Copyright © 2002 by Heinz Boente |
|
||||
eine Tragikomödie mit Erläuterungen in III Akten |
|||||
|
III. Akt |
||||
|
1. Szene |
||||
Um andere Webseitenbetreiber nicht in dieselbe Falle tappen zu lassen, entschließt sich [B], auf der [D]-Webseite unter der Überschrift VORSICHT einen kurzen Text des folgenden Wortlauts zu veröffentlichen: |
|||||
Einer seiner Freunde (obwohl er den Beruf des Rechtsanwalts ausübt), den [B] konsultiert, meint, man könne das ruhig machen, solange man sich streng an gegebene Tatsachen hält, schließlich herrsche in diesem Lande das Recht auf freie Meinungsäußerung, jedenfalls vorläufig noch. Also hält [B] sich - bis auf eine in Klammern geäußerte Vermutung - streng an die gegebenen Tatsachen. |
Ein wichtiger Hinweis an alle, die das Foto [D]'s auf ihren eigenen Webseiten verwenden: |
||||
|
2. Szene |
||||
[B] ist sehr gerührt und dankt an dieser Stelle ausdrücklich allen Besuchern der [D]-Webseite für ihre Anteilnahme. |
Die Reaktionen auf diese Aktion kommen selbst für [B] überraschend. Viele Besucher der [D]-Webseite bekunden nicht nur ihr Unverständnis über die schroffe Reaktion der Agentur [T], sondern ein freundlicher Besucher macht sogar das Angebot, den von [B] bereits bezahlten Betrag von knapp 200 Euro durch eine spontane Sammlung aufzubringen und ihm zurückzuerstatten. |
||||
Im Forum der [D]-Webseite wagt derweil der Besucher [V] (= die Stimme des Volkes), vom Recht seiner freien Meinungsäußerung durch folgenden Beitrag Gebrauch zu machen: |
|||||
So eine Frechheit. Fast 500 Euro. Die können nicht mehr ganz sauber ticken. Man kann dieser Seite (also Ihnen Herr [B]) beim besten
Willen doch nicht vorwerfen, das Foto hier zu Zwecken der eigenen Bereicherung verwendet zu haben! Viel mehr sollte diese Seite doch dazu beitragen dieses Buch bekannter zu machen bzw. [D] als Person bekannter zu machen. Das kann sich doch nur
positiv für den Verlag auswirken. Aber scheinbar ging es hier mal wieder nur um die reine Geldgier, anstatt darum,sich mal vernünftig Zeit zu nehmen, um die Verwendung des Bildes einmal näher zu betrachten und dann abzuwägen, ob eine Anklage
wirklich Sinn macht. Rechtlich allein gesehen mag sie vielleicht durchführbar sein (ich verkneife es mir hier einmal, über unser Rechtssystem zu urteilen), trotzdem beweisen die zuständigen Leute des Verlags alles andere als Weitblick. Man
hätte es auch anders regeln können, als direkt das volle Programm abzuspulen. Aber so sind sie nunmal die Menschen, erst handeln, dann denken. |
|||||
|
[B], der als höflicher Mensch auf fast jedes an ihn gerichtetes Schreiben, auf jeden Fall aber auf jeden Brief prompt und entsprechend antwortet, äußert daraufhin seine freie Meinung im selben Forum wie folgt: |
||||
Zumindest denkt [B] zu diesem Zeitpunkt noch, daß er seine Meinung frei äußern darf, denn eigentlich handelt es sich ja nicht einmal um seine freie Meinung, sondern um feststehende Tatsachen, ein Unterschied, der aber Mitgliedern gewisser Berufsgruppen wohl nicht immer so ganz klar ist, weshalb es dann auch gerne zu Verwechslungen kommt. |
Danke, [V]! |
||||
3. Szene |
|||||
Nach einem Kurzurlaub findet [B] in seinem Computer ein siebenseitiges Fax der Kanzlei [A] vor, das er schmunzelnd kurz überfliegt und dann - wegen vieler anderer zu erledigender Dinge höchst privater Natur - kurzerhand wieder vergißt. Die Kanzlei [A] wird sich eh auf dem Postweg wieder melden, weiß [B] aus Erfahrung. |
|||||
Ein Einschreiben mit eigenhändiger Übergabe und Rückantwort kostet doch tatsächlich 6,75 Euro! Das hatte der Autor bisher auch noch nicht gewußt und überlegt seitdem, ob er nicht schnell ein paar dieser gelben Aktien kaufen soll. |
Und tatsächlich, etwa eine Woche später bringt der Briefträger folgendes Einschreiben mit Rückantwort und eigenhändiger Übergabe, das [B] dann auch eigenhändig entgegennimmt (den Rücktransport der unterschriebenen Antwort überläßt er allerdings dem bereits mehrfach aufgetretenen freundlichen Mitarbeiter der Deutschen Post AG): |
||||
Bezüglich der Formulierungskünste hat der Autor sich ja bereits an anderer Stelle geäußert... |
Sehr geehrter Herr [B], |
||||
|
Es folgt das o. a. Faxschreiben, dem auch noch mehrere Screenshots der [D]-Webseite beigefügt sind, welche aber zum Fortgang der Handlung nichts Wesentliches beitragen und daher hier getrost weggelassen werden können: |
||||
Nanu? Daß ein einfacher Link jemandes Ansehen und Ehre verletzt, einen widerrechtlichen Eingriff und
Rufschädigung darstellt und außerdem geeignet ist, den sozialen Geltungsanspruch und die wirtschaftliche Wertschätzung zu beeinträchtigen, ist ja nun mehr als bemerkenswert! Ja, wenn die [D]-Seite schmuddelige Fotos enthielte... ist
aber nicht so! Der Autor hat schon von Firmen munkeln hören, die für einen Reklame-Link zu ihrer Webseite sogar freiwillig größere Summen Geldes zu zahlen bereit sind. In diesem Zusammenhang stellt sich einem denkenden Menschen (der Autor
glaubt hartnäckig, ein solcher zu sein) unwillkürlich die Frage, wann die Kanzlei [A] im Auftrag der Agentur [T] denn wohl die Betreiber von Internet-Suchmaschinen auffordern wird, den Link zu besagter Agentur umgehend zu entfernen... man darf
gespannt sein! Fragte man ihn, schlüge der Autor [T] als sicherste Lösung vor, die eigene Webseite einfach aus dem Internet zu entfernen, dann wäre sie gründlich gegen jegliche Art von Links gefeit.
[G] zu [B]: "Jetzt dreh'n die wohl komplett durch." |
Sehr geehrter Herr [B], |
||||
|
Und jetzt als Krönung dieses noch: |
||||
Da der Autor schon allein vom Begriff Strafbewehrte Unterlassungsverpflichtungserklärung so begeistert ist, will er seinen Lesern den leibhaftigen Inhalt einer solchen keinesfalls vorenthalten, denn derartige sprachliche Leckerbissen bekommt man ganz sicher nicht alle Tage zu sehen. |
Strafbewehrte Unterlassungsverpflichtungserklärung |
||||
|
|
||||
Da dieser stilistische Höhepunkt nun wirklich nicht mehr überboten werden kann, ist jetzt das vorläufige Ende der Tragikomödie erreicht und es bleibt nurmehr der Epilog. |
|||||
Sollten die Erfrischungsgetränke bereits aufgebraucht sein, hat man nun die Gelegenheit, sich im Foyer mit neuen zu versorgen und sich auch ein wenig die Füße zu vertreten. |
|
||||
|