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Unnötig, völlig unnötig...

eine Tragikomödie mit Erläuterungen in III Akten

I. Akt

1. Szene - Die Vorgeschichte
(Sonnenschein, Vogelgezwitscher, aus den Tiefen des Internets zaubern bunte Webseiten ein farbenprächtiges Kaleidoskop auf einen Computer-Bildschirm)

Dieser Dokumentationsfimmel wurde [B] zum Verhängnis und diesen Link hätte er auch lieber weglassen sollen, denn dann hätten die Spürhunde der Agentur [T] sich wesentlich schwerer getan. Aber so ist er nunmal, dieser [B]: immer an das Gute im Menschen glaubend.

Bitte einfach weiterlesen...

[B] sitzt vor seinem Computer und veröffentlicht guten Mutes auf seiner Webseite über [D], ein großartiger Mensch und hochrangiger Kulturträger, unter der Rubrik "Fotogalerie" - oder so ähnlich - eine Reihe von Fotos des Protagonisten aus dessen verschiedenen Lebensphasen. Darunter befindet sich auch eines, das über 20 Jahre alt ist und vom Schutzumschlag eines [D]-Buches stammt. Da [B] auf allen seinen Webseiten stets um eine möglichst präzise und umfassende Dokumentation bemüht ist, schreibt er selbstverständlich den Namen der Medienagentur [T] dazu, welchen er dem Impressum des Buches entnommen hat, und schaltet ebenso selbstverständlich auch einen Link zu dieser Agentur - ohne ihr auch nur einen einzigen Cent bzw. Pfennig dafür in Rechnung zu stellen, geschweige denn überhaupt daran zu denken, so etwas jemals zu tun.

2. Szene
(Der Sommer ist mittlerweile durchs Land gezogen und gelegentlich künden einige Frühnebel vom nahen Herbst ohne jedoch zunächst bedrohlich zu wirken)

 

An solch einem sonnigen Frühherbsttag findet [B] zu seinem Erstaunen einen Brief der Agentur [T] mit folgendem Wortlaut in seinem Briefkasten vor:

Den freundlichen Grüßen war eine Forderung von knapp 200 Euro beigefügt, die sich aus einem Garantiehonorar (?), den Kosten für die Internet-Recherche (!!!) und der unvermeidlichen Mehrwertsteuer zusammensetzte. Dennoch, eine Menge Geld.

Sehr geehrter Herr [B],
wie wir erst jetzt zur Kenntnis nehmen können, nutzen Sie ein [T]-Foto von [D] auf Ihrer Domain. Sie verletzen damit unser copyright, denn die Nutzung erfolgt ohne unsere Genehmigung.
Wir fordern Sie hiermit auf, das Foto aus dem Internet zu entfernen und erwarten eine entsprechende schriftliche Bestätigung. Unsere Honorarrechnung für die bisherige Internet-Nutzung fügen wir als Anlage bei.
Uns ist empfohlen worden, Ihnen zur spätesten Erledigung beider Vorgänge eine Frist bis zum soundsovielten zu setzen.
Mit freundlichen Grüßen

3. Szene
(Im Arbeitszimmer von [B])

Daraufhin setzt [B] sich vor seinen Computer und schreibt der Agentur [T] spontan folgende, mit einer Bitte verbundene Erklärung:

Merke - und das ist ziemlich entscheidend, deshalb der Fettdruck - [B] hat sofort nach dem ersten Brief der Agentur [T] (siehe 2. Szene) das fragliche Foto von der [D]-Webseite entfernt, was er [T] in seinem Brief ausdrücklich bestätigt.

Sehr geehrte [T],
die Webseite ist mein bescheidener persönlicher Beitrag, das Andenken eines Mannes zu bewahren, der mehr als jeder andere Wissenschaftspublizist dazu beigetragen hat, die Naturwissenschaft der Öffentlichkeit nahezubringen. Sie ist als reine Informationsquelle konzipiert, verfolgt keinerlei kommerzielle Zwecke und ihre Erhaltung wird ausschließlich mit meinen privaten Mitteln finanziert.
Dabei ist es mein Ziel, möglichst umfassende Informationen über das Lebenswerk [D]'s und seines wissenschaftlichen Umfelds im Internet bereitzustellen. In diesem Zusammenhang habe ich das gesamte Material der Webseite (Texte, Grafiken, Sound-Dateien und Fotos) ausführlich dokumentiert und, soweit es mir bei den teilweise recht alten Dokumenten möglich war, immer die Quellen angegeben. So natürlich auch bei dem fraglichen Foto.
Da es jedoch, speziell bei Fotomaterial, das älter ist als 25 Jahre (!), oft sehr schwierig und zeitaufwendig ist, den jeweiligen Rechteinhaber ausfindig zu machen, um die erforderlichen Genehmigungen einzuholen, habe ich im Impressum meiner Webseite ausdrücklich darum gebeten, mich bei eventuellen versehentlichen Copyright-Verletzungen sofort zu benachrichtigen.
Selbstverständlich habe ich das betreffende Foto sofort nach Erhalt Ihres Schreibens von meiner Webseite entfernt, was ich Ihnen hiermit wunschgemäß bestätige. Gleichzeitig bitte ich Sie, von Ihrer finanziellen Forderung für die bisherige Nutzung abzusehen, die ich - wie gesagt -  ansonsten aus meiner eigenen Tasche bestreiten müßte.
Für Ihr Verständnis und Ihre Kooperationsbereitschaft bedanke ich mich im Voraus.
Mit freundlichen Grüßen

4. Szene

 

Ihr Verständnis und ihre Kooperationsbereitschaft demonstriert die Agentur [T] ein paar Tage später folgendermaßen:

Klar, wer nur Bares auf seinem Konto sehen will, um sich endlich Lebensmittel kaufen zu können, dem kann nun wirklich keine einzige Erklärung sachgerecht genug sein.

[G] zu [B]: "Zahl' das doch, dann ist Ruhe!"
[B] zeigt keinerlei Bereitschaft dazu.

Sehr geehrter Herr [B],
Ihre Erklärungen sind weder sachgerecht noch können sie uns ernähren. Als professionelle Fotoagentur leben wir vom Honorar für vergebene Nutzungsrechte. Da unsere Arbeiten klar deklariert sind, hätten Sie vor Nutzung entsprechende Einzelheiten klären müssen. Wie es zu "versehentlichen Copyright-Verletzungen" kommen kann, ist uns überdies unklar.
Um Ihnen weitere Kosten zu ersparen, fordern wir Sie noch einmal auf, unsere Rechnung zu begleichen.
Mit freundlichen Grüßen

5. Szene

Fast 200 Euro sind bekanntermaßen eine Menge Geld, deshalb schreitet [B] trotz des immer noch währenden Herbstsonnenscheins erneut zu seinem Computer und tippt an die Agentur [T] einen Brief wie folgt:

Im Impressum des Buches steht nämlich lediglich, daß das Foto von [D] auf dem Schutzumschlag von der Agentur [T] stammt, aber nicht ausdrücklich, daß diese auch ein immerwährendes Copyright daran hat. Unter diesem Aspekt ist eine versehentliche Copyright-Verletzung durchaus möglich, es sei denn, man ist nicht Webdesigner, sondern Voll-(?)-Jurist.

Sehr geehrte [T],
das von Ihnen erwähnte Foto ist, wie Sie sicher wissen, Teil des Schutzumschlages vom [D]-Buch soundso. Die Rechte daran liegen beim [K]-Verlag.
Wie ich Ihnen in meinem vorigen Schreiben ausführlich erläutert habe, bin ich auf der Webseite besonders daran interessiert, vollständige und umfassende Informationen für die Besucher bereitzustellen. In diesem Zusammenhang habe ich neben allen anderen bibliographischen Angaben natürlich auch den Namen Ihrer Agentur genannt, die ja auch im Impressum des Buches erwähnt wird.
Aus dieser Namensnennung allein können Sie daher keine Eigentumsrechte ableiten.
Mit frdl. Gruß

6. Szene

 

Den o. a.  frdl. Gruß mitsamt den weiteren Zeilen der Deutschen Post AG anvertraut habend, lehnt [B] sich nun in der noch wärmenden Herbstsonne zurück und harrt der Dinge, die da kommen werden. Und sie kommen tatsächlich alsbald in Form des folgenden Briefes der Agentur [T]:

Na gut, zugegeben, als völlig gegenstandslos konnte die Mahnung zu diesem Zeitpunkt guten Gewissens noch nicht betrachtet werden, zumindest nicht aus dem Blickwinkel der Agentur [T].

Sehr geehrter Herr [B],
trotz unseres Schreibens vom soundsovielten mit Fristsetzung zur Zahlung bis zum soundsovielten sind folgende Posten noch immer offen:
(...)
Wir räumen Ihnen für den Ausgleich der fälligen Posten eine letzte Frist bis zum soundsovielten ein. Sollte der offene Betrag bis dahin nicht auf einem der u. g. Konten eingegangen sein, werden wir den Vorgang ohne weitere Benachrichtigung an unseren Rechtsbeistand weiterleiten.
Sollte die Zahlung jedoch inzwischen erfolgt sein, betrachten Sie bitte diese Mahnung als gegenstandslos.
Mit freundlichen Grüßen

Trotzdem endet hier der I. Akt, denn jetzt kommt der große Auftritt eines weiteren Hauptdarstellers: die Anwaltskanzlei [A], und das rechtfertigt den Fortgang der Tragikomödie mit dem II. Akt.

 

Es wird jedoch dringend empfohlen, zunächst eine kleine Pause im Foyer einzulegen und sich mit Erfrischungsgetränken zu versorgen, denn der II. Akt ist lang!