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Juli 1996

American Wins Gold Medal!

Obwohl ich zu der eher weniger bis gar nicht an Sport interessierten Menschengruppe zähle, finde ich es ein wenig schade, daß ausgerechnet an den diesjährigen Jubiläumsspielen in Atlanta nur eine einzige Nation teilnimmt! Und daß es sich bei dieser einen Nation zufällig um die USA handelt, überrascht mich angesichts des Austragungsortes nicht im geringsten.

Bisher dachte ich zwar immer, daß gerade die Olympischen Spiele für die sportgestählte Jugend der ganzen Welt die Gelegenheit schlechthin bieten, ihre überschüssigen Kräfte im mehr oder weniger fairen Wettkampf zu messen, aber ich habe mich geirrt. Dabei mußte ich - aus hier nicht näher zu erläuternden Gründen - die Eröffnungsfeier (zum Glück nur streckenweise) im Fernsehen verfolgen und sah deshalb mit eigenen Augen Tausende von Sportlern aus fast zweihundert Nationen frisch, fromm, fröhlich und nahezu freiwillig ins Stadion marschieren.

Doch mittlerweile frage ich mich besorgt: Wo sind die eigentlich alle? Seit der besagten Eröffnungsfeier scheinen Argentinier, Belaruser (nie zuvor gehört), Chinesen bis hin zu den Zairanern spurlos verschwunden zu sein, zumindest wenn man die Berichte der hiesigen Medien verfolgt.

Während im Fernsehen zwar zehn Minuten lang in Großaufnahme gezeigt wird, wie der amerikanische Turner sich nach absolvierter Selbstquälerei ausgiebig das Gesicht abtrocknet und die Trainingshose überstreift, vernimmt man im Hintergrund merkwürdige Geräusche. Sie könnten theoretisch von einem der vermißten Sportler stammen, der durch heftiges Klappern an den diversen Geräten verzweifelt die Aufmerksamkeit der Medien auf sich zu ziehen versucht. Allerdings erfolglos, und daher kann ich es auch nur vermuten.

Darüber hinaus ist es ja durchaus möglich, daß das Abspielen einer nichtamerikanischen Hymne bei einer Siegerehrung unglücklicherweise immer ausgerechnet mit der Zeit zusammenfällt, die AT&T oder Coca Cola sich für ihre Werbespots gekauft haben. Was soll man auch dagegen machen? Und so nimmt es denn nicht wunder, daß mir heute morgen der Radiosprecher stolz verkündete, daß die USA bisher die meisten Medaillen hat. Punkt. Kein einziges Wort über die nachfolgenden Rangplätze.

All das erinnert mich an den folgenden alten Witz, der eigentlich gar keiner ist, weil ich es hierzulande tagtäglich genauso erlebe: Ein Amerikaner und ein Russe laufen um die Wette. Der Russe gewinnt. Daraufhin erscheint die folgende Überschrift in der New York Times: "Amerikaner belegt beim Wettlauf ehrenvollen zweiten Platz, Russe nur Vorletzter!"

Wobei ich es inzwischen schon bemerkenswert finde, daß der Russe überhaupt erwähnt wird. Die Sportjournalisten haben es also offenbar als erste bemerkt: es gibt tatsächlich Leben außerhalb der USA. Man darf hoffen.


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