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Ein Märchen aus fernen Landen
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September 1998

Ein Märchen aus fernen Landen

Heute, liebe Kinder, werde ich Euch ein Märchen erzählen. Eine gar wundersame Geschichte aus einem fernen, fernen Lande, weit hinter dem großen Ozean, in dem es riesige Walfische und böse, böse Haie gibt, und wo hinein auch hin und wieder mal ein Flugzeug stürzt. Aber Ihr braucht Euch nicht zu fürchten, liebe Kinder, denn in diesem Märchen kommen überhaupt keine Flugzeuge vor, nur ein König, das Volk und ein paar andere seltsame Menschen.
Jetzt putzt Euch noch einmal schön die Nase, geht aufs Klo, holt Euren Kakao und die Kekse, kuschelt Euch zu mir auf die Couch und paßt gut auf!

Es war einmal ein König mit wunderschönem silbernen Haar. Wir wollen ihn Billclinton nennen, denn erstens hieß er wirklich so und zweitens hatten die Menschen in dem Lande, von dem ich Euch erzählen werde, fast alle sehr komische Namen, beinahe so komisch wie die Außerirdischen bei Star Trek . Doch habt ein wenig Geduld, liebe Kinder, alles hübsch der Reihe nach.

König Billclinton regierte in einem fernen Land mit vielen, vielen Untertanen, und das hieß Amerika. Und dieses Land war so groß, daß selbst die tüchtigsten Reiter mit den schnellsten Pferden viele Wochen brauchten, um es von einem zum anderen Ende zu durchqueren. Doch weil das den Bürgern, die ans andere Ende des Landes wollten, viel zu lange dauerte, hatte dort jeder eine Kutsche, die wie durch Zauberkraft von ganz alleine fahren konnte und gar nicht von Pferden gezogen werden mußte. Diese Kutschen waren aus Blech und man nannte sie in der seltsamen Sprache, die in diesem Lande gesprochen wurde, cars und sie waren sehr schön anzuschauen in ihrer bunten Farbenpracht, mit ihren vier schwarzen Rädern, mit den gemütlichen Polstersitzen und natürlich mit den Haltevorrichtungen für die beiden Kaffeebecher auf ihrer Mittelkonsole. Das glaubt ihr mir nicht, liebe Kinder? Und doch ist es wahr, denn die Bürger dieses fernen Landes trinken nunmal für ihr Leben gerne Kaffee.

Doch jeder Untertan hatte nicht nur eine solche Zauberkutsche, nein, ein jeder hatte auch ein hübsches Häuschen, in dem er mit seiner Frau, seinen Kindern und seinem Hund lebte. Hier fühlte sich die ganze Familie geborgen und man briet sogar an warmen Sommertagen draußen auf der Terrasse am offenen Feuer kleine, platte Fleischklopse, die vor dem Verzehr zwischen zwei Brötchenhälften gelegt und deshalb Hamburger genannt wurden. Das glaubt ihr mir nicht, liebe Kinder? Und doch ist es wahr, denn Amerikaner essen nunmal Hamburger, wohingegen Hamburger nicht nur Hamburger, sondern auch Amerikaner essen.

Für schlechteres Wetter hatte jeder Untertan eine Wunderkiste in seinem Häuschen, damit keine Langeweile aufkam. Wenn man nämlich bei dieser Kiste auf ein Knöpfchen drückte, konnte man durch eine Glasscheibe viele bunte bewegte Bilder sehen, wie bei einem Kaleidoskop, und kleine Menschlein hüpften in dieser Kiste hin und her. Natürlich waren es keine richtigen, lebendigen aus Fleisch und Blut wie ihr und ich, aber dafür erzählten sie den atemlos Zuschauenden fast ununterbrochen kluge oder auch weniger kluge Sachen und trieben allerlei Possen und Schabernack, fast wie im Theater. Diese Wunderkiste nannte das Volk TV und durch sie erfuhr es auch, welches Waschmittel man kaufen mußte und welche Zahnpasta die Zähne am allerweißesten machte. Das war sehr schön, und das Volk verbrachte täglich viele, viele Stunden damit, den bunten Bildern in seinem TV zuzuschauen und sich darüber zu freuen. Das glaubt ihr mir nicht, liebe Kinder? Und doch ist es wahr, denn es gibt noch viel unglaublichere Dinge in der Welt, aber davon erzähle ich euch ein anderes Mal.

Und weil König Billclinton dafür gesorgt hatte, daß sich fast alle seine Untertanen so tolle Sachen leisten konnten, waren alle sehr glücklich und zufrieden mit ihrem König und ihrem großen, großen Lande. Was konnte man auch mehr erwarten vom Leben? Der Vater ging regelmäßig seinem Tagewerk nach, die Mutter stopfte zuhause die Strümpfe, die Kinderlein rauchten keine Zigaretten, oder höchstens mal heimlich eine auf dem Klo, und alle zusammen gingen jeden Sonntag in die Kirche, um dem lieben Herrgott inbrünstig zu danken für den guten König, der ihr Land so weise regierte.

Und deshalb war natürlich auch König Billclinton glücklich, denn es lag ihm wahrlich nichts mehr am Herzen, als das Wohlergehen seiner treuen Untertanen. Daher reiste er auch oft in fremde Lande, wo böse Könige ihr armes Volk quälten und auch sonst manch Übles im Schilde führten, und rief sie mit strengen Worten zur Ordnung. Und oft, wenn die fremden Könige nun überhaupt nicht auf ihn hören wollten, schickte er sogar seine tapferen Krieger samt ihren Kanonen aus, so daß die bösen Könige vor Angst erzitterten und schnellstens ihre Öllieferungen wieder aufnahmen.

So regierte König Billclinton fleißig sein großes Land von früh bis spät, mehrte das Ansehen seines Volkes und wurde nicht müde, Gutes für seine braven Untertanen zu ersinnen. Seiner Fürsorge war es zu verdanken, daß die Mörder und Schwerverbrecher des Landes kein TV mit Fernbedienung mehr in ihren Kerkern haben durften, sondern zum Umschalten des Programms jedesmal extra ihre harte Pritsche verlassen mußten, und auf sein Geheiß hin wurden sogar die bösen Tabakkonzerne gezwungen, eine große Menge ihres unrechtmäßig verdienten Goldes in die Krebsvorsorge zu investieren, obwohl sie eigentlich bisher immer pünktlich ihre Steuern bezahlt hatten. Aber alles Lamentieren nützte den Konzernen da gar nichts, König Billclinton blieb unerbittlich, schließlich ging es um nichts Geringeres als die Gesundheit seiner Untertanen, und da verstand er keinen Spaß. Und so dauerte es gar nicht lange und alle Welt redete nur noch mit großer Hochachtung von dem guten König Billclinton in seinem fernen Lande. Das glaubt ihr mir nicht, liebe Kinder? Und doch ist es wahr, denn sogar gute Taten sprechen sich manchmal herum.

Das alles kostete den König natürlich sehr viel Zeit und Mühe und deswegen konnte man im schneeweiß gestrichenen Königsschloß in Washington oft noch bis weit nach Mitternacht gedämpftes Licht durch die dicken Vorhänge des königlichen Arbeitszimmers in die Finsternis schimmern sehen, dieweil alle Untertanen schon längst in ihren warmen Bettchen schliefen. Das glaubt ihr mir nicht, liebe Kinder? Und doch ist es wahr, denn die Arbeit eines Königs ist wahrhaftig nicht immer leicht.

Jedoch die Welt ist schlecht, und es ist wichtig, liebe Kinder, daß ihr es von mir hört, bevor ihr diese bittere Erfahrung selber zu machen gezwungen seid.

So gab es denn selbst in diesem fernen Lande mit seinen vielen glücklichen Untertanen einige, die König Billclinton Übles wollten, weil sie ihm seine Erfolge und seine Popularität neideten. Solche bösen Menschen gibt es überall auf der Welt, auch in eurem eigenen Lande, liebe Kinder - nehmt euch in acht - und man nennt sie Journalisten. Sie werden niemals müde, wenig erfreuliche oder gar unappetitliche Dinge in unserer schönen Welt aufzuspüren und in großen Lettern dem Volke davon zu berichten, ja, selbst dann, wenn das Volk es überhaupt nicht hören mag. Keine noch so schlimme Katastrophe entgeht ihrem nimmermüden Spürsinn, nicht einmal wenn sie im entferntesten Winkel der Welt stattfindet, und kein noch so kleines Mißgeschick ihrer Mitbürger ist vor ihnen sicher. Ja, sogar wenn einmal ein Tag ohne Unheil vergeht, denken sie sich einfach eine Lüge aus, nur um damit die Sensationslust im Volke zu wecken oder es sogar zur Unzufriedenheit mit seinem Dasein anzustacheln. Denkt euch, Kinder, sie schämen sich nicht einmal, in den allerprivatesten Lebensdetails ihrer Mitmenschen herumzuschnüffeln, und unter ihren garstigen Federkielen wurde schon so manche klitzekleine Privatmücke zu einem tollwütigen öffentlichen Elefanten. Daß es dabei mit ihrer Wahrheitsliebe nicht immer zum Besten bestellt ist, kann kaum ein braver Untertan in seiner Rechtschaffenheit glauben und daher nimmt er oft selbst die blutrünstigste Lügengeschichte oder die scheinbar peinlichste Entdeckung für bare Münze. Das glaubt ihr mir nicht, liebe Kinder? Und doch ist es wahr, denn wehe dem Armen, der einem Journalisten in die Klauen fällt!

Was soll ich euch also sagen, eines nachts schlich tatsächlich solch ein Journalist an des Königs Arbeitszimmer vorbei, statt brav - wie alle anderen Untertanen - in seinem warmen Bettchen zu schlafen oder wenigstens in seinem stillen Kämmerlein ob seiner ständigen Lügengeschichten ein wenig Reue zu üben. "Ich will doch einmal lauschen, wie ein König so regiert," murmelte er neugierig vor sich hin und - gesagt, getan - krabbelte er auf allen Vieren so nahe an das Fenster mit den dicken Vorhängen heran, daß er durch einen kleinen Spalt ins Innere des Zimmers schauen konnte. Natürlich war König Billclinton selbst zu so später Stunde immer noch tüchtig beim Regieren, wie es bei einen so guten König auch gar nicht anders zu erwarten war. Er hatte an jenem Tage sogar besonders viel zu erledigen, so daß ihm eine gewisse Monicalewinsky, eine seiner getreuen Untertaninnen, dabei kräftig assistieren mußte. Was ist denn daran so witzig, Kinder? Ich sagte euch ja schon, daß die Namen in diesem fernen Lande für uns normale Menschen ein wenig komisch klingen, und wir wollen doch niemanden wegen seines Namens auslachen, oder?

"Ei, potzblitz, das werde ich gleich morgen dem Volke berichten," dachte also der Journalist bei sich. Doch da er genau wußte, daß sich das Volk für solche Trivialitäten überhaupt nicht interessierte, jedenfalls solange nicht, wie daraus keine Steuererhöhungen resultierte, heckte er einen gar teuflischen Plan aus. Am nächsten Morgen, kurz nach dem ersten Hahnenschrei, begab er sich deshalb zum Hause des Advokaten Kennethstarr, der nicht nur seit Jahren heftig darunter litt, daß niemand im Lande und im Rest der Welt seinen Namen kannte (wer will denn auch schon einen so komischen Namen kennen, nicht wahr?), sondern der ein noch viel garstigeres Handwerk ausübte als der Journalist. Das glaubt ihr mir nicht, liebe Kinder? Und doch ist es wahr, denn Advokaten sind wirklich oft noch weit schlimmer als Journalisten.

Diese beiden finsteren Spießgesellen begannen nun heimlich in des guten Königs Vergangenheit zu forschen, und - siehe da - sie fanden alsbald heraus, daß König Billclinton sich schon des öfteren beim Regieren hatte helfen lassen. Meistens von jüngeren Damen. Was ist auch schon dabei, nicht wahr, liebe Kinder? Jeder läßt sich doch gerne mal helfen, besonders wenn es um so schwierige Dinge geht, wie das Regieren eines großen Landes, bei dem das Lebensglück des ganzen Volkes auf dem Spiele steht. Aber auch bei kleineren Angelegenheiten des täglichen Lebens ist uns allen doch eine helfende Hand oder ein freundlicher Mund stets willkommen. Wer mag so was also seinem eigenen König absprechen? Wer außer unseren beiden Fieslingen, meine ich, denn die hatten von nun an nichts besseres zu tun, als stundenlang das Volk mit Geschichten über den König zu überschütten. In den ersten Wochen fanden sich auch tatsächlich etwa tausend Bürger des Landes, die ein immerhin mäßiges Interesse zeigten. Doch bald wandten sich auch diese Tausend wieder ihren cars, ihren Häuschen, ihren Fleischklopsen und ihrem TV zu und scherten sich nicht einen Deut um ihres Königs Regierungsangelegenheiten. Denn schließlich wußten alle nur zu gut, daß es auch in ihrer eigenen Vergangenheit Situationen gab, in denen sie sich bei der einen oder anderen Verrichtung hatten helfen lassen. Das glaubt ihr mir nicht, liebe Kinder? Und doch ist es wahr, denn wenn man nur genügend Journalisten und Advokaten darauf ansetzt, wird sich bei jedem Untertan schon was finden lassen.

Natürlich waren der Journalist und sein Komplize Kennethstarr darüber sehr erzürnt, daß sich niemand in diesem großen Lande so recht für diese Angelegenheit interessieren wollte, und deshalb starteten sie eine riesengroße Kampagne. Kein einziger Tag ging von nun an ins Land, an dem nicht im TV über König Billclinton und seiner Helferin Monicalewinsky berichtet wurde. Stundenlang und stundenlang. An graden Tagen diskutierten hunderte von Journalisten mit hunderten von Advokaten und an ungeraden Tagen war es umgekehrt. Ja, Kennethstarr und seine inzwischen ins schier Unermeßliche gewachsene Journalistenschar schreckte nicht einmal davor zurück, den König höchstpersönlich in aller Öffentlichkeit auszulachen. Als ob ein König nichts Wichtigeres zu tun hätte, als sich auslachen zu lassen! Ihr wärt sicher auch recht ungehalten, liebe Kinder, wenn ihr der ganzen Welt erzählen solltet, was ihr in eurem Zimmer so alles treibt, oder? So brauchte es denn auch niemanden zu wundern, daß der König alsbald recht zornig wurde und den Journalisten und Advokaten sogar mit dem Zeigefinger drohte: "Ich kann wohl schon ganz alleine regieren, da braucht Monicalewinsky mir nicht bei zu helfen!" Und das Volk glaubte ihm. Aber die Journalisten und Kennethstarr glaubten ihm nicht. Ehrlich gesagt, das konnten sie auch nicht, denn einer von ihnen hatte ja damals durch den Vorhang geblinzelt und Monicalewinsky und den König heimlich beim gemeinsamen Regieren beobachtet.

"Schaut her, was ihr für einen König habt!" riefen die Journalisten deshalb vielstimmig dem Volk zu, "Ein König der nicht mal alleine regieren kann." - "Na und?" fragte das Volk zurück, "Was soll's? Ihm verdanken wir schließlich unsere cars, unsere Fleischklopse und unser TV, und wenn er sich dabei von Monicalewinsky hat helfen lassen, wem stört datt?" - "Ja, aber," ereiferten sich Kennethstarr und die Journalisten lautstark, "wo bleibt denn die Moral?" - "Papperlapapp, Moral," meinte da das Volk nur, "laßt uns endlich in Frieden mit dem Blödsinn und Schluß!" Das glaubt ihr mir nicht, liebe Kinder? Und doch ist es wahr, denn das Volk ist oft viel klüger, als Journalisten und Advokaten es sich vorstellen können.

Jetzt wurden Kennethstarr und seine Journalisten aber wirklich böse, nichts ist schlimmer für solche Übeltäter, als vom Volke nicht ernstgenommen zu werden. Und so liefen sie stracks zum allerallerallerhöchsten Gericht des Landes, um sich bitterlich zu beschweren. Sie wußten natürlich genau, daß das allerallerallerhöchste Gericht sogar noch höher ist als der König selber, ja, es kommt vermutlich gleich nach dem Lieben Gott, denn auch dort sitzen lauter uralte und weise Richter. Das heißt, im Grunde weiß keiner so genau, ob die Richter wirklich so weise sind, wie sie immer tun. Das glaubt ihr mir nicht, liebe Kinder? Und doch ist es wahr, denn wer uralt ist, einen imponierenden schwarzen Kittel trägt und ständig eine Bibel nebst Verfassung unter dem Arm mit sich rumschleppt, wird oft für weiser gehalten als er in Wirklichkeit ist.

Und so blieb den allerallerallerhöchsten Richtern nichts anderes übrig, als den König persönlich vorzuladen, schließlich haben sie keine anderen Aufgaben, als Beschwerden zu bearbeiten, seien sie auch noch so dumm und überflüssig. Und deshalb mußte der arme König nun dem allerallerallerhöchsten Gericht in allen Einzelheiten erzählen, wie Monicalewinsky ihm beim Regieren geholfen hat. Ziemlich peinlich für einen König, findet ihr nicht auch, liebe Kinder? Das Dümmste an der ganzen Sache war jedoch, daß der König vor einiger Zeit selber in seinem Zorn gesagt hatte, daß er immer ganz alleine regiert hätte, wie ihr euch sicher erinnert. "Schwindler, Schwindler, tä-tä-tä-tääää!" konnten ihm nun Kennethstarr und die Journalisten schadenfroh zurufen und ein paar streckten dem König sogar die Zunge heraus, aber natürlich nur ganz heimlich hinter seinem Rücken. Doch alle hatten ihre hämische Freude daran, den armen König vor seinem eigenen Volke und seinen lieben Freunden aus aller Welt zu demütigen. Ja, sie scheuten sich nicht einmal, einen ausführlichen Bericht darüber im Internet zu veröffentlichen. Das glaubt ihr mir nicht, liebe Kinder? Und doch ist es wahr, denn heutzutage wird jeder Schwachsinn im Internet veröffentlicht.

Dem Volke war es erstaunlicherweise immer noch ziemlich egal, ob der König alleine oder mit Monicalewinskys Hilfe regiert hatte. Es hatte ja immer noch die cars, die gemütlichen Häuschen, die Klopsbrötchen und das TV - viel mehr wollte es eigentlich auch gar nicht. Und das hatte es ja schließlich alles dem guten König Billclinton zu verdanken. Na ja, vielleicht wäre bei Gelegenheit noch eine kleine Steuersenkung ganz angebracht, etwas weniger Schaum auf dem Dosenbier oder ein paar Ketchup-Geschmacksrichtungen mehr wären auch nicht ganz schlecht, aber im Grunde war das Volk zufrieden mit dem, was es hatte. Ja, immer öfter wurde des Volkes Stimme laut und sprach zu den Journalisten: "Laßt uns endlich zufrieden mit dem blöden Quatsch!" In Wirklichkeit sagte die Volksstimme nicht Quatsch, sondern ein viel, viel böseres Wort, aber dafür seid ihr noch zu klein, liebe Kinder. Und sie fügte noch ärgerlicher hinzu: "Diese Monicalewinsky hängt uns wirklich kreuzweise zu den Ohren raus, wir wollen endlich wieder ungestört unsere Katastrophen im TV sehen, das ist uns wichtiger, wichtiger jedenfalls als Monica oder Lewinsky."

Doch Kennethstarr und die Journalisten ließen nicht locker, ja, sie wollten sogar, daß der gute König sein Amt niederlegte und von nun an nur noch von den Zinsen seines Vermögens irgendwo in der Wildnis von Arkansas lebte, denn Moral ist schließlich Moral, darüber kann man nun mal nicht diskutieren. Das glaubt ihr mir nicht, liebe Kinder? Und doch ist es wahr, denn ein König darf halt nicht schwindeln, das weiß ja wohl jeder. Mag er noch so viel Gutes für sein Volk und sein Land getan haben.

Und so fuhren Kennethstarr und seine Journalisten fort und fort an dem Ast herumzusägen, auf dem sie selber saßen - nein, das stimmt so natürlich nicht, denn sie selber saßen ja gar nicht mit auf dem Ast, nur das Volk saß darauf, und das Volk war Journalisten und Advokaten schon immer ziemlich gleichgültig. Außerdem hatten sie bereits soviel Gold aus dem Staatssäckel für ihren Fall ausgegeben und soviel Gift und Galle im ganzen Lande verspritzt, daß sie nun überhaupt nicht mehr zurückkonnten, selbst wenn sie gewollt hätten. So etwas nennt man Sachzwang, liebe Kinder, und dieses wunderbare Wort müßt ihr euch gut für euer späteres Leben merken.

Ja, so geht es manchmal zu in fernen Landen, jenseits des großen Ozeans, in dem riesengroße Walfische und böse, böse Haie leben und wo hinein auch hin und wieder mal ein Flugzeug stürzt.

Aber ihr braucht euch wirklich nicht zu fürchten, liebe Kinder, denn es ist ja nur ein Märchen.

Und weil sie noch nicht gestorben sind ... ja, genau.


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