwegs wird man von ebenso vielsprachigen wie schwerverständlichen Lautsprecherdurchsagen einer durchaus sympathischen weiblichen Stimme verwirrt, aus denen man gelegentlich seinen (allerdings falsch ausgesprochenen) Namen zu erkennen glaubt und daß man sich schnellstmöglich am Gate Soundso einzufinden hat, widrigenfalls mit dem sofortigen Entzug der Mitflugerlaubnis gedroht wird oder Schlimmeres. Außerdem muß man noch durch eine oder mehrere Sicherheits- und Paßkontrollen hindurch, wegen der vielen reisenden republikflüchtigen Steuerhinterzieher, Terroristen und Flugzeugentführer.

Bei der Paßkontrolle muß man nicht nur denselben, sondern auch seine Bordkarte vorzeigen, die man dummerweise sofort und in Befolgung der gerade erteilten dringenden Ratschläge des Verf. an einem sicheren Platz verstaut hat, in ... äh, in ... nein, diesmal ausnahmsweise nicht in der Manteltasche ... äh, vielleicht hier? Auch nicht. Ach ja, im Innenfach des Aktenkoffers, den man allerdings nur öffnen kann, wenn man, in Ermangelung einer entsprechenden festgrundigen Ablage, das linke Bein hochzieht, den Aktenkoffer auf den angewinkelten Oberschenkel plaziert, vorsichtig auf dem rechten Bein balancierend die beiden Schlösser öffnet, währenddessen das Gleichgewicht verliert, den Koffer samt Geschäftsunterlagen, Ticket, Paß, Bordkarte und Sonstigem fallenläßt und sich haltsuchend an den hinter einem stehenden und süffisant grinsenden Mitpassagier festklammert, der seine eigene Bordkarte nebst Paß aufreizend demonstrativ in der Hand hält.

Nun gut, diese kleine Peinlichkeit ist schnell überstanden und man nähert sich nun unaufhaltsam der Sicherheitskontrolle (engl.: Security Check). Wichtig aussehende (und sich auch dafür haltende) Frauen und Männer in bedeutsamen Uniformen stehen neben einem sperrigen, kastenartigen Gerät, das vorne aussieht wie das Warenförderband einer Supermarktkasse. Dieses Förderband befördert alles auf ihm liegende und daher auch die Akten- und Handtaschen der Passagiere und -rinnen in eine müllschluckerähnliche Öffnung, bei der einige Gummilamellen verhindern, daß man hineinschauen kann. Ehrlich gesagt, der Verf. weiß auch gar nicht, warum man da so unbedingt hineinschauen will, denn drinnen befindet sich, so vermutet man wenigstens, ein Röntgen- oder Adlerauge, welches auf einem dahinter befindlichen Bildschirm alles genau anzeigt, womit man Piloten umbringen oder Geiseln nehmen könnte. Streng verdächtig sind beispielsweise Handfeuerwaffen (dabei spielt es keine Rolle, ob sie sich im geladenen oder ungeladenen Zustand befinden). Zweitens, Dynamitstangen, aus deren Anzahl hervorgeht, daß sie den persönlichen Reisebedarf überschreiten, und drittens natürlich die immer wieder beliebten Zeitbomben. Desweiteren auch Nagelscheren, Pfeifenstopfer, Toupierkämme, Tabaksdosen und andere Kleinigkeiten. Wird dergl. vom Adlerauge entdeckt, muß man sofort die Tasche öffnen, zu den letztgenannten Gegenständen eine Erklärung und die erstgenannten ganz abgeben (ob man sie nach dem Flug wieder zurückbekommt, vermag der Verf. jedoch nicht zu sagen).

Als nächstes durchschreitet man einen Türrahmen ohne Tür. Kaum ist man hindurchgetreten, beginnt dieser so harmlos aussehende Rahmen hinter einem zu piepsen, zu pfeifen und zu blinken, daß die überall unauffällig herumstehenden Sicherheitskräfte, Grenzschutzbeamten, Polizisten und andere Special Forces nicht nur aus ihrer Lethargie erwachen, sondern sogleich ihre Maschinenpistolen durchladen und aufreizend mit den Handschellen schellen. Warum geschieht solches? Ganz einfach, dieser Türrahmen ist gar kein richtiger, sondern ein sogenannter Metalldetektor, und der hat natürlich sofort detektiert, daß man noch 1,25 DM in kleinen Münzen in der Hosentasche mit sich rumschleppt und außerdem auch noch einen Gürtel mit Messingschnalle trägt. Und weil man sich solcherart verdächtig gemacht hat, wird man nun höflich und bestimmt von einem der Sicherheitsmenschen mit einem fiepsenden Apparat an allen möglichen und unmöglichen Stellen untersucht. Ja, auch da. Erst danach ist man ein sogenannter Transit Passagier im Niemandsland, nicht mehr hier und noch nicht dort.

Der Flugsteig B hat 45 Gates (gate, dtsch.: Tor, wie ein solcher fühlt man sich auch mittlerweile). Gleich vorne ist B1, doch man muß natürlich zum Ausgang B44 (B45 wird gerade frisch gestrichen, aber auf den einen wär's jetzt auch nicht mehr angekommen). Der Abstand zwischen den einzelnen Ausgängen beträgt etwa 100 Meter, bis B44 also nach Adam Riese knapp viereinhalb Kilometer..... nein, nein, nein, hier übertreibt der Verf. natürlich maßlos! Die Gates liegen ja zu beiden Seiten des Ganges und deshalb sind es insgesamt nur etwas mehr als zwei Kilometer bis zum Ziel. Da diese Strecke jedoch diesmal ohne Koffer zurückgelegt wird, kommt man in der Regel recht zügig voran.

Am Gate hat sich bereits eine erkleckliche Menge Fluggäste eingefunden und weil man wegen einer kleinen, halbstündigen Verspätung des Fluges nun überraschenderweise doch noch ein paar Minuten Zeit hat, kann man sich wenigstens die mitreisenden Typen anschauen. Die Zusammensetzung der Reisenden steht nämlich in einem unmittelbaren Zusammenhang mit der Länge des Fluges: je länger, desto gemischter. Von Frankfurt nach München sind's zum Beispiel ausschließlich Männer im geschäftsmäßigen Einheits-Look. Von Frankfurt nach Kopenhagen hat's zusätzlich noch fünf Frauen sowie drei bis vier jugendliche Punker, und von Frankfurt nach New York erhöht sich der Frauenanteil sogar auf sechsundzwanzig, dazu auch noch sieben Kleinkinder, zwei Säuglinge, eine vermischte Reisegruppe auf Städtetour, zwölf ältere Ehepaare, ein Rollstuhlfahrer und ein orthodoxer Rabbiner, ganz in schwarz, mit Hut, Kniebundhose und zwei lustigen Rasta-Zöpfchen.

Man schaut sich um: da gibt es die anderen Geschäftsreisenden, die, nach Schuhcreme und Rasierwasser duftend, unter ihren Geschäftspapieren schamhaft ihre Bildzeitung oder das Äquivalent des jeweiligen Abfluglandes verstecken. Diejenigen mit Hauptschulabschluß verstecken den Playboy (der ist international) und ehemalige Abiturienten sogar den Spiegel bzw. das Time Magazine. Einer, vermutlich ein hochgebildeter Universitätsprofessor, macht es genau umgekehrt: er verbirgt seine wissenschaftliche Abhandlung hinter einem Micky Maus Heft und erwirbt sich damit die Hochachtung des Verf.. Allesamt tun sie jedoch furchtbar wichtig und geben sich jede Mühe, dabei auch noch blasiert dreinzuschauen. Und weil dieser ein Langstreckenflug ist, sind, wie gesagt, auch Frauen dabei. "Nein, neben der Häßlichen da rechts würde ich nicht sitzen wollen, dann schon lieber neben der netten kleinen Brünetten da hinten," sinniert man still vor sich hin. Doch das bleibt ein Wunschtraum. Um es vorwegzunehmen: getreu den Murphy'schen Gesetzen sitzt man nachher entweder neben dieser fetten Matrone da vorne oder neben dem nach Patschuli-Öl riechenden Alt-Hippi, der dort links neben seinem abgeschabten Rucksack kauert (während des Fluges entdeckt man dann, daß die nette Brünette neben dem Rabbi sitzt).

Die zahlreichen Kleinchen sind erstaunlich ruhig heute und rennen ziemlich friedlich durch die Reihen der Wartenden. Daß das eine oder andere Kleinchen dabei gelegentlich über ein Handgepäck stolpert und daraufhin ein frenetisches Gebrüll anstimmt - Gott ja, es sind schließlich Kinder und man muß Verständnis haben. Oder besser gesagt: erstmal aufbringen. Noch genauer: sich bemühen, welches aufzubringen. Verdammt noch mal, die dämlichen Erzeuger sollen doch gefälligst ein bißchen besser aufpassen! Oder lieber gleich mit ihren mißratenen Gören zu Hause bleiben! Die Eltern des Verf. haben ihn mit sieben Jahren auch noch nicht in der Welt rumgeschleppt! Na, das kann ja ein heiterer Flug werden. Ein Sechsjähriger verschüttet zudem gerade den Inhalt seiner Popcorn-Tüte auf den Fußboden und ein etwa vierjähriges Mädchen popelt gedankenverloren in der Nase, zum Glück in der eigenen. Doch diese beiden Tätigkeiten finden wenigstens leise statt.

A propos leise, links hinter einem murmelt was. Wie sich die Zeiten ändern. Der Verf. erinnert sich: wenn früher einer in aller Öffentlichkeit vor sich hinsprach, war das immer Mattes, der offizielle Dorftrottel. Heutzutage ist es ein wichtiger Jungdynamiker mit seinem Handy, der schnell noch irgend jemand Wichtigem irgendetwas Wichtiges mitzuteilen hat. Vielleicht tut er aber auch nur so, wer kann das schon kontrollieren?

Das derzeitige Nonplusultra unter den geschäftlichen Statussymbolen ist jedoch ein Laptop Computer und demzufolge haben immer ein paar der bereits erwähnten Jungdynamiker solch ein Ding auf den Knien, um die Handy-Besitzer neidisch zu machen. Tolle, bunte Balkendiagramme oder lange, wegen der winzigkleinen Schrift jedoch unlesbare Texte schinden schweren Eindruck auf die umsitzenden Normalreisenden.

Doch jetzt geht es wohl tatsächlich los, denn von irgendwoher erklärt eine Stimme, daß der Flug Soundsoviel nunmehr zum Einsteigen bereit ist, und die Passagiere der Ersten Klasse sich bitte zum Ausgang B44 begeben sollen. Sofort stürzt alles los, denn auf manchen kürzeren Flügen genießt man den zweifelhaften Vorteil der sogenannten freien Platzwahl, mit anderen Worten: wer zuerst kommt, bekommt den Platz, den er sich wünscht. In solch einem Fall erkennt man den Neuling und den alten Jetsetter. Diejenigen, die wie von der Tarantel gestochen auf den Ausgang zurennen, sind die Neuen. Sie fürchten, daß sie eventuell den ganzen zweistündigen Flug lang im Gang stehen müssen. Die sich selbst für alte Hasen Haltenden bleiben dagegen cool im Warteraum sitzen, blättern gelangweilt weiter in ihren Unterlagen resp. in ihren Zeitungen und erheben sich erst gemächlich, wenn die Masse der "dummen" Reise-Greenhorns inzwischen alle guten Gang- und Fensterplätze belegt und alle verfügbaren Gepäckfächer mit ihren Reisetaschen, Köfferchen und Duty-Free-Tüten vollgestopft hat. Anschließend klemmt sich der "erfahrene" Reisende auf einen unangenehm engen Mittelplatz,  nachdem er seinen Aktenkoffer mühsam im allerhintersten Gepäckfach der Maschine verstauen mußte. Der Verf. geht daher immer schon mit den Neuen und nimmt gerne in Kauf, daß er a) von den anderen für ein Greenhorn gehalten wird und b) gleich für den Passagier auf dem Platz neben ihm noch mal aufstehen muß.

Bei Langstreckenflügen ist das jedoch anders, denn hier hat jeder einen festen, numerierten Sitzplatz, was jedoch andererseits bei den meisten Fluggästen nicht die Angst verscheucht, eventuell doch den ganzen Flug lang stehen zu müssen. Und so stürzt auch in diesem Fall alles auf den armen Kartenabreißer zu, der nunmehr drei Viertel jeder schönen Bordkarte wieder einsammelt. Jetzt endlich darf man durch einen schlauchartigen Gang, bzw. gangartigen Schlauch die Flugmaschine betreten. Bei schlechtem Wetter allerdings geht man erst noch ein Stückchen durch den Regen zu einem Bus, welcher einen in die Nähe des Flugzeugs fährt. Dort geht man wieder ein Stückchen durch den Regen, bis man eine Treppe erreicht. Diese steigt man durch den Regen hinauf und erst dann ist man drin.

Der Flug

Neunzig Prozent aller Passagiere gehören garantiert nicht dem Jetset an, das heißt, der jeweilige Flug ist der erste (und hoffentlich auch der letzte, Anm. d. Verf.) ihres Lebens. Deshalb hat man als geübter Vielflieger natürlich Verständnis, daß sie sich nach dem Betreten des Flugzeugs genauso ungeschickt anstellen, wie ein Neandertaler im Omnibus, welches sich darin äußert, daß sie ihren Platz nicht finden können, sich daher auf dem falschen (meist auf dem des Verf.) niederlassen und sich sofort häuslich einrichten, indem sie ihr Handgepäck mühsam im Fach über ihrem Sitz verstauen, ihr Brillenetui samt Brille in die Sitztasche einklemmen, ihre Zeitung auf den Nachbarsitzen ausbreiten, und mit ihrem Hintern den Kopfhörer ruinieren, der auf dem Sitz bereitlag, den sie aber vor lauter Reisefieber nicht bemerkt haben. Danach schnallen sie sich mit der rechten Gurthälfte vom linken und mit der linken Gurthälfte vom rechten Sitz an und wundern sich, daß das ganze Gebändel so schlecht paßt. Inzwischen versucht der Verf. höflich aber bestimmt darauf aufmerksam zu machen, daß dieser Sitz für ihn reserviert und er nicht gewillt ist, darauf zu verzichten. Da sie jedoch weder deutsch, noch englisch, noch irgendeine andere zivilisierte Sprache verstehen (Paläontologen nehmen aufgrund von Schädelfunden an, daß Neandertaler sich möglicherweise ausschließlich telepathisch verständigt haben, Anm. d. Verf.), dauert es eine kleine Weile, bis sie begriffen haben und sich unter Zurücklassung des unbrauchbaren Kopfhörers und des Brillenetuis, aber mitsamt Zeitung und Handgepäck durch den inzwischen mit Menschen, Rollköfferchen, unförmigen Paketen, Plastiktüten, Jacken, nachsichtig schmunzelnden aber untätigen Stewardessen, Mänteln, Kindern und ähnlich sperrigen Dingen verstopften Gang zu ihrem eigenen, rechtmäßigen Sitzplatz quälen müssen. Ganz nach hinten, auf die andere Seite des Flugzeugs. Recht geschieht ihnen!

Der eigentliche Flug beginnt nicht erst beim Start der Maschine, sondern mit den Worten: "Attention cabin crew, all doors in flight condition," was soviel heißt, daß die Außentüren der Maschine während des Fluges möglichst geschlossen bleiben sollten. Die Rückenlehnen aller Sitze müssen in eine senkrechte Position gebracht und alle Tischchen hochgeklappt werden, damit im Falle einer überraschenden Totalexplosion des Flugzeugs nicht noch zusätzliche Verletzungen in Form blauer Flecken oder kleinerer Schrammen bei den Passagieren auftreten. Der Flugapparat rollt nun derartig lange bis an den Anfang der Startbahn, daß unerfahrene Reisende zwangsläufig glauben müssen, die gesamte Strecke bis zum Zielflughafen werde rollenderweise am Boden zurückgelegt. Aus unerfindlichen Gründen führt dieser Rollvorgang jedoch nicht über einen glatt asphaltierten Weg, sondern immer über einen frischgepflügten Acker, so daß man, völlig durchgerüttelt, den Augenblick geradezu herbeisehnt, in dem sich das Flugzeug adlergleich und majestätisch in die Lüfte hebt. Meistens ist es dann auch so, nachdem sich der Pilot noch einmal persönlich dafür entschuldigt hat, daß noch siebzehn Maschinen vorher dran sind und sich deswegen der eigentliche Startvorgang leider um 45 Minuten verzögert. Doch auch diese Dreiviertelstunde geht irgendwann einmal zu Ende und nach einer letzten Kurve reißt die Schubkraft der Turbinen nun Flugzeug samt Passagiere und allem Drum und Dran mit einer gewaltigen Beschleunigung nach vorne, die ganz genau dem Einskommasoundsovielten der normalen Erdanziehungskraft entspricht, wie jeder Diplomphysiker mal gelernt haben sollte. Und obschon ein Flugzeug gewöhnlich schwerer ist als Luft, fliegt man kurz danach tatsächlich.

Nun hat man mehrere Stunden Zeit, sich zu entspannen oder zu relaxen (wie der Jetsetter sagt) und abzuschalten vom Streß des Flughafens. So denkt man. Doch weit gefehlt, der überaus aufmerksame Service der Fluggesellschaft sorgt schon dafür, daß der arme Reisende auf keinen Fall zur Ruhe kommt. Zuerst muß jetzt nämlich jeder die Sicherheitsvorschriften auswendig lernen. Diese befinden sich wegen der reisenden Analphabeten auf einem buntbebilderten Blatt ohne Worte in der Sitztasche direkt vor einem, zusammen mit der Kotztüte und dem Magazin der jeweiligen Fluggesellschaft. Die erwähnte Tüte ist übrigens für Passagiere, die ganz allgemein zur Reiseübelkeit neigen, und hat somit nur indirekt etwas mit der Qualität des Bordessens zu tun.

Im Widerspruch zu allen anderen Flugsicherheitsexperten dieser Welt meint der Verf. jedoch:im Falle eines richtig ernstgemeinten Absturzes braucht man keine Ruhe mehr zu bewahren, sondern kann beruhigt in Panik ausbrechen. Die Anordnungen des Kabinenpersonals kann man ebenfalls getrost ignorieren, und angeschnallt sitzen zu bleiben, bringt in so einem (gottseidank recht seltenen) Fall auch nicht mehr viel. Obwohl, andererseits, wo sollte man während des freien Falls schon groß hingehen wollen? Denn die sechs bis acht Notausgänge dürfen während des eigentlichen Absturzvorgangs noch nicht benutzt werden, erst später, aber man kann sich trotzdem merken, daß sie sich meist im vorderen und im hinteren Teil des Flugzeugs und ein paar natürlich über den Tragflächen befinden, doch das ist ja alles so selbstverständlich, daß der Verf. sich fast schämt, es hinzuschreiben. Diese Information wird entweder durch einen Videofilm oder durch entsprechend rudernde Armbewegungen der Stewardessen begleitet. Außerdem lernt man noch, daß sich unter seinem Sitz eine Schwimmweste befindet, und hier stellt sich der Verf. jedesmal die seiner Meinung nach sehr berechtigte Frage, warum da nicht sinnvollerweise Fallschirme sind, denn schließlich befindet man sich doch in einem Flugzeug und nicht auf einem Schiff.

Danach werden Drinks serviert. Im allgemeinen sind die Fluggesellschaften sehr großzügig mit ihren Getränken und den dazu gereichten Erdnußtütchen. Es passiert nur extrem selten, daß die Bitte um ein weiteres Minifläschchen Whisky oder Cognac nicht erfüllt wird. Daß dabei grundsätzlich das allerletzte Fläschchen der Lieblingsmarke von dem blöden Passagier in der Reihe vor einem weggetrunken wird, stört meist weniger als die Tatsache, daß man den Cognac wegen der vielen reisenden Amerikaner im Regelfall on the rocks serviert bekommt, falls man zufällig vergißt, der Stewardeß rechtzeitig den kleinen Tip zu geben, daß man nicht nur seinen Cognac, sondern auch seinen Rotwein normalerweise am liebsten ganz ohne Eis trinkt.

Es ist schon fast ein Naturgesetz, daß sich das Flugzeug nach zirka einer weiteren Stunde einer schlimmen Schlechtwetterfront nähert, welche sich in Form von mindestens fünfzig Meter tiefen Luftlöchern und heftigen Turbulenzen bemerkbar macht, und den Piloten veranlaßt, mit einem dezenten -ping- die Fasten Seatbelts Zeichen einzuschalten. Das unangenehme Rütteln und Schlingern des Flugzeugs ist gleichzeitig das Signal für die Flugbegleiter, nun mit dem Servieren des Essens zu beginnen.

Die Speisen sind gewöhnlich auf einem Tablett angerichtet, das etwa die Größe eines DIN A4 Bogens hat, und sie bestehen aus immer derselben Zusammensetzung: in dem glühendheißen Aluminiumnapf, dessen ebenfalls glühendheißer Aluminiumdeckel nur äußerst schwer und nur unter Zurücklassung verbrannter Fingerkuppen und diverser Fettflecken auf der Hose zu öffnen ist, befindet sich entweder eine Art Rindfleisch in zäher, brauner Tunke mit grünen Bohnen und Kartoffelstückchen oder aber ein Bröckchen totes Huhn auf Spirelli-Nudeln mit Tomatensoße. Beides ist nur relativ schwierig zu verzehren, weil a) die Armfreiheit - wie schon gesagt - ziemlich begrenzt ist und b) das Flugzeug immer wieder in die vorher auch schon irgendwo mal erwähnten Luftlöcher sackt, wodurch aufgrund irgendwelcher physikalischer Gesetze plötzlich das Tablett samt dem darauf Befindlichen ein Sekundenbruchteil lang in Augenhöhe schwebt, um dann nach dem Abfangen der Maschine scheppernd wieder auf der eh schon wackeligen Ablage vor einem zu landen. Daß dabei gelegentlich ein Spritzer der braunen Tunke oder der Tomatensoße auf der Seidenkrawatte landet, ist ganz natürlich und hängt darüber hinaus direkt mit der Tatsache zusammen, daß einem die Serviette auf den Boden gefallen ist und man sie wegen der beengten Platzverhältnisse nicht aufheben kann. Außerdem hatte der Verf. doch eben - zugegeben, indirekt allerdings nur - von Seidenkrawatten und -blusen abgeraten.

Es wird von Flugpassagieren mit ansonsten durchaus gutem Benehmen berichtet, die ihre komplette Mahlzeit mit den Fingern gegessen haben, bloß weil sie das Tütchen mit dem Besteck nicht aufkriegen konnten. Der Verf. kann auch nicht erklären, warum Messer, Gabel, Löffel und Zahnstocher in derartig unzerstörbarem Plastik eingeschweißt sein müssen. Da ist es gut, daß man seine Nagelschere dabei hat, wie vielleicht noch erinnerlich ist. Schade nur, daß diese in der Tasche im Gepäckfach hoch über einem ruht und man wegen des heruntergeklappten Tischchens vor einem nunmehr auch noch seiner allerletzten Bewegungsfreiheit beraubt ist. So ist man halt auf seine Zähne oder seine Fingernägel angewiesen. Leider, wie gesagt, sind beide u. U. nicht stark genug, um der zähen Plastikhaut wirkungsvoll Paroli bieten zu können.

Das kleine Schälchen mit dem durchsichtigen Deckel enthält den Salat und ein Näpfchen daneben, das wie ein Mini-Joghurtbecher aussieht, das dazugehörige Dressing. Zum Öffnen reißt man an der dafür vorgesehenen Lasche und -patsch- hat man schon wieder einen Fleck (ThousandIslandDressing) auf der Hose, weil man nicht daran gedacht hat, daß das Näpfchen in der Fabrik bei normalem Luftdruck versiegelt wurde, sich nun aber in zehntausend Meter Höhe bei weitaus geringerem Kabinenluftdruck befindet. Genau dasselbe gilt übrigens auch für das Döschen Kaffeesahne. Soviel zu den Problemen der angewandten Physik.

Zum Nachtisch gibt es einen klebrigen Kuchen, der aus mehreren Schichten synthetischer Marmelade und noch synthetischerer Buttercreme besteht. Das fände der Verf. ja weiter nicht schlimm, zumal das Stückchen wirklich appetitlich aussieht, wenn nicht auch der Geschmack ein synthetischer wäre. Und weil die meisten Fluggesellschaften offenbar glauben, unbedingt mit einem Gourmet-Restaurant konkurrieren zu müssen, gibt es als Krönung auch noch ein labberiges Kleinbrötchen plus ein Stückchen Käse, der zwar als einziges meist recht ordentlich schmeckt, von dessen Menge allein aber nicht mal eine Zwergspitzmaus (lat.: Sorex minutus) satt werden kann, deren Körpergewicht bekanntlich nur 3 bis 4 Gramm beträgt.

So, die Hauptmahlzeit ist glücklich überstanden und bis zum sogenannten Snack, der ungefähr anderthalb bis eine Stunde vor der Landung serviert werden wird, braucht man nun nichts mehr zu essen. Dieser Snack wird je nach Zeit des Fluges aus einem leichten Frühstück oder aber aus einem kleinen Abendessen bestehen. Da man jedoch auf einem Langstreckenflug von Ost nach West oder von West nach Ost immer mehrere Zeitzonen durchquert, spielt diese Bezeichnung für den einzelnen Fluggast überhaupt keine Rolle und er ißt brav sein Frühstück, während sein Körper ihm signalisiert, daß es jetzt gerade Abendbrotzeit ist oder umgekehrt. Ganz anders ist es mit diesem Snack allerdings auf Flügen von Nord nach Süd, aber diese geographischen Details zu erläutern, würde hier nun wirklich zu weit führen.

Während jetzt die Flugbegleiter die Tabletts abräumen und man den letzten Rest Rotwein schlürft, der nun erst die richtige Trinktemperatur hat, kann man sich nun in Ruhe ein Zigarettchen oder Pfeifchen anzün... halt, lieber nicht! Es gibt zwar Fluggesellschaften, bei denen man noch rauchen darf, aber da sollte man sich sicherheitshalber vor dem Kauf des Tickets rückversichern. Gerüchteweise sehr bekannt für die Raucherfreundlichkeit soll beispielsweise die Verbindung der innerafrikanischen Gesellschaft Hot Air zwischen Bunyambili und Cyangugu sein. Und ähnliches sagt man auch von der Aeroflot auf der Langstrecke von Nizhnewartowsk nach Ulan-Ude. Die meisten anderen Strecken in der sog. zivilisierten westlichen Welt sind inzwischen absolut rauchfrei. Und die dämlichen Fluggesellschaften sind auch noch stolz darauf.

Um einerseits ihre Passagiere bei Laune zu halten und andererseits von der ödeligen Langeweile und dem Überfluß an Nikotinmangel des mehrstündigen Fluges abzulenken, zeigen die Fluggesellschaften gerne einen Film. Dieser beginnt immer kurz nach dem Essen, daher rennen ständig irgendwelche Idioten zum Klo und verdecken die Sicht auf die eh viel zu kleine Projektionswand. Außerdem, egal wo man sitzt, ohne sich den Hals zu verrenken, kann man den Film sowieso nicht anschauen, dem Verf. ist es schleierhaft, wie die Flugzeugkonstrukteure es immer wieder schaffen, die Sitze bzw. die Projektionswände derartig geschickt zu installieren, daß man nur von etwa zwei Prozent der Plätze einigermaßen was sehen kann. Doch zum Trost sei gesagt, daß sich das Ansehen der Streifen sowieso nicht lohnt, selbst wenn man einen dieser wenigen hervorragenden Plätze hat, weil sie, wegen der gegebenenfalls mitreisenden Minderjährigen oder -heitsangehörigen unbedingt "familienfreundlich" sein müssen und daher fallen alle wirklich guten Szenen nicht nur einer gnadenlosen Zensur zum Opfer, sondern es spielt immer mindestens ein altkluges Kind oder ein überkluges Tier mit (beides kann der Verf. auf den Tod nicht ausstehen).

Irgendwann sind jedoch einmal alle Strapazen vorüber, sogar die vorstehend beschriebenen, und der schöne Flug neigt sich seinem Ende zu. Der Pilot drückt seinen Steuerknüppel nach vorne. Dadurch, so hat man es dem Verf. mal erklärt bzw. so hat er es jedenfalls verstanden, wird der Druck auf den Ohren hervorgerufen, welcher jetzt auftritt, und das Flugzeug begibt sich nach dem Durchfliegen einiger weiterer Turbulenzen ohne weitere Verzögerung in seine Warteschleife, woselbst es noch ein kleines Viertel- oder Halbstündchen verbleibt, damit es nicht etwa gar vor der Zeit landet. Aber selbst eine satte Verspätung würde nicht weiter auffallen, weil sich vor einigen Jahren mal alle Flugzeugbesitzer insgeheim getroffen und ohne Gegenstimme vereinbart haben, auf alle Ankunftszeiten in allen Flugplänen einfach eine halbe Stunde zu addieren, damit endlich die Beschwerden der gebeutelten Reisenden und deren Abholer aufhören, die Maschine hätte schon wieder mal Verspätung gehabt. Jawohl, so einfach geht das, und der Verf. hat hiermit dieses bisher so gut gehütete Geheimnis gelüftet. Es wurde auch Zeit.

Ein Flugzeug starten kann jeder, aber landen können es nur gelernte Piloten mit mindestens mehrwöchiger Flugpraxis. Das ist nämlich trotz Radar und Funkfeuer und Leitstrahlen und Weißderkuckuck gar nicht so einfach, wie der Verf. ebenfalls unter der Hand erfahren und sogar schon mehrfach mit einem Simulatorprogramm an seinem Computer ausprobiert hat. Und weil die renommierten Fluggesellschaften streng darauf achten, nur solcherart ausgebildete Piloten zu beschäftigen, geht auch meistens alles gut und das Flugzeug erreicht mit einem letzten heftigen Ruck sicher die Landebahn. Da es aber immer noch geschwindigkeitsmäßig ziemlich schnell ist, muß es nun abgebremst werden, und zwar so stark, daß den meisten Gebißträgern die Zähne rausfliegen und bei Menschen mit nervösem Magen Spontansodbrennen auftritt.

Die Ansage der Stewardeß: "Please remain seated with your seat belts fastened until the aircraft has reached its final parking position" ist das Zeichen für alle Passagiere, sofort aufzustehen und die Gepäckfächer zu öffnen. Beim nächsten Rucken des Flugzeugs (vgl. den Rollvorgang beim Start) fliegt auch prompt die ganze Bagage samt baggage, Kindern und Kegeln den wenigen noch gehorsam sitzengebliebenen Passagieren auf den Schoß. Auf dem des Verf. landet jedoch keinesfalls die nette Brünette, sondern die Fette, an besonderen Glückstagen allenfalls der Rabbiner. Zusätzlich bekommt er (der Verf., nicht der Rabbiner) grundsätzlich eine Duty-Free-Tüte an den Kopf, deren Besitzer vor dem Abflug noch schnell zwei Flaschen Whisky gekauft hat. Darüber hinaus dauert es immer eine unerwartet lange Zeit, die mit viel Kurverei und anderen Fahrbewegungen zugebracht wird, bis ein Flugzeug seine sogenannte endgültige Parkposition erreicht hat, welche diese Dummköpfe nun stehend im engen Gang verbringen dürfen. Jetzt vernimmt man noch ein allerletztes Mal die Stimme der Stewardeß: "Thank you for flying Suicide Airlines and we hope to see you on board again soon" (genau das befürchtet der Verf. auch) und dann ist man auch schon am Arrival Gate.

Die Ankunft

Flugzeuge landen grundsätzlich morgens um 6 Uhr 30 oder abends um 22 Uhr 40, also zu einer Zeit, wo anständige Menschen noch bzw. schon schlafen. Und weil man schon am letzten verfügbaren Gate abgeflogen ist, ist es nur recht und billig, daß man auch am letzten wieder ankommt. Diesmal ist es deshalb A45, das heißt bis zum Gepäckempfang (engl.: Baggage Claim) sind wieder mal schlappe zwei Kilometer zurückzulegen. Nach der langen Sitzerei geht einem der erste davon auch ziemlich flott vom Fuße, aber dann machen sich die Zeitumstellung und die drückenden Schuhe übel bemerkbar (vom langen Fliegen schwellen grundsätzlich die Füße an, warum, weiß der Verf. auch nicht zu sagen). Und weil Flugzeuge gerne in Rudeln eintreffen, sind neben dem eigenen noch vier weitere dieser Großraumüberseelangstreckendinger gelandet. Aus diesem Grund sind die Schlangen vor den Paßkontrollschaltern etwa so lang wie die am Samstag Nachmittag vor den Kassen des Gelsenkirchener Stadions, wenn Schalke gegen Dortmund antritt. Das Gute ist, so ein Paßkontrollpunkt in einem International Airport ist mit mindestens zwölf Schaltern ausgestattet (Paßkontrollschalter, Lichtschalter hat's vermutlich sogar noch weit mehr, Anm. d. Verf.). Der entscheidende Nachteil ist lediglich, daß leider zu dieser frühen bzw. späten Stunde nur zwei davon besetzt sind. Und gleichgültig wo man sich anstellt, in der eigenen Schlange geht's immer am langsamsten, aber das kennt man ja von der Supermarktkasse, wo auch immer gerade die Papierrolle zu Ende ist. Daher ist die Brünette, die eben noch auf gleicher Höhe in der anderen Schlange gestanden hat, längst durch, während man selber darauf wartet, bis der Beamte die siebzehn Pässe der pakistanischen Großfamilie vor einem in allen Einzelheiten studiert hat. Aber all das sollte einen wirklich nicht beunruhigen, denn je länger man hier auf die Paßkontrolle wartet, umso schneller kann man dann gleich seinen Koffer vom Band nehmen. So stellt man sich das jedenfalls vor. Leider sieht die Wirklichkeit auch hier etwas anders aus. Während man vor zehn Stunden beim Einchecken noch gut daran tat, nach dem Schalter mit der längsten Menschenschlange Ausschau zu halten, sollte man nun nach dem Gepäckförderband sehen, wo am wenigsten los ist. Die anderen Passagiere aus demselben Flugzeug haben nämlich nicht nur ihre Koffer schon längst vom Band genommen, nein, wahrscheinlich sind sie alle schon in ihren Hotelzimmern unter der Dusche. Und in der Tat, zwei einsame Gepäckstücke drehen auf dem Band ganz hinten ihre traurigen Runden, ein grauer Koffer mit abgerissenem Handgriff und eine schwarze Tasche mit aufgesprungenen und verbogenen Schlössern (zugunsten des Flughafenpersonals in der Gepäckabteilung nimmt der Verf. an, daß diese Beschädigungen schon vorher da waren, aber das möchte er wirklich nicht beschwören müssen). Nun ist der Koffer des Verf. entweder ein giftgrüner oder ein knallgelber, also relativ leicht zu erkennen. Wenn es weit und breit überhaupt was derartiges zu erkennen gäbe, versteht sich. Aus Anstandsgründen verzichtet der Verf. hier auf die Niederschrift der Wörter, die ihm in solchen Augenblicken durch den Kopf gehen, aber er ist immer wieder selbst erstaunt, wie viele ihm im Bedarfsfall davon einfallen. Und da er keine Lust hat, in diesem Newsletter die langwierige Prozedur bei einem verlorengegangenen Gepäckstück zu beschreiben, findet er seinen Koffer schließlich friedlich neben der Tür zur Damentoilette (irgendein Idiot muß ihn versehentlich vom Band genommen und dann einfach dort abgestellt haben).

Die nächste Hürde ist der Zoll. Jetzt entdeckt man nämlich, warum eben bei der Paßkontrolle nur zwei Schalter besetzt waren, denn die restlichen zehn Beamten verrichten ihren schweren Staatsdienst hier an dieser Stelle, damit auch ja kein Schmuggler unerkannt durch die Maschen des Gesetzes schlüpft bzw. kein Passagier oder gar Mensch eventuell eine zweite Stange Zigaretten, ein zweites Fläschchen Parfüm, eine zweite Flasche Schnaps oder ein zweites Pfund Kaffee mit ins Land schleppt, für die er seinen vorgeschriebenen Tribut nicht entrichtet hat. Man kann sein harmlosestes Gesicht aufsetzen, der Blick des Zöllners fällt kaum darauf, schon ist man verdächtig und darf seinen Koffer öffnen. Ein anderes Mal blickt man dem gestrengen Beamten frech in die Augen ... schon ist man ebenfalls verdächtig und darf seinen Koffer öffnen. Als dritte Möglichkeit kommt die Gruppenmethode in Betracht: man mischt sich unauffällig in eine größere Menschengruppe, die sich gerade durch den Nothing to Declare Ausgang schiebt, und weil der Zöllner nun wirklich nicht alle Leute kontrollieren kann, pickt er sich einen heraus: den Verf., wen denn sonst? Und der darf natürlich seinen Koffer öffnen. Die vierte Methode ist leider etwas zeitaufwendig, aber dafür narrensicher, wenn man sein Gepäck voll Schnaps und Videokameras hat. Man fragt den Beamten am Ausgang, wo man denn bitteschön zollpflichtige Waren anmelden kann. Daraufhin wird man zu einem kleinen Büro, gar nicht mal so weit weg, gewiesen, in dem eine größere Gruppe Zöllner gerade beim Kaffeetrinken ist. Hier tritt man an die Theke und zieht durch ein dezentes Räuspern die Aufmerksamkeit der Beamten auf sich, von denen dann auch einer relativ höflich nach dem Begehr fragt. Und dann sagt man zuerst, daß man diesmal zwar keine Waren anmelden möchte (man achte auf die Formulierung, denn schließlich darf man Beamte nicht anlügen), aber dann läßt man sich in allen Einzelheiten erklären, was man denn das nächste Mal tun müsse, wenn man ein im Ausland gekauftes Dingsbums (das Wort 'Dingsbums' kann durch eine Warenbezeichnung der eigenen Wahl ersetzt werden) einführen möchte. Daraufhin taucht der Beamte tief in sein Element ein, erklärt und erläutert, holt Merkblätter, Vorschriftenbüchlein und Formulare hervor und berät sich eventuell sogar noch mit seinen Kollegen, die inzwischen atemlos lauschend ihren Kaffee kalt werden lassen. Wichtig ist jetzt nur, daß man keine Schwäche zeigt, sondern durch aufmerksames Nicken hin und wieder den guten Mann bei Laune hält. Nachdem man die Viertelstunde Gelaber ertragen hat, kommt es jetzt nur noch darauf an, das Büro in genau dem Augenblick zu verlassen, wenn der Zöllner am Ausgang zu einem herüber schaut. Er wird nun zwangsläufig annehmen, daß man gerade offiziell einen größeren Betrag für eine zollpflichtige Ware entrichtet hat, und läßt einen unbehelligt passieren.

Es ist (fast) geschafft. Man ist jedenfalls schon mal in dem Lande, wo man hin wollte, nein, mußte. Jetzt geht's ins Hotel oder zur geschäftlichen Verabredung, je nachdem. Und schon erhebt sich die Frage, wie man denn dort hinkommt. Wegen der schon erläuterten günstigen Verkehrsanbindung eines Flughafens und aus Kostengründen kann man natürlich öffentliche Verkehrsmittel benutzen. Hiervon ist in den meisten Fällen jedoch dringend abzuraten, und zwar aus den folgenden acht plausiblen Gründen (bei Nichtzutreffen derselben oder bei unwiderstehlicher Abenteuerlust, bitte gerne, der Verf. kann jedoch leider keine Verantwortung übernehmen): Erstens ist es meist ein sehr langer Weg zum Flughafenbahnhof, zur Straßenbahn oder zur Bushaltestelle. Zweitens ist der Dreißigkilokoffer durch den Flug nicht leichter geworden, nur verkratzter. Drittens ist man häufig der Landessprache nicht mächtig genug, um dem Busfahrer zu erklären, wo man ungefähr aussteigen will, und Busfahrer sind meist keine Sprachgenies. Viertens, wo muß man denn eigentlich aussteigen? Fünftens erfordern solch öffentliche Fahrten einen Fahrschein, welcher immer an einem verdammten Automaten zu ziehen ist. Sechstens nimmt dieser verdammte Automat nur exotisches Münzgeld an, welches man natürlich nicht hat und mit seiner Kreditkarte kommt man hier ausnahmsweise mal nicht viel weiter. Siebtens sind verdammte Automaten meist defekt oder reagieren auf die verzweifelten Versuche ihrer Benutzer nur mit unverständlichen Fehlermeldungen im sogenannten Display (die Vorsilbe dis- bezeichnet ja meistens etwas Negatives, z. B. Dissonanz, und play heißt Spiel, das Ganze ist also - frei übersetzt - ein rechtes Scheißspiel, Anm. d. Verf.). Achtens ist man hundemüde und verschwitzt und durstig und ungeduldig und hat einen komischen Geschmack im Mund und möchte jetzt endlich in Ruhe mal eine rauchen und überhaupt.

Weitere verfügbare Bodentransportmittel (engl.: Ground Transportation) im Arrival Teil eines Flughafen sind Hotelbusse, Mietwagen-Shuttle und Taxen. All diese sind schon eine bessere Lösung. Erstens sind die Wege zu den Abholpunkten meist recht gut beschildert, zweitens sieht man den Kleinbus vom Holiday Inn oder von Hertz just in dem Moment abfahren, in dem man aus dem Flughafengebäude tritt, und drittens braucht man daher im Regelfall kaum länger als eine oder anderthalb Stunden zu warten, bis sie auf ihrer nächsten Runde wieder am Abholpunkt eintreffen. Daher hat man genug Zeit, jetzt endlich in Ruhe die wohlverdiente Zigarette oder Pfeife zu rauchen.

Absolut ideal sind jedoch Privatabholer, bestehend aus Familienmitgliedern, Freunden, Bekannten, Verwandten oder Arbeitskollegen, welche entweder unausgeschlafen (im Falle der frühmorgendlichen Ankunft) oder müde (im Falle der spätabendlichen) dreinschauen, sich aber trotzdem freuen, einen zu sehen. Wenn sie einen denn sehen. Doch das ist wegen der schon erfolgten ausführlichen Erklärung eines Flughafendesigns einfacher hingeschrieben, als in die Tat umgesetzt. Ein International Airport bietet rund fünftausendsiebenhundert Möglichkeiten, sich zu verpassen. Ja, es wird von Fällen berichtet, in denen sich alte Freunde in diesem Leben niemals wiedersahen, und die Geister von sichtotgewartet habenden Abholern oder auch Ankommern spuken nachts in allen Flughafenempfangsgebäuden dieser Welt. Man tut also gut daran, vorher einen gemeinsam bekannten Treffpunkt zu vereinbaren und da genügt es eben nicht zu sagen: "Hol mich einfach Donnerstag am Zeitungsstand des Flughafens ab." Nein, absolute Präzision ist hier gefordert:"Wir treffen uns am Donnerstag, den Soundsovielten um Soundsoviel Uhr am Zeitungsstand in der Ankunftshalle des Terminal A. Du weißt doch, das ist der links neben dem Imbiß 'Otto Lilienthal's Best Burgers', da wo an der Ecke die vollbusige Blondine gestanden hat, als Du mich abgesetzt hast. Klar?" Und weil er sich mit Sicherheit an die Blondine erinnert, wird der gute Freund den Treffpunkt auch nicht verwechseln.

Vorsichtig sein sollte man allerdings mit Bekannten, die man schon längere Zeit nicht mehr gesehen hat, da kann es nämlich passieren, daß man sie überhaupt nicht wiedererkennt (die Haare sind weniger und der Bauch ist mehr geworden oder der Bart ist ab - der Möglichkeiten gibt's viele). Doch das gilt selbstverständlich auch umgekehrt, also daß man selber nicht wiedererkannt wird, weil der Bauch ... usw.

Nachwort

Ja, und so hat man es dann schließlich wieder einmal geschafft und eine weitere Reise mehr oder weniger glücklich überstanden, ohne einen allzu großen Schaden an Leib und Seele zu nehmen. Von dem total verschrammten Koffer, den geschwollenen Füßen und der Hose, auf die man sich an unübersehbarer und daher peinlicher Stelle die Salatsoße aus dem Flugzeug gekleckert hat, mal abgesehen. Jetzt gilt es nur noch, kurz den geschäftlichen Teil zu erledigen, dessentwegen man all das ja überhaupt nur ertragen hat, und dann kann man sich schon wieder ungehemmt auf die Strapazen des Rückflugs freuen.

Postscriptum der Redaktion

Dieser Newsletter wurde vollendet und gedruckt auf dem neuen IBM Aptiva Computer (vom Verf. auch "der schnelle Geselle" genannt). Konzipiert und teilweise geschrieben wurde er jedoch in Belgien, Hotel Auberge de Waterloo. Ganz in der Nähe durchwachte schon Napoleon Bonaparte einige schlaflose Nächte, bevor er hier am 18. Juni 1815 die entscheidende Schlacht gegen den Herzog von Wellington verlor.

Postscriptum des Verf.

März 1997 (knapp 182 Jahre nach Napoleon). Gestern war ich noch in New York. Heute stehen vor mir, das heißt gleich neben dem Laptop, drei sündhaft teure, aber mittlerweile leere Bierflaschen aus der Minibar meines Hotelzimmers und ich warte verzweifelt auf die Wirkung ihres Inhalts. Es ist vier Uhr fünfunddreißig morgens und der Jetlag spielt mir übel mit. Ich bin hellwach und todmüde. Das Echo des letzten besoffen heimgekehrten Hotelgastes ist seit gut zwei Stunden verhallt und weil es nun sehr still im Hause ist, tippe ich meinen folgenden Wunsch ganz leise: Allen regelmäßig geschäftsreisenden Newsletter Lesern weiterhin eine Gute Nacht und den gelegentlich urlaubsreisenden einen angenehmen Flug!
gez.  der Verf.

Postscriptum der Gattin des Verf.

Liebe Reiseneulinge, bitte bringt das unverbrauchte Zeugs aus dem Flugzeug nicht als Andenken mit nach Hause! Ich meine die kleinen Pfeffer- und Salztütchen, die Zahnstocher, die Getränkerührstäbchen, Servietten, Erfrischungstüchlein und was weiß ich noch alles. Im Laufe der Jahre füllen sich nämlich meine ganzen Küchenschubladen mit diesem Kram und wir brauchen es dann doch nicht auf, bis ich schließlich alles wegschmeiße. Außerdem sind geklaute Gläser nur reine Staubfänger und mit dem Besteck der Lufthansa ißt später garantiert keiner. Und die Kopfhörer aus dem Flugzeug passen auch nirgendwo anders drauf. Glücklicherweise habe ich mit viel Überzeugungskraft dem Verf. im Laufe der Jahre abgewöhnen können, die Miniseifenstückchen aus den Hotels mit nach Hause zu bringen, wie er das früher gerne gemacht hat. Wir haben immer noch zwei Schuhkartons voll, obwohl wir uns seit Februar 1987 mit nichts anderem waschen. Und dabei würde ich mir so gerne mal ein anständiges Stück Luxusseife kaufen.
gez.  die Gattin des Verf.


Das Kleingedruckte im Nachspann: Die im Text beschriebenen Imponderabilien und Widrigkeiten (sowie die beiden Airlines Hot Air und Suicide Airlines) sind natürlich der blühenden Phantasie des Verf. entsprungen. Sie kommen in dieser Form weder auf den Flughäfen, noch bei den renommierten Fluggesellschaften dieser Welt vor. Die Wirklichkeit ist ganz anders und etwaige Ähnlichkeiten mit eventuell sogar persönlich gemachten Erfahrungen von Newsletter Lesern sind möglicherweise rein zufällig.


DATEI-LINK: newsletter_mai1997.pdf

EXTERNER LINK: www.adobe.de newsletter_mai1997.pdf
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